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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Die Wahrheit über die Nibelungen

Religion im Nibelungenlied

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Das Nibelungenlied ist fast im modernen Sinne areligiös, d.h. religiöse oder wenigstens mythologische Motive muss man mit der Lupe suchen.

Drei Szenen sind dabei besonders interessant:

  1. Der Streit der Königinnen vor der Kirchentür

  2. Die Aufbahrung Siegfrieds in der Kirche

  3. Der getrennte Kirchgang von Christen und Heiden am Etzelshof.

Bei aller Rachsucht und allen Grausamkeiten im 2. Teil herrscht doch eine wohltuende Toleranz. Der Heide Etzel duldet den christlichen Glauben seiner germanischen Vasallen und seiner Frau. Sie haben dort sogar eine Kirche. Und der Erzähler findet gar nichts dabei, dass beide Parteien am Sonntagmorgen getrennte Kirchen besuchen und dann in einem Turnier ihre Kräfte messen. Keinerlei Bekehrungsversuche oder wenigstens Diskussionen, wer den besseren Glauben hat. Und das zur Zeit der Kreuzzüge!

Der einzig wirklich religiöse Mensch und auch der Einzige, der sich überhaupt Gedanken macht, ist Hagen, jedenfalls im Zusammenhang mit Vorbereitung und Durchführung der Fahrt ins Hunnenland. In diesem Zusammenhang – und nur in Verbindung mit Hagen – kommt auch das einzige nennenswerte mythologische Motiv mit den weissagenden Mädchen. Und wiederum interessant, dass es gerade der Gottesmann ist, der von der Hunnenfahrt lebend zurückkommt.

Aber kein Wort von germanischem Schicksalsglauben und Ähnlichem.

Erst die nordischen Parallelüberlieferungen wie auch Wagner haben die Vorgeschichte mythologisch angereichert: die Herkunft des verfluchten Schatzes, der Drachenhort (im Nibelungenlied nur ein Nebenmotiv), Brynhild ist eine Walküre, Sigurd ein Göttersohn, das magische Schwert, die Wirkung des Fluchs usw. Das sind deutlich Zutaten und nicht der Kern der Sage.

Gunther, Brunichild und der 2. Sigibert waren Christen, u.zw. nicht der ersten Generation. Der erste Sigibert, der wie Siegfried von einem Verwandten im Wald ermordet wurde, war wohl noch Heide.

Der Kern der Nibelungensage ist jedenfalls bereits in christlicher Zeit entstanden. Von einem religiösen Konflikt berichten auch die nordischen Sagen nichts.

Die ersten Nordleute, die die deutsche Geschichte hörten, waren wahrscheinlich noch Heiden, wie ein Runenstein mit dem Siegfried-Motiv zeigt. Die Leute, welche die Edda und die Thidrekssaga aufgeschrieben haben, aber waren schon Christen, allerdings noch mit der alten Mythologie vertraut.

Die nordische Überlieferung hat aber insofern nichts zu sagen, weil den Nordleuten bewusst war, dass die Geschichte aus Deutschland stammt und in Deutschland bzw. irgendwo im Osten spielt. Erst in einigen Zutaten wurden auch skandinavische Schauplätze eingebaut.

   

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Datum: 200

4 /2006

Aktuell: 26.03.2016