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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Das Gottesbild
im Alten und Neuen Testament

Ferienbibelseminar des Ev. Dekanats Reinheim 09.‑17.04.1983

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a) Persisches Gedankengut

b) Der Übergang zur Gesetzesreligion

c) Der Gott der Makkabäer

d) Die Apokalyptik

e) Die Entstehung der jüdischen Konfessionen

 

 

7. Zwischen dem Alten und Neuen Testament

a) Persisches Gedankengut

Wie von Deuterojesaja angekündigt, machte der Perserkönig Kyros (biblisch Kores [105]) im Jahr 538 der babylonischen Herrschaft ein Ende und erlaubte im selben Jahr den gefangenen Juden die Rückkehr.

Die Perser waren keine *Heiden, sondern hatten eine hochentwickelte Religion, die sich auf den Priester Zarathustra begründete. Zarathustra lehrte, dass es nur zwei Götter gebe, das Prinzip des Guten, Ahura Mazda (Ohmuzd) und das Prinzip des Bösen, Angra Mainyu (Ahriman), die in unversöhnlichem Gegensatz zueinander stehen (*Dualismus). Die alten iranischen Götter wurden zu Dämonen degradiert; das Wort daēva erhielt geradezu die Bedeutung 'Dämon'. Im Indischen bedeutet deva 'Gott'.

Dieser Dualismus hatte also gewisse Ähnlichkeiten mit der Religion Israels und hat diese in wichtigen Punkten deutlich beeinflusst:

• Der Kampf des Guten gegen das Böse kann nicht ewig unentschieden bleiben; es muss einmal die Entscheidung zugunsten des Guten fallen. Die Menschen, die sich auf die Seite des Guten gestellt haben, werden im Jenseits und bei einem Endgericht belohnt, die anderen bestraft. Am Ende der Welt erscheint ein "Retter", der das Weltgericht einleitet. Tote und Lebende müssen durch einen See aus geschmolzenen Metall hindurch; nur die Guten werden überleben. Der "Retter" ist kein Unbekannter, sondern der wiedergeborene Zarathustra.
Diese uns vertrauten Gedanken waren dem Judentum vor der Perserzeit unbekannt. Endgericht, Auferstehung der Toten, der endzeitliche Richter erscheinen nur in den späten Teilen des Alten Testaments. Sie sind persisches Gedankengut.

• Nach altisraelitischer Auffassung tut Jahwe Gutes und Böses, dem Menschen Zuträgliches und Abträgliches, Nutzen und Schaden. Noch Hiob schreibt sein bitteres Schicksal nicht dem Satan, sondern Gott zu:

Haben wir Gutes empfangen von Gott und sollten das Böse nicht auch annehmen? [106]

Der Erzähler der Königsbücher berichtet unbefangen, der "Zorn des Herrn habe David verführt, etwas Verbotenes zu tun. [107]

Wie wir gesehen haben, wird in der Chronik als Verursacher dieser Volkszählung der Satan genannt, der also hier bereits deutlich das böse Prinzip vertritt. Der Teufel ist also wie die oben dargelegte *Eschatologie persisches Gedankengut. Die Juden haben aber diesen Gedanken wiederum ihrem *Monotheismus untergeordnet: Der Teufel ist keine selbständige Größe neben Gott, sondern er ist wie der ehemalige himmlische Staatsanwalt Gott untergeordnet.

Mit der Entwicklung der Teufelsvorstellung veränderte sich auch die Vorstellung von Gott:

Gott, wie ihn sich etwa David, vorstellte, war die dem Menschen überlegene Macht schlechthin, die zum Guten oder zum Bösen für die Menschen wirken kann. Diese Macht kann nachts zum Beispiel einen Jakob überfallen und mit ihm einen Kampf auf Leben und Tod ausfechten. Sie kann zornig werden und im Zorn David verleiten, eine Volkszählung durchzuführen, um ihn anschließend dafür zu bestrafen. Sie kann einen König Ahab durch einen Lügengeist betören, in den Krieg zu ziehen, in dem er umkommen soll. Sie birgt also auch das Unheimliche in sich.

Wir merken aber deutlich, wie schon in früher Zeit das Bedürfnis besteht, Gott von dem Vorwurf zu befreien, er tue direkt Böses und verleite die Menschen zum Bösen. In keinem der drei Beispiele ist von Gott selbst die Rede, sondern von einem "Mann", vom "Zorn Gottes" oder von einem "Lügengeist". Die Entwicklung zum Teufel ist also bereits in alter Zeit vorgezeichnet.

Der Gott Jesu ist das Gute schlechthin:

Jesus: Niemand ist gut außer Gott allein. [108]

Es ist unvorstellbar, dass der Gott Jesu nachts einen Menschen überfällt oder ihn zum Bösen verführt. Diese Aufgabe hat der Teufel übernommen.

Die "Erfindung des Teufels" wäre also wahrscheinlich auch ohne persische Hilfe notwendig gewesen, um ein widerspruchsfreies Gottesbild zu gewinnen. Der Teufel, so könnten wir es auch verstehen, ist ein "Abfallprodukt" des Versuchs, Gott zu begreifen. Da ein Gott, der Gutes und Böses tut, unheimlich ist, sondert man alles Böse aus Gott aus und schafft aus dem Bösen die Gegenfigur, den Teufel:

Gott =

gut & böse

Gott = absolut gut

 

 

Teufel = absolut böse

Dass dabei die Gefahr besteht, sich einen Gott nach eigenen Wünschen zurechtzuschneidern, braucht nicht extra betont zu werden.

Nicht nur das Bild von Gott, auch das Bild des Teufels hat sich gewandelt:

Der Satan, der himmlische Ankläger des Alten Testaments, hat seinen Platz im Himmel, auch wenn er zur Durchführung seines Dienstes mitunter lange Reisen auf der Erde machen muss. [109]

Nach Aussage Jesu fiel um die Zeitenwende

der Satanas vom Himmel wie ein Blitz. [110]

ausführlicher:

weil der Verkläger unserer Brüder verworfen ist, der sie verklagte Tag und Nacht vor Gott. [111]

Gott hat also den Ankläger seines Amtes enthoben und aus dem Himmel verbannt. Jetzt aber treibt er auf der Erde sein Unwesen.

