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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Die Wahrheit über die Nibelungen

Überlieferungsgeschichte

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Grundsätzliches

Vergleich Nibelungenlied - Edda

Sage von Attila

Konflikt zwischen Brunichild und ...Gund...

Sage von der Ermordung Sieg...s

Weitere alte Zeugen

Beowulf

Waltharius

Kudrun

Vermutungen über die Überlieferungs-geschichte

Nachgeschichte

 

Über die Vorgeschichte der Nibelungensage vor der jetzigen Fassung wissen wir wenig. Deshalb sind alle Spekulationen über die Entstehungs- und Überlieferungsgeschichte fragwürdig.

1. Grundsätzliches

Die einzige alte Parallelüberlieferung finden wir in der Edda. Dort ist der Stoff auf verschiedene Lieder verteilt, die aber inhaltlich zusammengehören. Sie setzen wohl voraus, dass der Zuhörer den groben Ablauf der Geschichte kennt und nur gespannt ist, wie diese oder jene Episode vom Sänger dargestellt wird.

Freilich schafft der Sänger durch seinen Vortrag wieder neue Fakten. Irgendeine Kleinigkeit, die er nur andeutet, wird dann von einem anderen Sänger ausgeschmückt und vielleicht Inhalt eines ganzen Liedes.

Ähnlich wird es bei der Entstehung der Trojasage gewesen sein. Auch die Ilias setzt anscheinend voraus, dass die Zuhörer über den Trojanischen Krieg unterrichtet sind, und erzählt nur vom Zorn des Achilleus und dem Untergang der Stadt. Die Vor- und Nachgeschichte sowie weitere Episoden wurden von späteren Dichtern besungen und weiter ausgeschmückt.

2. Vergleich Nibelungenlied - Edda

Von den mir bekannten 21 Texten der Edda mit Nibelungenstoff lassen sich vier mit dem Nibelungenlied vergleichen: die beiden Sigurdlieder, die beiden Atlilieder; dazu kommen die späten Zusammenfassungen von Snorri und der "Weissagung Gripirs" und der "Tötung der Niflungen". Die übrigen vierzehn behandeln Sonderthemen oder die Vor- und Nachgeschichte.

Die beiden Sigurdlieder verweisen auf die kommende Katastrophe bei Atli. Sie finden also ihre Fortsetzung in den Atliliedern.

Andererseits können die beiden Atlilieder auch ohne Vorgeschichte verstanden werden. Von Sigurd und Brynhild ist keine Rede. Thema der Sage ist der Schatz, den Gunnar und Högni besitzen und den ihr habgieriger Schwager Atli an sich bringen will.

Die Geschichten dieser Lieder gehen nach eigenen Angaben auf deutsche Erzählungen zurück. Daraus können wir schließen, dass eine Vorstufe der Nibelungensage mindestens die Brautwerbung um Brünhild, die Ermordung Siegfrieds und Untergang der Nibelungen enthielt.

a. Die Sage von "Attila" und dem Untergang der Nibelungen

Kern des Sagenkomplexes scheint die Geschichte zu sein, die im alten Atlilied erzählt wird:

Zwei Brüder besitzen einen Schatz. Ihre Schwester Grimhild  ist mit dem Hunnenkönig Atli verheiratet. Der lädt seine Schwäger ein und versucht sie zu zwingen, den Schatz herauszugeben. Sie lassen sich aber nicht erpressen und finden den Tod. Die Schwester rächt ihre Brüder, ermordet Atli und zündet den Palast an.

Dieser Sage sind zwei voneinander unabhängige Sagen vorgeschaltet, die in den Sigurd-Liedern miteinander verbunden sind:

b. Die Sage vom Konflikt zwischen "Brunichild" und "...Gund..."

Brynhild verliebt sich in einen Mann, muss aber dann dessen Freund heiraten. Der ursprüngliche Geliebte heiratet Gudrun. Das ungeklärte Verhältnis Brynhilds zu ihrem Mann und ihrem Schwager führt zu einem Konflikt.

