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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Der Burggeist Rodenstein

Albert Ludwig Grimm

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Was reitet vom Schnellerts? was rauscht herab?

Horch, Pferde rennen Galopp und Trab!

Was knarren die Wagen? horch, Peitschenknall!

Was bellen die Hunde? ho, Hörnerschall!

Der tolle Fritz ist's vom Rodenstein;

so zieht er in die Waldburg ein. –

 

Einst zog er fern aus mit des Kaisers Heer,

Es stürmten die Türken auf Wien daher;

Sie hätten die Stadt auch erobert gleich, -

Der Rodenstein schützt sie durch kühnen Streich. –

Gerufen steht er vor seinem Herrn;

Der Kaiser lohnet dem Helden gern.

 

"Nun Ritter, dir dank ich mein Erbe heut,

Drum nimm, was dir dankbar dein Kaiser beut.

Es haben, so hör ich, die Väter dein

Verpfändet dein Raubschloss, Burg Rodenstein.

Ich löse wieder die Pfandschaft dir;

Von heute trag sie als Lehn von mir."

 

"Mein Kaiser, ich nehme die Burg zu Lehn,

Und ewiglich sollt ihr mich dankbar sehn.

Wo euch und das Reich je ein Krieg bedroht

Treu dien ich im Leben euch und im Tod.

Aus Todesschlaf und aus Grabesnacht

Für Deutschland zieh ich noch aus zur Schlacht."

 

Im Frieden zog er zur Stammburg fort.

Treu hält er dem Kaiser und Reich sein Wort.

Begraben zwar liegt er auf Schnellertsschloss;

Dort starb er, - dort stürzt er mit seinem Ross –

Doch wenn ein Krieg sich entspinnt im Reich,

So hört man des Rodensteins Auszug gleich.


zitiert in H. Kienzles, Großherzogtum Hessen S. 669

   

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Datum: 2006

Aktuell: 22.07.2006