Die Offenbarung deutet an, dass in unbekannter Zukunft der Teufel in die Unterwelt eingeschlossen wird, damit er auf der Erde keinen Schaden mehr anrichten kann. [112] Obwohl dieses Ereignis nach allgemeiner Meinung noch aussteht, glaubte man das ganze Mittelalter über, der Platz des Teufels sei nicht die Erde, sondern die Hölle.

Es sei an dieser Stelle die schwer zu beantwortende Frage gestattet: Haben sich hier nur die menschlichen Vorstellungen von Gott und Teufel geändert – oder haben sich Gott und Teufel objektiv geändert? Die neutestamentliche Lehre von der Versöhnung geht davon aus, dass Gott selbst sich geändert hat. Er kann jetzt der gute Gott sein, weil wir mit ihm durch Christi Tod versöhnt sind.

Einige Menschen haben sich schon in alter Zeit Gedanken gemacht, wie es dazu kommt, dass es einen Teufel gibt. Wie lässt sich die Existenz des Bösen mit der Schöpfung eines guten Gottes in Einklang bringen?

Dieses Problem taucht schon in der Sündenfallgeschichte auf, wird aber dort nicht gelöst: Die Schlange wird bezeichnet als "das klügste Tier, das Gott der Herr geschaffen hatte." Die Schlange ist aber eben nicht der Teufel; eine Antwort über die Ursache des Bösen ist also damit nicht gegeben. Im Sinne der Sündenfallgeschichte könnten wir höchstens sagen:

Gott hat das Böse nicht erschaffen, aber er hat das Risiko des Bösen auf sich genommen, dadurch dass er dem Menschen die Freiheit der Entscheidung gegeben hat. Wer Adam und Eva vor die Wahl stellt, zu gehorchen oder ungehorsam zu sein, riskiert, dass sie den Ungehorsam wählen. Gott kann dieses Wagnis auf sich nehmen, weil er die Möglichkeit hat, mit dem Bösen fertig zu werden. Der Tod Christi am Kreuz muss also schon von Gott ins Auge gefasst worden sein, bevor er das Verbot überhaupt aussprach.

Oder anders ausgedrückt: Gott konnte dem Menschen Freiheit geben, weil er sich sicher war, dass es ihm gelingen würde, am Ende doch sein Ziel zu erreichen.

Diese Antwort wurde freilich nicht in Erwägung gezogen, statt dessen stellte man Überlegungen an, wie es denn gekommen sei, dass ein von Gott erschaffenes Wesen (Schlange oder Teufel) Gott untreu werden konnte. Antwort: Der Teufel war ursprünglich ein prominenter Engel, dem seine hohe Position in den Kopf gestiegen war, und der glaubte, sich selbst an die Stelle Gottes setzen zu können. Gott habe ihn daraufhin seines Amtes enthoben; seitdem sei der Teufel als Widersacher Gottes tätig.

Diesen *Lucifer‑*Mythos finden wir freilich nur in wenigen Andeutungen im Alten Testament. [113] Man hat dabei den Eindruck, dass hinter diesem Spottlied über den König von Tyros eine *heidnische (*phönikische?) Vorlage steht, die der Prophet wie in vielen anderen Fällen auch, in poetischer Weise benutzt, ohne selbst ernsthaft an den Mythos zu glauben. Zur biblischen Lehre wird der Sündenfall des Teufels nirgends erhoben, und die ähnliche Aussage vom Himmelssturz des Satans [114] hat deutlich einen anderen Sinn.

Im Grunde erklärt nämlich die Theorie vom Sündenfall des Satans gar nichts. Da ist nämlich das Problem des menschlichen Sündenfalls einfach auf eine andere Ebene verlagert:

• Wie kommt Adam dazu, Gott ungehorsam zu werden?

•    Antwort: Der Teufel hat ihn verführt.

•       Und wie kommt der Teufel dazu, Gott untreu zu werden?

•          Antwort?

Die liberale persische Religionspolitik hat wahrscheinlich ihren Niederschlag im Buch Daniel gefunden. Dabei müssen wir freilich bedenken, dass dieses Buch erst zwischen 168 und 165 geschrieben wurde und mündlich überliefertes Material aus der babylonischen Gefangenschaft verwendet. Es ist daher nicht verwunderlich, wenn historische Einzelheiten (Erinnerung an Königsnamen und ihre Taten) falsch in Erinnerung geblieben sind. Man hat jedenfalls den Eindruck, als ob sich hinter der Gestalt Nebukadnezars gar nicht der historische Chaldäerkönig und Eroberer Jerusalems, sondern die ersten

Perserkönige verbergen: Nebukadnezar bekennt sich zu dem Gott Daniels [115] und stellt die jüdische Religion unter seinen persönlichen Schutz. [116] "Darius von Medien" brfeihlt geradezu die allgemeine Verehrung des Gottes Daniels. [117] Das hat wohl nichts mit der Religionspolitik der babylonischen Könige zu tun. Die verfolgten eine ganz andere Richtung und wollten den altbabylonisch‑sumerischen Göttern zu größerem Einfluss verhelfen. Vielmehr scheint sich in diesen Geschichten die Bekehrung der persischen Könige zur Religion Zarathustras zu spiegeln, die der jüdischen Religion sehr ähnlich war.

Im Buch Daniel scheinen also eine Menge richtige Erinnerungen enthalten zu sein, allerdings hat die *Sage die historischen Tatsachen bunt durcheinander gewürfelt, so dass nicht nur Namen und Leben der Könige, sondern auch Persisches und Babylonisches nicht immer säuberlich voneinander geschieden sind.

b) Der Übergang zur Gesetzesreligion

Das alttestamentliche Gesetz, wie es in Ex‑Dtn überliefert ist, stellt sich dem heutige Leser als ein einheitliches Gesetzeswerk vor, entstanden unter Mose zwischen der Offenbarung am Berg Sinai und der Einwanderung ins *Gelobte Land.