Die Ursache des Konflikts wird unterschiedlich dargestellt:

jüngeres Sigurdlied

Brynhild kann sich nicht entscheiden, wen sie lieben soll, den Mann Gudruns oder ihren eigenen.

altes Sigurdlied

Brynhild und Gudrun geraten in einen Streit über den Vorrang ihrer Männer.

Das entspricht dem Nibelungenlied. Das Motiv vom "Streit der Königinnen" stammt aber deutlich aus einem anderen Zusammenhang. So wird die Darstellung des jüngeren Liedes die ursprüngliche sein.

c. Die Sage von der Ermordung "Sieg...s"

Zwei Brüder stiften einen dritten an, ihren Schwager Sigurd zu ermorden. Der erschlägt ihn heimtückisch im Wald (nach anderen Darstellungen im Bett oder beim Ritt zum Thing).

Die Brynhild- und Sigurdsage wird dadurch miteinander verbunden, dass der Konflikt Brynhilds Anlass gibt, Sigurd zu töten. Sigurdlieder und Atlilied sind aber nur durch die Personen und nicht durch einen echten logischen Zusammenhang miteinander verbunden. Dieser logische Zusammenhang wird erst im Nibelungenlied hergestellt: Kriemhild rächt den Tod Siegfrieds an ihren Brüdern.

3. Weitere alte Zeugen der Nibelungenüberlieferung

a. Beowulf

Das angelsächsische Epos kennt ein Lied von Sigemund, der einen Drachen tötete und den Schatz an sich nahm, den der Drache gehütet hatte.

Später wird diese Tat Siegfried bzw. Sigurd zugeschrieben und der ursprünglich Held wird zum Vater Siegfrieds.

b. Waltharius

Guntharius war König der Franci Nebulones [= Nibelungen] in Worms. An seinem Hof lebt der ältere Hagano, der in seiner Jugend Geisel am Hof Attilas war. Der vorbeireisende Waltharius, der die Königstochter Hiltgunt und eine Menge Gold mit sich führt, weckt die Habgier des Wormsers, welcher versucht, dem Waltharius den Schatz abzujagen.

Das scheint eine Erinnerung an den Westgotenkönig Wallia zu sein, der eine byzantinische Prinzessin entführt hatte.

Das Nibelungenlied verweist ausdrücklich auf die Walthersage.

c. Kudrun

Das Kudrunlied ist zwar jünger als das Nibelungenlied und knüpft deutlich daran an, ist aber insofern ein wichtiger Zeuge, als es den ursprünglichen Namen der Frau Siegfrieds, nämlich Gudrun > Kudrun erhalten hat.

4. Vermutungen über die Überlieferungsgeschichte

Der Grundbestand der Nibelungensage geht auf deutsche Erzählungen zurück, die wohl noch vor 1000 in Skandinavien bekannt, in Lieder besungen und schließlich um 1250 in der Edda schriftlich fixiert wurden.

Überlieferungskreise

Die Lieder der Edda setzen drei getrennte Überlieferungskreise voraus:

            1. Brynhild, 2. Sigurd, 3. Atli.

Brynhild, Sigurd

Die ersten beiden gehen wohl historisch auf die Merowinger zurück. Dazu gehört auch die Frau Sigurds, die in der Edda Gudrun heißt und ihr historisches Vorbild in der Merowingerin Fredegunde hat.

Die Brünhild- und Siegfriedsage wurden erweitert durch die Märchenmotive der Brautwerbung und des Schatzes.

Atli

Atli ist der historische Attila und seiner letzten Frau Hildiko, die in der Sage Etzel und Kriemhild heißen, vermischt mit dem Westgotenkönig Athanagild, dessen beiden Töchter Brunichild und Galswintha (≈ Brynhild + Gudrun) mit Merowingern verheiratet waren.

Gunnar

Die Sagenkreise sind verbunden durch die Person Gunthers, des historischen Burgunderkönigs, dessen Schwester in der Sage zuerst mit Siegfried, dann Etzel verheiratet war.

Schwanhild

Der Norden verbindet die Überlieferung von Ermanarich und Sunilda mit den Sagenkreis um Gudrun, indem Svanhild zur Tochter Gudruns wurde.
Die deutsche Sage dagegen gliedert Schwanhild in den Sagenkreis von Dietrich von Bern ein.

