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Wenn die
Frucht
reif war, wurde sie von den Mannsleuten mit dem
Reff widergehauen.
Die Weibsleute nachfolgenden Frauen
gelegten
die Halme mit der Sichel und banden sie zu Buscheln 'Garben' zusammen. Diese
wurden zu Ernehaufen zum Trocknen zusammengestellt und dann mit dem
Leiterwagen in die Scheuer gefahren. Später übernahmen Maschinen die Arbeit.
Das Problem: Man darf die Frucht nicht einfach abmähen wie Gras, damit die
Körner nicht ausfallen und verloren gehen. Die "Windmühle" mähte so, dass man
bequem Garben binden konnte.
Der Binder mähte und band zugleich die Garben.
Der Mähdrescher
mäht und drischt gleich auf dem Acker und lässt das ausgedroschene Stroh auf
dem Acker. Auf dem Acker wird das Stroh heute entweder mitsamt den Stoppeln
untergepflügt oder mit einer Spezialmaschine aufgenommen und zu Boßen oder
großen Rollen gepresst.
Reff:
Spezialsense für die Getreideernte. Man haute damit
wider die noch
stehende Frucht, d.h. so dass abgeschnittenen Halme sich gegen die noch
stehenden legten. Das Gitterder eigentliche Reff, am Sensenwurf verhinderte, dass die abgemähten
Halme in die andere Richtung umfielen und ihre Körner verloren.
Gerste wird oft vom Regen auf den Boden geschlagen und musste daher mit der
Sense gemäht werden.
Getreideableger
für die Getreidemähmaschine. Einer saß auf der Maschine und lenkte die
Zugtiere, ein Beifahrer schob mit einer Art Gabel die geschnittenen Garben
beiseite.
Ernestricke
zum Zusammenbinden der Getreidegarben. Mit Hilfe des Knebels hielt auch ein
leichter Knoten die Garben zusammen. Bei Korn verwendete man auch
Strohseile, die nach Bedarf aus dem langen Kornstroh gewunden wurden.
Bindknebel
ein Hilfsmittel zum schnelleren Binden der Garben, vor allem bei Gerste
verwendet. Der Bindknebel wurde ähnlich wie eine Nadel eingesetzt: Man
hängte eine gebrauchte Maschinenkordel mit dem Knoten ein, band am anderen
Ende eine Schlaufe, führte den Bindknebel unter der Garbe durch, steckte ihn
durch die Schlaufe, löste die Kordel und hängte den Knoten in die Schlaufe.
Der Druck der zusammengepressten Garbe verhinderte, dass sich der Bund
wieder löste.
Ernte- oder
Schleifrechen wurde nach der Ernte über den Acker gezogen, um die
liegengebliebenen Ähren zusammenzurechen
Dreschflegel:
Vor der Erfindung der Dreschmaschine wurden die Getreidekörner mit dem
Flegel aus den Ähren geschlagen (gedroschen). Drei Männer schlugen im
Wechsel auf das auf dem Boden liegende Getreide. Das war besonders eine
Arbeit für auswärtige Saisonarbeiter, die den entsprechenden Hunger
mitbrachten und "fraßen wie die Drescher".
Getreidemaße
Das Getreide wurde
nicht gewogen, sondern mit hölzernen Hohlmaßen gemessen:
-
1 Mäßchen ca. 0,5
ℓ
-
1 Gescheid = 4
Mäßchen ca. 2 ℓ
-
1 Kumpf = 4
Gescheid ca. 8 ℓ
-
1 Simmer = 4
Kumpf ca. 32 ℓ
-
1 Malter = 4
Simmer ca. 128 ℓ
Der Malter war kein eigenes Messgefäß, es wurden 4 Simmer in den Sack
geschüttet.
Nürscht:
Mit dieser Holzschaufel füllte man die Getreidekörner in den Simmer.
Metallschippe:
Nachfolger des Nürst
Reitersieb
mit Holzgitter für Abredsel. Abredsel sind die abgeschlagenen Teile vom
Getreidehalm im Unterschied zur Sprau (abgeschlagene Hüllblätter der
Körner). Das gedroschene Getreide enthält noch allerlei unbrauchbare Teile
und muss geputzt werden. Die groben Abredsel wurden mit einem Sieb
ausgeschieden.
Sprausieb
mit Drahtgitter zum Ausscheiden der Sprau
(Spreu, Dreschabfall)
Strohschneidmesser, war an einem Kasten befestigt, in den das Stroh
gelegt wurde. Man benutzte es zum Schneiden des Kornstrohs, das zum Streuen
im Stall zu lang war.
Im Backhaus, das bis 1973 vor der Kirche stand, konnte jede Familie nach
Absprache ihr eigenes Brot und Kuchen backen.
Mehlsiebe
Kuchenbretter,
rund und viereckig zum Transport von Blechkuchen, auch bei Schlachten
gebraucht.
Brotkörbe
aus Stroh: Strohflechten war eine Winterbeschäftigung auf dem Bauernhof. In
solchen Strohkörben wurde das Brot vor dem Backen geformt.
Brotschuber:
Zum "Einschießen" des Brots in den Backofen.
Futtergewinnung
Gras und Klee
wurden mit der Sense gemäht. Man unterscheidet zwei Grasernten, das Heu im
Frühsommer, zur Zeit wo das Gras blüht, und das Amahd (Ômed) oder Grünmahd
(Grummed) im Spätsommer. Das abgemähte Gras wird zum Trocknen liegen
gelassen und muss ab und zu mit Gabel oder Wender gewendet werden. Dann
wurde es mit Holz- oder Maschinenrechen zusammengezogen, lose mit Gabeln auf
den Leiterwagen geladen und in der Scheuer wieder abgeladen. Dort wurde es
festgestampft.