Bei näherer Betrachtung aber stellt sich heraus, dass diese vier Bücher sehr verschiedenartig angeordnetes Material enthalten, das sich zum Teil wiederholt und mit erzählenden Abschnitten durchsetzt ist. Es lassen sich etwa folgende ältere Einzelgesetze herausschälen:

  • die Zehn Gebote [118]

  • zehn *kultische Gebote [119]

  • das Bundesbuch [120]

  • eine priesterliche Rekonstruktion der Stiftshütte und Bundeslade [121]

  • priesterliche Opfergesetze [122]

  • priesterliche Bestimmungen über Reinheit, Aussatz und Versöhnungstag [123]

  • das Heiligkeitsgesetz [124]

  • einzelne priesterliche Bestimmungen in Numeri

  • das *Deuteronomium

Diese einzelnen Gesetze wurden offenbar zu verschiedenen Zeiten gesammelt. Die Zehn Gebote waren als eine Art Katechismuswissen für das Volk bestimmt. Die Bestimmungen des Bundesbuches waren wohl in einer Form aufgezeichnet, die jedermann leicht einsehen konnte, etwa nach außerbiblischen Parallelen auf großen öffentlich aufgestellten Steintafeln. Die priesterlichen Abschnitte enthalten priesterliches Berufswissen und könnten wenigstens teilweise Aufzeichnungen aus der Zeit des *Exils gewesen sein. Sie stellten zugleich ein Programm dar für die Zeit nach dem Wiederaufbau des Tempels. Das (priesterliche?) Heiligkeitsgesetz und das (levitische?) Deuteronomium hören sich eher wie eine Art Predigt an. Darin wurden der die alten Bestimmungen anlässlich einer Volksversammlung vorgetragen, wie es von immer wieder berichtet wird. [125]

Aus dem bisher Gesagten (Kultzentralisation Josias, *prophetische Kritik am Opfer) ergibt sich ferner, dass der Grundbestand des Gesetzes Moses kleiner gewesen sein muss als das, was heute in Ex-Dtn steht. Es scheint aber auch mehr enthalten zu haben als nur die Zehn Gebote. Vielmehr können wir etwa folgende "Urgebote" aus den einzelnen Gesetzessammlungen herausschäle:

  • Verbot anderer Götter

  • … von Gottesbildern

  • … des Missbrauchs mit Jahwe Namen

  • … der Magie

  • Sabbatgebot

  • Sabbatjahr

  • Passa, Pfingsten und Laubhüttenfest

  • Verbot des Genusses von Blut und Aas

  • … der schimpflichen Behandlung der Eltern

  • … des Mords

  • … des Ehebruchs

  • … des Diebstahls

  • … Menschenraubs

  • … der Blutschande

  • … der Unzucht mit Tieren

  • … des Trachtens nach dem Haus des Mitbürgers

  • … des falschen Zeugnisses

  • … der Begünstigung vor Gericht

  • … der Unterdrückung sozial Schwachen

  • … "das Böcklein in der Milch seiner Mutter zu kochen" [126]

Alles andere, etwa die Opfer‑ und Reinheitsvorschriften scheint also später dazugekommen zu sein, wie die *Propheten richtig erkannt haben.

Aus dem bisher Gesagten geht auch hervor: Der kleine Mann kannte das Gesetz entweder aus der priesterlichen mündlichen Verkündigung (*Thora), den auswendig gelernten Geboten oder einem eventuell öffentlich angebrachten Gesetzestext mit bürgerlichen Vorschriften, nicht aber aus einem im Dorf aufbewahrten Gesetzbuch. Noch zur Zeit Jesu hatten die Gesetzeslehrer eine Scheu davor, die überlieferten Vorschriften aufzuzeichnen Wahrscheinlich lagen in alter Zeit selbst den Priestern keine schriftlichen Aufzeichnungen vor – abgesehen von den Tafeln mit den Zehn Geboten; sie wussten das allein durch mündliche Überlieferung.

Nun wird aber bereits von Mose und Josua berichtet, sie hätten das Gesetz wiederholt aufgezeichnet, und spätestens unter Josia wird ein solches Gesetzbuch sogar greifbar. Wir müssen also damit rechnen, dass sich – parallel zur Aufzeichnung der Heilsgeschichte – während der Königszeit auch geschriebene Gesetzessammlungen gebildet haben, die in die heutigen Mosebücher eingeflossen sind. Sie hatten aber mangels Publikationsmöglichkeiten wenig Gelegenheit, über einen engeren Kreis hinaus bekannt zu werden.

Wie wir am Ende des Buchs Hesekiel [127] erkennen können, haben sich Priester im *Exil Gedanken über einen Wiederaufbau des Tempels und eine Neuordnung des Gottesdienstes gemacht. In solchem Zusammenhang dürfte auch die Rekonstruktion der *Stiftshütte, der *Bundeslade und des *Gottesdienstes zur Mosezeit [128] entstanden sein. Diese Zukunftsentwürfe und Rekonstruktionen der Vergangenheit hatten aber wenig Chancen, verwirklicht zu werden. Bessere Chancen hatten stattdessen Aufzeichnungen eines Priesterkollegiums über Opfer- und Reinheitsvorschriften, wie sie wahrscheinlich noch im alten Tempel praktiziert wurden. Sie waren die Grundlagen für den nach der Gefangenschaft wiederaufgenommenen Tempelkult.

Im *Exil hatten die Juden auch reichlich Gelegenheit, sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen: Um 560 wurde ein Geschichtswerk abgeschlossen, das mindestens die Bücher Richter, Samuel und Könige umfasste und alles Geschehen und besonders die Könige nach ihrem Verhalten an Hand des *Deuteronomiums beurteilte. Wir nennen es daher das Deuteronomistische Geschichtswerk.

