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Heinrich Tischner Fehlheimer Straße 63 64625 Bensheim |
Die Wahrheit über die Nibelungen, StoffgeschichteHagen, eine Verkörperung Wodans? |
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Der Waltharius endet damit, dass Walther, Hagen und Gunther durch den sinnlosen Kampf schwer verwundet sind: Walther verlor eine Hand, Hagen ein Auge und Gunther ein Bein. Die Verwundung Gunthers ist wohl nur eine Ergänzung des Dichters, aber die beiden anderen haben wiederum mythologische Vorlagen: Der nordische Gott Tyr [1] verlor einen Arm, Odin ein Auge. Ist der einäugige Hagen eine Inkarnation Odins bzw. Wodans? An Wodan erinnert auch der Speer (die typische Waffe des Gottes), mit dem Hagen in Nibelungenlied Siegfried ermordet. Wodan war ursprünglich der germanische Begriff für 'Geist': Er fährt im Sturm [2] durch die Lüfte und trägt den grauen Mantel des wolkenverhangenen Himmels. Mit ihm zieht das "wütende [3] Heer" der Gefallenen; daher gilt der nordische Odin auch als Schlachtenlenker, der auf einem achtbeinigen Ross reitet und als Waffe den Speer führt. Zum Kriegsgott wird er auch dadurch, dass er die unbesonnene "Wut" repräsentiert, die einem germanischen Krieger gewaltige Kräfte verlieh. Ein anderer Aspekt der Besinnungslosigkeit ist die Inspiration [4], welche zur Weisheit verhilft und für kreatives Wirken unerlässlich ist. Odin hat sein Auge geopfert, um Weisheit zu erlangen. Die nordischen Skalden (Dichter und Sänger) haben ihn besonders verehrt. Hagen ist in der Überlieferung eigentlich mehr Ratgeber als Krieger. Wenn er hinterrücks Siegfried mit dem Speer ermordet, dann entspricht das wohl der Art Odins, der auch seinen Freunden in der Schlacht in den Rücken fällt, wenn es das Schicksal bestimmt hat. |
[1] ursprünglich Himmelsgott und Gott der Wahrheit, später Kriegsgott. Tyr verlor seinen Arm, weil er einen Meineid schwor. [2] der altindische Windgott hieß Vāta
[3]
"Wut" ist eine Art Geisteszustand, eine Gemütsbewegung.'
[4] lat. vātes 'Seher'
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Datum: 1994 /2006 Aktuell: 29.12.2010 |
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