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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Die Wahrheit über die Nibelungen, Stoffgeschichte

Der wilde Zögling

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Romulus und Remus

Parzival

Der wilde Hagen

Das Findelkind

 

Nach der Wölsungen- und Thidreksaga war Siegfried zwar ein Königssohn, hatte aber früh seine Eltern verloren. Nach der Thidreksaga wuchs er im Wald auf und wurde von einer Hinde gesäugt. Die nordische Überlieferung ist sich einig, dass er dann von dem Bruder des Drachen großgezogen wurde und seinem Pflegevater durch seinen jugendlichen Übermut ständig auf die Nerven ging.

Romulus und Remus

Eine ähnliche Geschichte erzählte man schon von Romulus und Remus, zwei Findelkindern, die von einer Wölfin gesäugt und von einem Hirten aufgezogen wurden und wegen ihrer gewalttätigen Streiche Ärger machen. [1]

Parzival

Das auf eine bretonische Sage zurückgehende Epos erzählt den Werdegang eines jungen Mannes ritterlicher Abkunft, der in der Wildnis großgeworden ist und keinerlei höfische Erziehung genossen hat. [2] Der Dichter stellt dar, wie der Held nicht nur lernt, sondern auch durch seine Erfahrungen innerlich reift. Seine Jugendsündern begeht er aus Unkenntnis, nicht weil er zu viel überschüssige Kräfte hat.

Der wilde Hagen

Die Vorgeschichte des Kudrunepos berichtet von einem ebenfalls in der Wildnis aufgewachsenen Kind, das schließlich Anschluß an die Zivilisation findet und sogar König wird.

Das Findelkind

In der Geschichte vom königlichen Findelkind, das bei Pflegeeltern aufgezogen wird, dann aber seiner Bestimmung nach doch noch zu Ehren kommt, überschneiden sich zwei Motive:

  • ein Geburtsmythos: Der junge Erdenbürger schwimmt in einer Mini-Arche auf dem Fluss und wird von seinen späteren Eltern gefunden (so in der Thidreksaga, bei Romulus und Remus, auch bei Mose und bereits beim akkadischen König Sargon. Auch das Märchen vom Klapperstorch nimmt dieses Motiv auf).

  • eine Legende, die einen Emporkömmling legitimieren soll, so bei Sargon oder Romulus und Remus.

Die Version vom elternlosen Siegfried ist nur ein unbedeutendes Nebenmotiv. Da Siegfried keine Ansprüche auf eine Krone stellt, ist seine Herkunft gleichgültig. Wichtig ist, was er selbst aus sich gemacht hat, und das hat der mit den Findelkindergeschichten gemeinsam. 

   

 


 

 

[1] Hier ist das Hauptmotiv allerdings, dass die beiden Emporkömmlinge, die Rom gründeten, in Wirklichkeit ausgesetzte Königskinder sind, ihr Herrschaftsanspruch also legitim ist.

[2] Ähnlich die Sage von Genovefa, die vom Leben einer verbannten Königin in der Wildnis erzählt.

 

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Datum: 1994 /2006

Aktuell: 29.12.2010