Zur gleichen Zeit machten sich Priesterkreise daran, das Material über die Frühzeit zu sammeln und als Buch herauszugeben, das uns heute in den Büchern Mose und Josua vorliegt. Ähnlich wie der *Deuteronomist mit seinem Bericht über die Zeit nach der Landnahme fügten die Priester in die überlieferten Texte (vor allem der *Jahwist, der *Elohist und die verschiedenen Gesetzessammlungen) eine Menge eigenes Material ein, nicht nur an Vorschriften, sondern auch Listen und Daten und theologisches Priesterwissen wie die Schöpfungsgeschichte[129]. Damit war der Grundstock der heutigen Mosebücher gelegt, die der Jude Thora nennt. Dieser Prozess hat wohl einige Jahrhunderte gedauert. Ein Endherausgeber hat dieses priesterliche Werk mit dem *deuteronomistischen so verknüpft, dass zwischen Mose, Josua und den Richtern ein fast nahtloser Übergang entstanden ist.

Als Esra und Nehemia um 440 in Jerusalem wirkten, dürfte die Priesterschrift im Wesentlichen fertig gewesen sein. Das Gesetz, das Esra vorgelesen hat, [130] unterschied sich wohl nicht wesentlich von den heutigen Mosebüchern.

Inzwischen hatten die Juden, wie wir gesehen haben, größten Wert auch auf äußerliche Vorschriften gelegt, um in der Fremde ihre Identität nicht zu verlieren. So ging die Aufzeichnung der alten Vorschriften Hand in Hand mit der neuen Lebensgestaltung streng nach Vorschrift. So entstand die typische Frömmigkeit, die uns aus der Zeit Jesu als Eigenart der *Pharisäer bekannt ist.

Diese Gesetzesfrömmigkeit kommt bereits in den jüngeren Teilen des Alten Testaments zum Ausdruck, so zum Beispiel in den *Rahmenpsalmen 1 und 119 und an vielen anderen Stellen. Aus diesen Psalmen geht hervor, dass die strenge Gesetzeserfüllung vom frommen Juden nicht als Last, sondern als eine Ehre, ja sogar als Freude empfunden wird. Die Meinung, die Petrus Apg 15,10 äußert, dass das Gesetz ein Joch sei, "das weder unsere Väter noch wir haben tragen können", ist christlich, nicht jüdisch.

Der Niederländer Heije Faber hat in seinem Buch "Religionspsychologie" die verschiedenen Frömmigkeitsformen mit den *tiefenpsychologischen Erkenntnissen von Sigmund Freud verglichen und kam zu der Erkenntnis:

• Die heidnische Sittenlosigkeit entspricht dem *oralen Stadium der menschlichen Entwicklung, bei dem es hauptsächlich um augenblickliche Bedürfnisbefriedigung geht, wobei der Mensch nicht in der Lage ist, Verzicht zu leisten. Das Lustprinzip herrscht vor.

• Demgegenüber ist die strenge Gesetzesfrömmigkeit der *Pharisäer der *analen Phase der menschlichen Entwicklung sehr ähnlich, die geprägt ist vom Widerstreit von Trotz und Anpassung. Der *Pharisäer erweckt den Eindruck, er wolle bei Gott "lieb Kind machen", nicht Gott zuliebe, sondern um eigene Vorteile dabei herauszuschinden. Dieses abschätzige Urteil gilt natürlich ebenso für bestimmte christliche Frömmigkeitsformen wie den Puritanismus.

• Die dritte menschliche Entwicklungsstufe ist nach Freud die *ödipale Phase, in der der Vater eine wichtige Rolle spielt. Auch wenn der Titel "Vater" für Gott nur im Christentum von Bedeutung ist, rechnet Faber die *prophetischen Religionen Judentum, Christentum und Islam zu dieser Stufe.

• Die Leistung Jesu würde nach diesem Buch darin bestehen, dass er die Selbstbezogenheit der analen Stufe überwunden hat und den Durchbruch sogar durch die ödipale Phase hindurch zu einem erwachsenen Verhältnis zu Gott geschafft hat, geprägt von Liebe und Verantwortung.

c) Der Gott der Makkabäer

Im 2. vorchristlichen Jahrhundert wurde das nun streng an dem Gesetz orientierte Judentum mit dem ganz anders gearteten *Hellenismus konfrontiert und zu einer in dieser Schärfe noch nicht da gewesenen Auseinandersetzung auf Leben und Tod herausgefordert.

Hellenismus nennen wir die griechische Kultur und Gesinnung, wie sie seit Alexander dem Großen im Morgenland verbreitet wurde.

Die Griechen waren wie die meisten Völker des Altertums *Polytheisten, das heißt, sie glaubten an viele Götter. Sie entwickelten trotz ihrer primitiven Religion ein reges geistliches Leben. Griechische Kunst und Dichtung, Philosophie und Sprache galten selbst den militärisch, politisch und technisch überlegenen Römern als Inbegriff feiner Bildung. Hellenistischer Geist zog seit dem 3er-Jahrhundert in Kleinasien, Syrien und Ägypten ein. Griechisch wurde die Verkehrssprache im ganzen Orient.

Soviel Kultur konnte sich nicht mit einem primitiven Polytheismus begnügen. Die griechische Religion hat sich also weiterentwickelt bis zu der Erkenntnis einiger besonders begnadeter Geister, dass hinter der Vielzahl von Göttern eigentlich nur ein Gott stehe, ausgedrückt etwa in den Worten, der Name aller Götter sei Zeus.

Interessant an dieser Äußerung ist, dass man nicht sagte, eigentlich gäbe es ja nur einen Gott. Aber das griechische Wort theós 'Gott' war anscheinend so auf die Bedeutung 'einer von vielen' festgelegt, dass es einfacher schien, zu sagen es gäbe eigentlich nur Zeus. – Die Juden und Christen fanden dagegen keine Bedenken, das hebräische Elohim mit (ho) Theós "(der) Gott" zu übersetzen. Sie verstanden dieses Wort *monotheistisch.