Kleeheubock:
Klee wird als Grünfutter verwendet oder auf solchen Böcken getrocknet und im
Winter verfüttert.
Heugabel
(zweizinkig): Mit der leichten zweizinkigen Gabel wurde das Heu nach dem
Mähen zum Trocknen gewendet oder geschnickt, daher auch "Schnickgabel".
Heugabel
(dreizinkig): Mit der größeren Gabel wurde das Heu auf den Wagen geladen;
mit einer langstieligen Gabel lud man es in der Scheuer durch die Schließe
ab.
Holzrechen
zum Zusammenrechen von abgemähtem Gras.
Wiesenbeil
und -Spaten
zum Herstellen von Gräben.
Kartoffelpflanzen
werden nicht aus Samen gezogen, sondern aus Kartoffelknollen, die in die
Erde gelegt. Man hackte Löcher oder pflügte eine Furche und legte in
regelmäßigen Abständen die Knollen hinein. Dann bedeckte man sie wieder mit
Erde und häufelte danach einen kleinen Wall auf die Reihe. Dazu diente die
Häufelhacke oder der Häufelpflug.
Kartoffelhacke
Häufelhacke
Häufelpflug
Kartoffelernte:
Wenn das Kraut abgewelkt ist, kann man die Knollen ernten. Man hackte sie
mit dem Karst bzw. dem Krappen aus oder zackerte sie mit dem Kartoffelpflug
aus der Erde, las sie in Manden, die dann in Kartoffelsäcke geleert wurden.
Die Säcke wurden dann auf den Wagen geladen und zu Hause über einen
Kartoffelkandel durchs Kellerfenster in den Kartoffelkeller geschüttet, wo
dann große Speisekartoffeln und kleine Futterkartoffeln ausgelesen wurden.
Kartoffelgabel,
dient zum Aufnehmen von Kartoffeln. Die verdickten Enden sollen verhindern,
dass die Kartoffeln aufgespießt werden.
Karst
(zweizinkig) zum Kartoffelernten, Aushacken von Wurzeln usw.
Karst
(dreizinkig)
Weidenmande:
Eine
Mande
ist ein runder Korb mit zwei "Ohren", bei der Kartoffelernte verwendet,
später durch einen Korb aus Draht oder Kunststoff ersetzt.
Drahtmande.
Man unterscheidet
Wurzeln (Futterrüben) und Zuckerrüben. Die Futterrüben werden
für den Eigenbedarf angebaut, die Zuckerrüben mit Bahn oder LKW an die
Zuckerfabrik in Groß-Gerau geliefert. Die Rüben werden in Reihen gesät. Da
die Samenkörner mehrere Keime enthalten, gehen immer mehrere Rüben zugleich
auf. Trotz moderner Sämaschinen mussten die Wurzeln nach dem Aufgehen daher
vereinzelt (verrupft) werden. Zwischendurch muss immer wieder das Unkraut
ausgehackt werden.
Heute benutzt man einkeimige Samen, aus denen immer nur eine Rübe aufgeht.
Die Rüben wurden mit verschiedenen Methoden geerntet (ausgegraben,
ausgepflügt). Dabei mussten die
Grotzen
(Blätter) entfernt werden, die
ebenfalls verfüttert werden können (in Silos vergoren und gelagert). Die
Rüben selbst werden in Kauten gelagert und mit Erde (heute zusätzlich mit
Folien) abgedeckt.
Rübenziehhacke
gegen Unkraut.
Wurzelschruppkarren zum bequemen Abhacken des ersten Unkrauts zwischen
den Rübenreihen. Man brauchte den Wagen nur vor sich her zu schieben.
Hölzerner
Rüben-Hackpflug zum Entfernen des Unkrauts zwischen den Rübenreihen.
Eiserner Rüben-Hackpflug
Rübenstecher
zum Ausgraben der Rüben. Man stach wie mit einem Spaten neben der Rübe in
die Erde, drückte den Stiel nach unten, fasste gleichzeitig die Rüben bei
den Blättern und rupfte sie aus.
Grotzenmesser
oder Wurzelmesser zum Abhacken der Grotzen (Rübenblätter).
Grotzenschneider
zum Abschneiden der Grotzen (Rübenblätter).
Zuckerrübengabel
zum Aufnehmen von Zuckerrüben, ähnlich wie die Kartoffelgabel mit verdickten
Enden, aber mit breiteren Abständen der Zinken.
Die Gegend um
Viernheim ist altes hessisches Tabakabbaugebiet (Scheuerbambler, weil die
Blätter zum Trocknen in der Scheuer baumelten). In der schlechten Zeit nach
dem Krieg durfte jeder eine beschränkte Zahl Tabakpflanzen für den
Eigenbedarf anbauen. Die Blätter wurden getrocknet und zu Pfeifen- oder
Zigarettentabak geschnitten oder zu Zigarren geformt. Dazu brauchte man
verschiedene Hilfsmittel:
Zigarrenpresse
zum gleichzeitigen Formen vieler Zigarren aus selbstgebautem Tabak.
Tabakschneider
zum Zerkleinern von Tabakblättern für Pfeife und selbstgedrehte Zigaretten.
Verstellbar für verschiedene Feinheitsgrade. |