Dietrich

Als letztes wurde der Sagenkreis von Dietrich von Bern mit dem zweiten Teil der Nibelungensage verflochten, wovon die Edda noch nichts weiß.

Dieser Sagenkomplex war um 1150 als zusammenhängende Erzählung im Umlauf, wurde im Nibelungenlied in Gedichtform niedergeschrieben und zugleich auch in Skandinavien erzählt und bei Snorri und unter neuerem deutschen Einfluss in der Thidreksaga schriftlich fixiert.
 

   

historisch

nordisch,

englisch

deutsch

Skandinavien,

England

Deutschland

Westgoten

Wallia

Placidia

Honorius
Konstantius


Waldere

 

Guðhere

Hagana


Walther

Hildegunde

Gunther

Hagen

Fragment Waldere

Waltharius

(Drachentötermythos)

*Sigemund

Siegfried

Regin-, Fafnirlied

Snorri

Nibelungenlied

Merowinger heiratet Ausländerin

 

Sigdrifa, Hild

 

Brünhild

 

Brunichild

Sigebert / Sigibert I.

Fredegunde

Brynhild

Sigurd

Gudrun

Brünhild

Siegfried

*Gudrun

Sigurdlieder

Burgunder

Gundacharius

 

Gunnar

 

Gunther

 

Hunnen

Attila

Ildiko

Westgoten

Athanagild

 

 

Atli

*Grimhild

 

Etzel

Kriemhild

 

Atlilieder

 

Ostgoten

Theoderich

Ermanarich

Sunilda

Sarus

Ammius

 

Thidrek

 

Dietrich

 

Thidreksaga

 

Jörmunrek

Svanhild

Sörli

Hamdir

Ermanarich

Schwanhild

 

 

Hamdirlied

Snorri

Dietrich von Bern

   

 

5. Nachgeschichte

Weiter gewirkt hat in Deutschland der Anfang der Sage (Siegfried tötet den Drachen und gewinnt den Schatz) im Spätmittelalter im Lied vom Hürnen Seyfrid und in den Deutschen Volksbüchern, die sich zu Beginn der Neuzeit großer Beliebtheit erfreuten.

Das Nibelungenlied geriet mit dem Ende des Hochmittelalters bald in Vergessenheit und wurde erst 1755 von J. H. Obereit wieder entdeckt und von Johann Jakob Bodmer 1757 und C. H. Myller 1782 veröffentlicht.

a. Literatur

Seitdem wurde der Stoff vielfach bearbeitet (nur eine Auswahl):
Theater, Oper:

1808-10 Friedrich Baron de la Motte Fouqué, Der Held des Nordens (Dramen-Trilogie)

1834 Ernst Benjamin Salomo Raupach: Der Nibelungen Hort (Tragödie)

1853 Richard Wagner, Der Ring des Nibelungen (Oper in 4 Teilen)

1855 Heinrich Ludwig Emund Dorn: Die Nibelungen (Oper)

1857 Emanuel Geibel, Brunhild (Drama)

1861 Friedrich Hebbel, Die Nibelungen (Drama)

1869 Wilhelm Jordan, Die Nibelunge

1870 Ernst Moritz Ludwig Ettmüller, Sigufried  (Drama)

2002 Moritz Rinke, Die Nibelungen (Schauspiel)

Dichtung:

Jung Siegfried
Ludwig Thieck, Siegfried der Drachentöter

b. Film

Fritz Lang, Die Nibelungen 1924
Harald Reinl, Die Nibelungen - Siegfried (1966)
Brian Large (TV 1980, Verfilmung von Wagner): Das Rheingold, Die Walküre, Siegfried, Götterdämmerung

Knut W.Jorfald, Sigurd Drakedreper (1989)

Horant Holfeld (TV 1992/3, Verfilmung von Wagner):  Das Rheingold, Die Walküre, Siegfried, Götterdämmerung

Dieter Wedel, Die Nibelungen (TV 2002, Verfilmung von Rink)

   

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Übersicht

 

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Kudrun

 

Datum: 1994 /2006

Aktuell: 29.12.2010