Zur griechischen Kultur gehörten auch die Anbetung der griechischen Götter, ein unkompliziertes Verhältnis zum Sexuellen und damit verbunden eine Schwäche für Laster aller Art. Der Grieche war dem Juden gegenüber "freier"; er turnte nackt im Gymnasium; er huldigte dem Weingott Dionysos in wüsten Orgien; er aß Schweinefleisch als Leckerbissen und pflegte die "Knabenliebe". Was Paulus als Eigenarten des *Heidentums aufzählt, [131] war nicht das Ergebnis einer überhitzten Phantasie, sondern Tatsache. Der Jude stand all dem mit Abscheu und Ekel gegenüber. Wir müssen uns vor Augen halten, dass das Judentum zur Zeitenwende die einzige Religion war, die das kannte, was wir heute Anstand nennen.

Unter dem syrischen König Antiochos IV. Epiphanes (176‑64) kam es zu schweren und blutigen Auseinandersetzungen zwischen Judentum und Hellenismus: Innerhalb der Priesterschaft in Jerusalem gab es Befürworter und Gegner der griechischen Kultur. Es kam zu Streitigkeiten, in die der machtgierige Syrerkönig hineingezogen wurde. Er ließ sich dazu verleiten, zugunsten der *Hellenisten die Vertreter der gesetzestreuen Richtung zu unterdrücken, die Tempelschätze zu plündern und sogar den Tempel durch sein Betreten zu entweihen. Wohl anlässlich eines Aufstands ließ er Jerusalem dem Erdboden gleichmachen und eine neue Stadt an ihrer Stelle anlegen, die mit Hellenisten besiedelt wurde. Dann versuchte er, die jüdische Religion mit Stumpf und Stiel auszurotten und den griechischen Götterkult auch in Judäa einzuführen. Diese Maßnahmen lösten den offenen Widerstand der Frommen aus. Geführt von den Hasmonäern Mattatja und Judas Makkabäus gewannen die Frommen eine Schlacht nach der anderen, bis endlich 165 der Tempel wieder erobert und gereinigt werden konnte. Nachzulesen in den Makkabäerbüchern.

Die Juden wurden in dieser Zeit um eine Erfahrung reicher: Notfalls gilt es, für den Glauben zu kämpfen und zu sterben.

Sie wurden also geradezu durch eine Reihe bitterer Erfahrung in eine ganz bestimmte Richtung gedrängt:

• Der Schock des *Exils nötigte sie zum Nachdenken über die Fehler der Vergangenheit und zur Neubesinnung auf die Grundlagen ihres Glaubens.

• Die Lage im Exil stellte sie vor die Wahl, sich zu behaupten oder anzupassen. Die Juden wählten die Selbstbehauptung; aus diesem Grund bekamen früher nebensächliche Bräuche auf einmal eine wichtige Bedeutung.

• Durch das Fehlen des Tempels bekam der Wortgottesdienst und die Gesetzesauslegung den Vorrang. All dies begünstigte die Entstehung eines gesetzestreuen Judentums, das allerdings bis in die Zeit Jesu hinein nur eine Richtung unter anderen war.

• Die Verfolgung des Antiochos lehrte die Juden über den bereits bekannten passiven Widerstand (Modell Daniel) die Bereitschaft zum *Martyrium und den aktiven Kampf für den Glauben (Modell Makkabäus)

Dieser aktive Kampf für den Glauben (Eifer, hbr. qin'a, griech zêlos) ist freilich in der Makkabäerzeit nichts Neues, sondern geht bis in die Zeit von Mose zurück: Nicht nur, dass Jahwe selbst ein eifernder, eifersüchtiger Gott (El qana) genannt wird [132], derselbe Eifer wird jetzt auch von den Gläubigen gefordert.

Es besteht kein Zweifel, dass dieser religiöse Fanatismus fatale Fortsetzung gefunden hat im Judentum (jüdische Widerstandsbewegung gegen Rom), Christentum (z. B. Inquisition und Ketzerverfolgungen) und Islam (Dschihad [133], fundamentalistischer Terrorismus).

Wie das aussieht, lesen wir etwa bei Mose, wo ein Mann namens Pinehas ein Pärchen ermordet, das sich nicht an das Mischehenverbot gehalten hatte. Dieser Mord wurde als ehrenvolle Tat angesehen, die den Pinehas und seinen Nachkommen zum immerwährenden Priestertum befähigt. [134]

In der Makkabäerzeit ermordet der Priester Mattatja einen Juden, der auf dem Götzenaltar opfern will. [135] Bereits der Erzähler der Geschichte fühlt sich an Pinehas erinnert. [136]

Es sei jetzt schon vorweggenommen, dass von den verschiedenen jüdischen Konfessionen zur Zeit Jesu allein das gesetzestreue Judentum und das inzwischen selbständig gewordene Christentum den Jüdischen Krieg 70 n. Chr. überlebt haben.

 

Das moderne Judentum, wie wir es kennen, geht also in gerader Linie auf das *nachexilische gesetzestreue Judentum zurück.

 

d) Die *Apokalyptik

Erstmals mit dem Buch Daniel tritt eine neue Form von Frömmigkeit und zugleich eine neue Form von Literatur in Erscheinung:

In der hebräischen Bibel steht das Danielbuch unter der 3. Abteilung, den "Schriften", gehört also weder zum "Gesetz" [137] noch zu den "Propheten" [138]. Das liegt daran, dass die Sammlung der "Propheten" schon abgeschlossen war, als das Buch Daniel entstand.

Luther hat dagegen Daniel den "großen Propheten" zugeordnet, wie er auch die Offenbarung als prophetisches Buch betrachtet. In der Tat haben beide Schriften etwas Prophetisches an sich. Und dennoch ist da ein wichtiger Unterschied:

Der Verfasser des Buchs Daniel erweckt den Eindruck, als sei dieses Buch vor vielen hundert Jahren zur Zeit der ersten Perserkönige geschrieben, und als stammten die Kap. 7-12 von Daniel selbst. Davon kann aber bei der Fülle historischer Irrtümer keine Rede sein. Umgekehrt zeigt aber auch der Verfasser klar, dass es ihm gar nicht um babylonische und persische Könige, sondern um die Zeit der Makkabäer geht. Ein großer Teil der angeblichen Weissagungen sind in Wirklichkeit Schilderungen der Gegenwart, aber nach Weissagungsmanier in Gestalt von Träumen und aus Sicherheitsgründen verschlüsselt in Bildern. Der Eingeweihte weiß, was gemeint ist. Das Buch will den angefochtenen Gläubigen der Makkabäerkämpfe zum Widerstand ermutigen. Dazu werden die überlieferten Danielgeschichten erzählt. Zugleich stellt es ihnen das baldige Ende der gottlosen Herrschaft vor Augen. Nur das ist echte Prophetie.

