|
Heinrich Tischner Fehlheimer Straße 63 64625 Bensheim |
Die Wahrheit über die Nibelungen, SchauplätzeWorms |
Email:
|
||
|
Als Wohnsitz Gunthers und Hagens gibt der Waltharius 432 f an:
im Nibelungenlied 6,1
Das kann gar nichts anderes sein als die rheinhessische Stadt. Wie kommt aber die Sage auf Worms? burgundische Hauptstadt?Ob der Ort Hauptstadt der historischen Burgunder war, ist in der Forschung umstritten. Es gibt jedenfalls keinen urkundlichen Quellenbeleg dafür und archäologisch ist auch schwer was nachzuweisen (wohl aber, dass die Burgunder auf der anderen Rheinseite waren). Eine kurze Notiz des Hieronymus aus dem Jahr 408/9 besagt: Mainz sei bei dem Germaneneinbruch von 406/7 zerstört worden und Worms "nach langer Belagerung" gefallen. Mainz kam also als burgundische Hauptstadt nicht in Frage und wird auch in der Sage überhaupt nicht erwähnt – obwohl es doch nahe liegend gewesen wäre, nicht nur Lehnsleute aus Alzey (Nibelungenlied), Metz und Straßburg (Waltharius) zu nennen, sondern auch aus Mainz, oder die Stadt sonst irgendwie zu erwähnen. Dagegen scheint Worms von den Germanen nur erobert, aber nicht zerstört worden zu sein. Hieronymus zählt neun germanische Stämme und die Hunnen auf, die an dieser Invasion beteiligt gewesen seien: zuerst eine Anzahl ostgermanischer Stämme, dann Sachsen, Burgundiones und Alemannen. Die letzten drei Stämme zählt Hieronymus offenbar nach der Entfernung auf. Die Sachsen wohnten am weitesten, die Alemannen am nächsten am Rhein. Die Burgunder wohnten Mitte des 3er Jahrhunderts jenseits des Limes, östlich von den Alemannen. 411 erscheint der Burgunderhäuptling Gyntiarios in Germania II = im Rheinland und 430 schreibt Sidonius, Aëtius habe "den Belger vom Burgunder befreit" (siehe Quellen). Das liest sich nicht gerade so, als sei Worms Hauptstadt der Burgunder gewesen. Nun könnte Gyntiarios 411 ja auf einem Kriegszug außerhalb seines Gebiets gewesen sein. Die "Belger" waren die Bewohner der römischen Provinz, die nicht nur das heutige Staatsgebiet Beglien, sondern auch Nordfrankreich und den westlichen Teil von Rheinland-Pfalz umfasste. Worms selbst gehörte weder zur Provinz Germania II noch zu Belgica, sondern zu Germania I, die sich in einem schmalen Streifen den Rhein entlang bis kurz vor Bonn zog. Römische Hauptstadt war Mainz, das aber bei dem Germaneneinfall zerstört wurde. Warum sollten die Burgunder, die ja vorher schon in Südhessen ansässig waren, sich genau an die römischen Provinzgrenzen gehalten haben und nicht auch Rheinhessen annektiert haben? Eine burgundische Hauptstadt dürfen wir uns freilich nicht so pompös vorstellen, wie sie in der Sage beschrieben wird. Vielleicht war es für den König ja angenehmer, auf einem Bauernhof zu leben, wo die Versorgung gesichert war, als in einer Stadt, die sicher Kriegsschäden hatte, und in der die Versorgung nicht gesichert war. Worms als Burgunderhauptstadt ist also zwar nicht unwahrscheinlich, aber auch nicht beweisbar. Alterssitz BrunichildsGanz sicher war aber Vurmacia eine Zeitlang Residenz der merowingischen Königin Brunichild [1]. Da sie in der Sage die Gattin des Burgunderkönigs war, wird man angenommen haben, auch Gunther habe in Worms gewohnt. Die Stadt kam also als Sitz der historischen merowingischen Königin in die Sage, nicht als historische Hauptstadt der Burgunder! Siegfrieds GrabEin heute verschwundenes vorgeschichtliches Hügelgrab mit Hinkelsteinen wurde als Siegfrieds Grab angesehen. Es gibt Pläne, das Denkmal wiederherzustellen. Der Wormser Rosengarten,in den Volksbüchern Turnierplatz, heute eine junge Siedlung auf der anderen
Rheinseite, hat wohl eine ganz prosaische Vorgeschichte: Der Name ist einfach
die mundartliche Form von
Rasengarten
'Grasgarten'. Rosengarten als Flurname gibt es auch anderswo am Rhein. |
[1] Fredegar 40 |
|||
|
|
|
|
Datum: 1994 /2006 Aktuell: 29.12.2010 |
|