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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Die Wahrheit über die Nibelungen, Überlieferung

Waltharius

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zwischen 800 und 1000, geschrieben von einem Mönch Eckehard zu St. Gallen in klassischen lateinischen Versen.
Die Geschichte ist uns auch in einem altenglischen Fragment überliefert, in dem die Namen Waldere, Guðhere und Hagana zu erkennen sind.

Der Franke Hagano, die Burgunderin Hiltgunt und der Aquitanier (= Westgote) Waltharius kommen als Geiseln an den Hunnenhof. Hagano gelingt es zu fliehen. Waltharius bleibt mit Rücksicht auf seine Verlobte Hiltgunt, bis sich eine Gelegenheit zur gemeinsamen Flucht ergibt. Waltharius entwendet aus der hunnischen Schatzkammer einen Ersatz für den Tribut, den die Väter den Hunnen zahlen mussten. Da Paar kommt an Worms vorbei, Die Kunde vom Schatz weckt die Habgier von Guntharius, der den Flüchtlingen mit zwölf Mannen und Hagano nachjagt, um den Schatz und die Braut an sich zu nehmen. An einem Engpass in den Vogesen werden die Flüchtlinge gestellt. Waltharius verteidigt sich heldenhaft. Hagano hält sich aus dem Kampf heraus, bis alle anderen gefallen sind und er von Guntharius zum Kampf gezwungen wird, an dem sich auch Guntharius selbst beteiligt. Am Ende sind alle drei schwer verletzt.
In dieser witzigen Dichtung wird vorausgesetzt, dass die Burgunder inzwischen in der Bourgogne, hinter den Vogesen, leben, wo die Heimat Hiltgunts ist; Guntharius und Hagano dagegen gelten als Franci Nebulones [1], ein Wortspiel, das 'fränkische Taugenichtse' bedeutet, aber 'fränkische Nibelungen' meint - ein Hinweis dass zur Zeit Eckehards die Nibelungen eine fränkische Gruppe in Worms waren.
Das Nibelungenlied kennt die Geschichte und geht kurz auf das Abenteuer von Hagene mit Walther von Spânje ein.

Eine einfachere Version der Geschichte hat die Thidreksaga (222-225). Da werden Walther und Hildegunde von Hagen und elf Rittern verfolgt. Er stellt sich zum Kampf, erschlägt die Ritter und schlägt Hagen in die Flucht. Später greift Hagen erneut an; Walther schlägt ihm mit einer Keule ein Auge aus, so dass Hagen abermals flieht und Walther mit Braut weiterziehen kann.
Diese einfachere Geschichte ist in sich logisch und wirkt altertümlich. Es ist aber zu bedenken, dass schon in dem angelsächsischen Fragment auch Gunther (Guðhere
) vorkommt, der mit Sicherheit an den Rhein und nicht zu Attila gehört.
Es ist also anzunehmen, dass der Waltharius die ursprüngliche Story erweitert hat. Diese schimmert etwa durch bei der Forderung des ersten Kämpen Camalo: 602 »dass du Ross und Mädchen mitsamt der Truhen herausgibst.« Sonst ist aber nur von dem Gold die Rede, das der habgierige Guntharius haben will. Von dem Schatz berichtet zwar auch die Thidreksaga, aber nur nebenbei: Hildegunde nimmt Gold und Silber und ihre Kleider mit. Später spielt das Edelmetall keine Rolle mehr. Hagens Aufgabe ist nur, die Flüchtlinge wieder zurückzuholen. – Hier sind also zwei Motive der Story in verschiedener Weise ausgearbeitet: Walther führt illegal das Gold und das Mädchen mit.

Vorbild für diese Erzählung ist wohl der Westgotenkönig Wallia, der Placidia, die Schwester des Kaisers Honorius, entführt hatte. Der Kaiser schickte Konstantin mit einem Heer, um sie zurückzuholen. Das römische und gotische Heer traf sich in den Pyrenäen. Es kam aber zu keiner Schlacht, sondern der Gote rückte Placidia freiwillig heraus.
Von daher lässt sich die ursprüngliche Story rekonstruieren: Walther / Wallia hat eine junge Frau entführt; ein Heer jagt ihm nach und zwingt ihn, die Frau herauszugeben. – Ein späterer Erzähler konnte sich nicht vorstellen, warum man so viel Aufwand wegen einer Frau machte
[2], und dachte, da müsse es ums Geld gehen. Durch den neu in die Story eingebrachten Schatz (// Nibelungenschatz) kamen dann auch Hagen und Gunther ins Spiel. Dadurch wurden die Flucht Hagens und der Umweg über Worms nötig. Die Darstellung der Thidreksaga entspricht also ungefähr der Geschichte von Wallia.
In der Walthersage scheinen also die Originalnamen zum Teil durch Namen aus der Nibelungensage ersetzt zu sein:

Kaiser Honorius
= König Guntharius
 
Konstantin
= Hagano
 
Kaiserschwester Placidia =
Königsschwester Kriemhilt / Gu(n)drun > Braut Hiltgunt

Die Schwester des Honorius müsste dann die Schwester Gunthers sein, die im Nibelungenlied Kriemhild, in der Edda aber Gu(n)drun heißt. Der Namen Hiltgunt scheint mir eine Kombination aus beiden zu sein. Sie gilt als burgundische Prinzessin, also aus der Bourgogne, während die Wormser Gunther und Hagen entsprechend den Verhältnissen zur Zeit des Dichters Franken sind.

   

 

 

 

 

 

 

 

 

[1] ähnliche Wortspiele verdrehen den Namen Hagen zu lat. paliurus 'Hecke, Dornstrauch' und  Walther zu Faunus silvester 'Waldgeist'

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[2] Vgl. aber den Kampf von Troja, bei dem es ja auch um eine entführte Frau ging, ähnlich zweimal im Kudrunlied
 

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Datum: 1994 /2006

Aktuell: 29.12.2010