Das Besondere daran ist nun, dass der Untergang der gottlosen Herrschaft beschriebenen wird als Bestandteil des Weltuntergangs und Jüngsten Gerichts. [139] Man erwartet also dieses Ereignis in naher Zukunft und sieht in den Wirren der Gegenwart die Vorzeichen des kommenden Endes.

"Daniel" führt seine Erkenntnisse auf Offenbarung (griech. apokálypsis) zurück. Wir nennen daher diese Frömmigkeitsform, die den baldigen Weltuntergang erwartet, Apokalyptik.

Das Buch Daniel hat Schule gemacht. In den folgenden Jahrhunderten wurde eine Fülle apokalyptischer Schriften geschrieben, die alle in ähnlicher Weise auf einen berühmten Heiligen der Vorzeit (Adam, Henoch, Mose, Jesaja) zurückgeführt werden, aber alle von den Problemen der Gegenwart handeln und das nahe Ende der Welt erwarten. In diesen Zusammenhang hinein gehört auch die Offenbarung des Johannes – mit dem wichtigen Unterschied, dass Johannes unter seinem eignen Namen schreibt.

Welche Vorstellung von Gott wird uns in den Schriften der Apokalyptik vermittelt?

Gott ist der Herr der Weltgeschichte. Auch wenn es drunter und drüber geht, auch wenn die Gläubigen und der wahre Glaube tödlich bedroht werden, hat Gott doch immer noch alle Fäden in seiner Hand. Er wird mit den menschlichen und teuflischen widergöttlichen Kräften am Ende doch fertig werden und den Sieg behalten.

Unsere Welt ist nicht von ewiger Dauer, sondern wird einmal ein Ende haben Das Weltende wird immer in naher Zukunft im Anschluss an irgendwelche Ereignisse der Gegenwart erwartet. Streng genommen ist aber der Weltuntergang nicht das Ende, sondern nur eine Zwischenstufe, der Übergang in eine erneuerte Schöpfung.

Das Weltende ist verbunden mit dem Jüngsten Gericht, wo alle Menschen, auch die schon längst Verstorbenen ihre endgültige Strafe oder ihren endgültigen Lohn bekommen, bestehend in Vernichtung oder Weiterlebendürfen. Das Gericht wird aber nicht von Gott selbst vollzogen, sondern von einer eigens dazu beauftragten Person. In Daniel 7 ist es der Menschensohn.

In allem merken wir deutlich den persischen Einfluss.

e) Die Entstehung der jüdischen Konfessionen

Wohl als Folge der Makkabäerkämpfe entstanden die jüdischen Konfessionen, die uns aus dem Neuen Testament geläufig sind:

i. Die Pharisäer (aram. Perischajjē 'die Abgesonderten')

Hervorgegangen aus der gesetzestreuen Partei bildeten die Pharisäer einen regelrechten Verein.

Anlass für die Vereinsgründung war die im Gesetz vorgeschriebene Mehrwertsteuer des Zehnten, die für Agrarprodukte zu entrichten war. Da diese Steuer nicht zwangsweise erhoben, sondern gutwillig an den Tempel abgeführt wurde, gab es viele, die sich dieser Pflicht ohne Schwierigkeiten entzogen.

Die Satzung des Vereins bestimmte, dass alle Mitglieder (Genossen, hbr. chaberim) landwirtschaftliche Produkte nur voneinander kaufen und aneinander verkaufen durften. Sie waren außerdem verpflichtet, peinlich genau die Steuer abzuführen und selbstverständlich auch die übrigen Vorschriften des Gesetzes zu halten.

Der Pharisäismus war eine Laienbewegung, etwa vergleichbar mit dem Pietismus, und hat auf das religiöse Volksleben eine bedeutende Wirkung ausgeübt. Die zahlenmäßig starke Partei scheint überall ihre Hände im Spiel gehabt zu haben und hatte sogar ihre Vertreter im *Hohen Rat.

Im Unterschied zu den *Samaritanern und den *Sadduzäern galt für die Pharisäer die gesamte hebräische Bibel als heilige Schrift Bei der Schriftauslegung wandten sie komplizierte Methoden an, um damals bereits veraltete Vorschriften der Gegenwart anzupassen und hatten neben der Bibel eine reiche mündliche Überlieferung, der sie ebenso verpflichtet waren, und die Jesus [140] als 'Menschensatzungen' brandmarkt. Dabei blieben sie erstaunlich menschlich und verhängten zum Beispiel bei Gericht wesentlich mildere Strafen als die Sadduzäer. Trotz ihrer persönlichen Sittenstrenge waren sie weltoffen, und in ihrer Frömmigkeit hatten viele "moderne" Glaubensvorstellungen Platz, von denen im Alten Testament nur andeutungsweise die Rede ist, wie Engel und Teufel und besonders die Auferstehung der Toten. In dieser volkstümlichen Art ist der Pharisäismus vielleicht mit dem Katholizismus verwandt, der auch viele volkstümliche Elemente in sich aufgenommen hat.

