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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Die Wahrheit über die Nibelungen, Überlieferung

Kudrun

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Da ich den mhd Text nicht kenne, gebe ich die Namen in der Schreibung der nhd. Reclam-Ausgabe an.

Das Kudrunepos orientiert sich stark am Nibelungenlied, wird daher jünger und um 1250 entstanden sein. Wie der Name Kudrun zeigt, geht die Sage aber wohl von einer Vorform des uns bekannten Nibelungenlieds aus, das aber schon in der Kürenberger Strophe abgefasst sein wird. [1]

  • Vom Nibelungenlied hat es die Kürenberger Strophenform übernommen, die aber nur in wenigen Fällen vollendet ausgeführt ist.

  • Das Kudrunepos beginnt mit ähnlichen Worten.

  • Es kommen ähnliche Namen vor:

  • Kudrun, die Heldin [2]

  • Hagen: Vater Kudruns - die Rolle des Nibelungen-Hagens spielt Wate

  • die beiden Hilde // Kriemhild und Brünhild

  • Siegband // Siegmund: Urgroßvater Kudruns

  • Uote: Mutter Siegbands

  • Ortwein, Kudruns Bruder // Ortwin, Gunthers Vasall

  • Siegfried, ein Antiheld [3]

  • die böse Königin Gerlind, die am Ende wie Kriemhild als "Teufelin" beschimpft und enthauptet wird

  • Irland // Island: Heimat der Braut
    Nifland
    [4] // Nibelungen: Heimat eines Vasallen Morung [5]

  • Der Handlungsablauf ist ähnlich:

1. Vorgeschichte: Die Jugend des "wilden Hagens"  von Irland, der von Greifen geraubt wurde, sich selbst befreien konnte und mit drei ebenfalls geraubten Jungfrauen gerettet wurde. Er heiratet eine von ihnen, eine Inderin [6] Hilde. Sie bekommen eine Tochter, die ebenfalls Hilde heißt. Hagen gönnt niemand seine Tochter und bringt den ersten Freier um. [7]

2. Der Brautraub: Zwei Vasallen des Königs Hettel von Dänemark verkleiden sich als Kaufleute, locken Hilde auf ihr Schiff und entführen sie. Weil Hilde sich in Hettel verliebt, stimmt Hagen der Heirat zu. [8]

3. Kudrun: Hettel verhält sich wie sein Schwiegervater und gönnt niemand seine Tochter Kudrun. Drei Freier werden abgewiesen: der Mohr Siegfried, der Normanne Hartmut und Herwig von Seeland. Herwig rückt mit seinem Heer an, um Gudrun mit Gewalt zu holen. Hettel  stellt sich zu einem Zweikampf, der durch Kudrun unterbrochen wird. Da Kudrun Herwig liebt, stimmt Hettel der Heirat zu.
Inzwischen verwüstet Siegfried die Heimat Herwigs, so dass Herwig abreisen muss, um sein Land zu retten. Hettel und seine Recken begleiten ihn.
Während ihrer Abwesenheit überfällt Hartmut Hettels Burg und holt sich Kudrun mit Gewalt. Nun schließen Hartmut und Hettel mit Siegfried Frieden. Die Verbündeten jagen den Räubern nach und stellen sie auf dem Wülpensand zum Kampf. Nach einer langen Schlacht fliehen die Normannen.
Da sich Kudrun nicht fügt, behandelt sie Hartmut 14 Jahre lang wie eine Sklavin, bis sie dann von Herwig befreit wird. Jetzt erst kann die Hochzeit stattfinden
. [9]

 

 

 

[1] Informationen aus der Einleitung von Friedrich Neumann in der Reclamausgabe (1958)

 

[2] bairische Schreibung des niederdeutschen Namen *Gûðrûn, der hochdeutsch Gundrun lauten müsste.

[3] erfolgloser Freier, nicht der "lichte" Held der Nibelungensage, sondern ein Schwarzer "von Mohrland".

[4] niederdeutsche oder nordische Lautung

[5] erinnert an Mohrland, die Heimat Siegfried

[6] eine Ausländerin wie Brünhild und zugleich ein Zugeständnis an den Zeitgeschmack, der exotische Geschichten liebte

[7] Der Dichter verweist auf eine damals bekannte "Märe"

[8] // die unnahbare Brünhild

 

 

 

[9] wohl eine eigene Sage. Der zweite Teil entspricht im Nibelungenlied der Brautwerbung um Brünhild

Die Entführung Kudruns entspricht in der Nibelungensage Gudruns zweiter Ehe, nur dass sich Kudrun nicht rächt, sondern leidet, bis sie befreit wird.

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Datum: 1994 /2006

Aktuell: 29.12.2010