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1. die Vogesen
2. nicht der Odenwald
3. das Pfälzische Bergland?
4. Siegfried wurde in seiner Heimat ermordet!
5. ursprünglich der "Baskenwald" = die Pyrenäen?
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Der Waskenwalt (lat. Vosegus, nhd. Vogesen) trennt die
Rheinebene, in der auch Worms liegt, von den späteren Wohnsitzen der Burgunder.
Im Waltharius kommen der Aquitaner Walther und die Burgunderin Hiltgunt auf
ihrer Flucht aus dem Hunnenland an Worms vorbei und ziehen weiter in Richtung
Heimat. Sie werden von den Wormsern verfolgt. Am Vosegus kommt es zum
Kampf.
Aus Sicht des mittelalterlichen Erzählers ist es folgerichtig, dass die
Flüchtlinge an den Vogesen vorbei müssen, um nach Burgund oder Spanien zu kommen
(die Burgunder wohnen ja nicht mehr bei Worms, sondern in der Bourgogne; die
Verfolger sind keine Burgunder, sondern Franken). Aber wozu mussten die beiden
überhaupt den Umweg über Worms machen? Weiter die Donau aufwärts und bei Basel
durch die Burgundische Pforte südlich an den Vogesen vorbei wäre der kürzere Weg gewesen.
Das Nibelungenlied scheint diese Geschichte zu kennen, wenn es von einer Jagd im
Waskenwalt berichtet, bei der Siegfried ermordet wurde. Auch dieses
Abenteuer ist voller Ungereimtheiten, denn die Vogesen liegen auf derselben
Rheinseite wie Worms, nach dem Nibelungenlied aber müssen die Burgunder über den
Rhein, um im Waskenwalt zu jagen. Für einen schnellen Jagdausflug sind
die Vogesen auch ein bisschen zu weit (mehr drei Tagereisen).
Von daher kann man verstehen, wenn der Herausgeber der Handschrift C an Stelle des Waskenwaldes den
Odenwald
setzt. Dazu passt auch besser, dass die Jagdgesellschaft von Worms aus den Rhein überquert. Aber auch der Odenwald ist für einen
Jagdausflug ein bisschen weit. Man sollte annehmen, dass das Jagdgebiet direkt
gegenüber von Worms auf der anderen Rheinseite lag.
Alle diese Schwierigkeiten lassen sich aber nicht dadurch lösen, dass wir auf
der Landkarte ein näher gelegenes Terrain suchen. Denn sie sind dadurch
entstanden, dass hier verschiedene Überlieferungen zusammengeflossen
sind.
Von daher sind auch alle Versuche müßig, den Gebirgsnamen in Zusammenhang zu
bringen etwa mit dem Flussnamen der
Weschnitz
(764 Wisgoz, 1493 Wessentze) oder
dem Siedlungsnamen
Waschenbach bei
Nieder-Ramstadt, 15. Jh. Wassenbach).
Nun sind ja die Vogesen vom Pfälzischen Bergland und Rheinhessischen
Hügelland nicht so deutlich geschieden wie der gegenüberliegende Schwarzwald vom
Odenwald. Waskenwalt könnte also auch Pfalz und Rheinhessen einschließen. Die Jagd hätte also auch in den linksrheinischen Bergen stattfinden
können. Aber dazu hätten die Burgunder nicht über den Rhein gemusst.
Wenn es wahr ist, dass Siegfried vom Niederrhein stammt, so fühlt
man sich bei dem ermordeten Helden doch an den ripuarischen Häuptling
Sigebert erinnert, der von Köln aus über den
Rhein in den Buchonischen Wald zog und dort von seinem Sohn ermordet
wurde.
Buchonia hieß im frühen
Mittelalter ein fränkischer Gau am Vogelsberg. Auch das ist etwas weit weg, so
dass man annehmen muss, dass Sigibert ins gegenüberliegende Sauerland ging und
dort den Tod fand. Die Parallelen sind deutlich: Der Held kommt aus einer
linksrheinischen Hauptstadt und wird in einem rechtsrheinischen Gebirge
von einem Verwandten ermordet.
Dazu passt im Nibelungenlied, dass Siegfried nach seiner Hochzeit wieder in
seine Heimat zurückkehrt und erste Jahre später anlässlich eines Festes wieder
nach Worms kommt. Diese Episode stört zwar nicht den Erzählungsfluss und ist
auch vom Ablauf her zu verstehen: Siegfried tritt die Nachfolge seiner
königlichen Vaters an. Aber wenn das so war, ist nicht recht zu verstehen, warum
Brünhild ihren Schwager immer noch für einen Dienstmann und nicht für einen
ebenbürtigen Mitkönig hält. Vielleicht steckt in dem Einschub von der
Xanten-Reise eine Erinnerung, dass der historische "Siegfried" ja tatsächlich
am Niederrhein gelebt hat. Wenn er nach Meinung der Wormser in der Nähe von
Worms ermordet wurde, dann brauchte er einen Anlass, um nach Worms zu kommen.
Wenn das Nibelungenlied erzählt, dass Sîvrit in einem rechtsrheinischen Gebirge
ermordet wurde, so beruht das auf richtige Erinnerungen der Wormser Franken, die
ja vom Niederrhein kamen. Nur dass sie jetzt ein passendes Gebirge in ihrer
neuen Heimat suchen mussten. Warum haben sie dann aber vom Waskenwalt und
nicht vom Odenwald geredet?
Ein Hinderungsgrund war vielleicht, dass es auch ein
Buconia, ganz
in der Nähe von Worms, gab. Das war ein ehemaliges römisches Militärlager
zwischen Worms und Mainz, in fränkischer Zeit sicher schon lange aufgegeben.
Aber vielleicht haftete der Name ja an dem Höhenzug über Oppenheim.
[1] Als der alte Name in Vergessenheit geriet,
suchte man einen Ersatz zunächst auf der linken Rheinseite und fand ihn im
Waskenwalt, der vielleicht die Pfälzer und Reinhessischen Berge mit
einschloss.
Dies vertrug sich aber nicht mit der Überlieferung, dass Siegfried auf der
rechten Rheinseite ermordet wurde. Also hat der Bearbeiter der Handschrift C
den Waskenwalt konsequent durch den Odenwald ersetzt. Damit
wird die Geschichte schlüssig, aber nicht historisch richtiger. Denn der
historische "Siegfried" wurde im Sauerland ermordet.
Vielleicht hat der Nibelungendichter ja auch den Waskenwalt aus der
Walthersage übernommen, auf die er Bezug nimmt.
Im lateinischen Waltharius ist vom Vosegus die
Rede ist, wo Walther sich den Wormsern stellte. Das könnte auf ein
deutsches Waskenwalt zurückgehen. Der
Dichter war ja ein Deutscher. Gemeint sind aber dort wohl nicht die Vogesen, sondern die Pyrenäen, wo sich der historische
Wallia seinen Verfolgern stellte: Die Basken, die dort leben, heißen auf Lateinisch Vascones. Die baskische Gascogne
hieß mittelhochdeutsch Wasconie
(im Rolandslied).
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[1] nicht zu Buche, sondern zu
einem alten Wort für Berg, das noch in vielen Ortsnamen auf -buch
vorkommt, denen ein -bach entspricht. Die beiden Orte hätten kelt.-lat.
*Bâgonia oder germ. *Bôkonia und nicht Buconia, Buchonia heißen
müssen, wenn sie nach dem Baum benannt worden wären. |