Im Neuen Testament kommen die Pharisäer schlecht weg, einmal, weil sie sich in christlichen Augen in ein unübersehbares Netz von religiösen Vorschriften eingeschlossen hatten, aber auch, weil in späterer Zeit die Pharisäer die geistige Väter des Judentums waren, das den Glauben an Jesus ablehnte. Man hat also seine späteren Erfahrungen mit dem Judentum auf die Pharisäer der Zeit Jesu übertragen. Wollten wir dieses Urteil übernehmen, so täten wir ihnen Unrecht. Es ist uns meist gar nicht bewusst, wie sehr Jesus selbst vom Geist der Pharisäer beeinflusst war. Er übt zwar Kritik an einzelnen Punkten, ist aber im Wesentlichen mit ihnen einig. Die Kritik Jesu galt vor allem folgenden pharisäischen Besonderheiten:

• Ihr Dünkel, der das gemeine Volk verachtete, welches sich nicht so genau im Gesetz auskannte. [141]

• Ihr juristisches Denken, welches den gesamten Willen Gottes in unzählige kleine Rechtsvorschriften auflöste, so dass sie manchmal vor lauter Bäumen den Wald nicht sahen oder, mit den Worten Jesu, Mücken seihten und Kamele verschluckten. [142]

Ihr besonderes Verdienst war, dass sie sich als Schriftgelehrte buchstäblich Tag und Nacht [143] mit der *Thora beschäftigten und durch ihre Lehrtätigkeit einen wesentlichen stärkeren Einfluss auf das Volk hatten als die Priester.

ii. Die Sadduzäer (hbr. Zaddukim)

benannt nach einem Priester namens Zadok, nicht der zur Zeit Salomos, sondern einer aus dem 1er-Jahrhundert. Die Sadduzäer waren im eigentlichen Sinn keine "Partei" oder "Konfession", sondern ein Standesverband der Priesterschaft und besonders des Priesteradels. Dieser Verband ist wohl im Gegensatz zu den *Pharisäern entstanden, erzkonservativ eingestellt und bestrebt, die Machtposition des Priesteradels zu festigen.

So brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn die Sadduzäer die mündliche Überlieferung der Pharisäer nicht anerkannte, auch nicht ihre liberale Gesetzesauslegung. Sie glaubten weder an Engel noch an Teufel noch an eine Totenauferstehung [144]. Sie legten die Bibel wortwörtlich aus und verhängten dementsprechend vor Gericht schärfere Strafen und sprachen häufig Todesurteile aus, die die Pharisäer zu vermeiden suchten.

Die Sadduzäer werden im Neuen Testament ebenfalls zu den Feinden Jesu gerechnet, und zwar in diesem Fall mit Recht, denn der Priesteradel war es ja gewesen, der die Hinrichtung Jesu ins Werk setzte und der Jesus den Römern auslieferte.

Daran wird also deutlich, dass die Sadduzäer mit den Römern aus machtpolitischen Gründen zusammenarbeiteten, während die Pharisäer die Römer hassten und sie am liebsten fortgejagt hätten.

iii. Die Essener / Essäer und die Gemeinde von Qumran

Im Jahr 153 wurde der *Hasmonäer Jonatan, zwar priesterlicher Abkunft, aber kein Nachkomme Zadoks, zum Hohenpriester ernannt – eine Ungeheuerlichkeit, nachdem das Amt des Hohenpriesters seit 850 Jahren in der Hand der Familie Zadok gewesen war. Dies und weitere Unstimmigkeiten scheint einen Teil der Priesterschaft bewogen zu haben, sich in die Wüste zurückzuziehen und den Tempel in Jerusalem verloren zu geben. Führer dieser Bewegung oder Nachfolger des Führers war ein gewisser "Lehrer der Gerechtigkeit", dessen Name uns nicht überliefert ist.

In der Gegend von Chirbet Qumran [145] gründeten die Unzufriedenen eine klosterähnliche Gemeinschaft, deren Regeln und Schriften uns in den weltberühmten Schriftrollen erhalten sind. Wir vermuten, dass die Leute von Qumran identisch sind mit den Essenern oder Essäern, über die uns antike Schriftsteller berichten.

Diese Gruppe ist wohl am ehesten mit einem Mönchsorden zu vergleichen, der nach strengen Regeln lebte. Wer dem Orden beitreten wollte, musste nach zweijähriger Probezeit ein Gelübde ablegen, das ihn unter anderem zur Ehelosigkeit und zur Geheimhaltung der essenischen Lehren verpflichtete. Letzterem Umstand ist wohl zu verdanken, dass sich im Neuen Testament keine Erinnerung an diese Gruppe erhalten hat. Die Essener scheinen außer den eigentlichen Ordensmitgliedern ähnlich wie die Franziskaner noch einen großen Freundeskreis gehabt zu haben und hatten außer ihrer Zentrale in Qumran noch eine große Anzahl von Niederlassungen in ganz Palästina.

Manches aus dem frühen Christentum erinnert an die Essenische Gemeinschaft, so dass manche vermuten, dass Jesus und der Täufer mit dieser Gruppe in Verbindung gestanden hätte: Sie kannten wie die frühen Christen eine Mahlgemeinschaft und ein (allerdings regelmäßig einzunehmendes) Tauchbad. Die vermutete Ehelosigkeit Jesu ließe sich gut mit den Regeln von Qumran vereinbaren, ebenso die kritische Haltung Jesu dem Tempel gegenüber und der Umstand, dass die Evangelien zwei widersprüchliche Angaben über den Todestag Jesu machen: Die Gemeinde von Qumran hatte nämlich einen anderen Kalender als den offiziellen jüdischen.

Die Unstimmigkeit besteht darin, dass nach dem Mk-Evangelium Jesus am 15. Nisan gekreuzigt wurde, also am 1. Feiertag des Passafestes (was kaum vorstellbar ist), nach Johannes dagegen am 14. Nisan, also an dem Tag, an dem man die Passalämmer schlachtet. An diesem Tag wäre eine Hinrichtung noch eher vorstellbar, da ähnlich wie bei uns am Heiligen Abend das Fest erst mit Sonnenuntergang beginnt.

Der Widerspruch ließe sich dadurch auflösen, dass wir annehmen, Mk rechne nach dem Kalender von Qumran, Johannes dagegen nach dem jüdischen Kalender. Dann habe also nach Mk Jesus eigentlich am 13. Nisan das Passa gefeiert und sei am 14. Nisan übereinstimmend mit Johannes gekreuzigt worden, weil der offizielle jüdische Kalender und der von Qumran um einen Tag differierten.

Der Qumrankalender war nämlich so eingerichtet, dass kein Feiertag auf einen Sabbat fiel. Der 1. Feiertag war also nach dem Qumrankalender am Karfreitag, nach dem jüdischen Kalender am Sabbat, wie Jh 19,31 ausdrücklich hervorhebt.

Trotz dieser Anklänge gibt es aber so viele Eigentümlichkeiten der Qumrangemeinde, die im Urchristentum nicht vertreten waren, dass wir annehmen müssen, dass zwar vielleicht ein Einfluss, aber doch keine Abhängigkeit vorlag; Jesus war eben alles andere als ein Funktionär der Qumrangemeinde.

Im Urchristentum spielt das Priestertum überhaupt keine Rolle. Der Vater von Johannes dem Täufer soll ein im Tempel amtierender Priester gewesen sein. Da die Geburtsgeschichte des Johannes wohl nicht in christlichen, sondern in Täuferkreisen entstanden ist, hätte man diese Tatsache nicht unbefangen erzählt, wenn Johannes Mitglied der Qumrangemeinde gewesen wäre.

Die Taufe bei Johannes und im Urchristentum ist eine einmalige Angelegenheit, während das Tauchbad von Qumran ständig wiederholt wurde.

Im Urchristentum fehlen ganz der Gedanke eines gewaltsamen Kampfs sowie ein Feind, gegen den der Kampf geführt werden müsse. Für die Leute von Qumran war die Sache klar: Sie waren die "Kinder des Lichts" – die illegalen Hohenpriester am Tempel die "Kinder der Finsternis". Im Urchristentum fehlen nicht nur Andeutungen, sondern ein solcher Kampf widerspricht ganz eindeutig dem Geist Jesu.

iv. Die Zeloten (aram. kan'anajjē, griech. zēlōtaí 'die Eiferer')

Beseelt von den Idealen der Makkabäerzeit sind die Zeloten wohl als Splittergruppe der Pharisäer entstanden. Sie sind für uns insofern von Bedeutung, als sich Jesus – ohne sie ausdrücklich zu nennen mit ihnen auseinandersetzen musste und eindeutig gegen sie abgegrenzt hatte.

Die Zeloten kämpften als Untergrundorganisation gegen Rom für ein freies und unabhängiges Israel. Mit mehr oder weniger Erfolg überfielen sie römische Einheiten und organisierten Straßenschlachten. Sie hofften, durch ihre Tätigkeit das Reich Gottes auf Erden zu errichten, in Form eines unabhängigen Staates Israel.

Das Neue Testament ist voller Erinnerungen an diese Terroristen:

• Anlässlich der ersten Steuerschätzung 6 n. Chr. kam es in Palästina zu blutigen Unruhen. Die Eltern Jesu dagegen beugten sich dem Gebot, ohne dass auch nur ein Anklang von Widerstand im biblischen Bericht zu erkennen ist.

• Die Galiläer galten als besonders eifrige Zeloten. Wenn Lk von einem Blutbad berichtet wird, das Pilatus im Tempel unter einer Gruppe galiläischer Pilger angerichtet hatte, [146] so ist anzunehmen, dass er in ihnen zelotische Terroristen vermutete.

• Mindestens einer der Jünger Jesu, Simon Kananäus oder Zelotes muss ehemaliger Zelot gewesen sein, und in manchen Äußerungen der Jünger kommt diese Gesinnung auch zum Ausdruck.

• Mit Jesus wurden zwei Räuber gekreuzigt und an Stelle Jesu wurde ein gewisser 'Mörder' namens Barabbas freigelassen. "Mörder" und "Räuber" aber waren römische Schimpfworte für diese Untergrundskämpfer.

Jesus wurde als "König der Juden' gekreuzigt. Ähnliche Titel ("Fürst Israels") beanspruchten namhafte *Zelotenführer.

v. Neue Elemente in der Frömmigkeit sind:

• Die Überzeugung, bei pünktlicher Einhaltung aller religiösen Vorschriften den Willen Gottes zu erfüllen und vor Gott gerecht (hbr. zaddik) zu sein

Dieses Wort bedeutete ursprünglich soviel wie 'unbescholten, unschuldig vor Gericht'. Der Gerechte war also zunächst weiter nichts als ein anständiger Mensch, der sich nichts zuschulden kommen lässt. Die "Gerechten" glaubten aber bald, dass Gott stolz auf sie sein müsste, und blickten verächtlich auf weniger Gerechte herab. Ein anschauliches Beispiel zeigt uns die Geschichte vom Pharisäer und Zöllner. [147]

• Die baldige Erwartung des Reiches Gottes, das sich die verschiedenen Gruppen jedoch verschieden vorstellten:

• Die Pharisäer glaubten, es sei Gottes Sache, sein Reich anbrechen zu lassen. Die Menschen könnten ihm aber durch besondere Frömmigkeit ihre Bereitschaft zeigen und Gott veranlassen, das Reich eher kommen zu lassen. Es gab zum Beispiel die Ansicht, Gott würde nur darauf warten, dass alle Juden auf der ganzen Welt wenigstens einmal den *Sabbat halten würden.

• Die Zeloten dagegen wollten das Reich Gottes gewaltsam durch Revolution herbeiführen. Sie hofften auf ein politisch selbständiges Israel, das unbeeinflusst von fremden Mächten seine religiösen Grundsätze verwirklichen konnte.

• Auch die Essener hofften auf eine Änderung der Machtverhältnisse. Sie erwarteten freilich in erster Linie die Absetzung des regierenden Priesteradels und die Einsetzung ihrer eigenen Leute als *Hohepriester.

• Die Sadduzäer waren mit den Zeloten über das Ziel, ein selbständiges Israel zwar einig, hatten aber andere Vorstellungen über die Verwirklichung: Nicht durch Revolution, die ihnen Nachteile gebracht hätte, sondern mit römischer Hilfe. Ihr Ziel war die Erhaltung des König- und Hohenpriestertums, wenn auch unter römischer Oberhoheit.

"Reich Gottes" (hbr. malkut ha-schamajim) ist weiter nichts ist als der Satz "Gott ist König" (hbr. Jahwe malach) auf einen Begriff gebracht.

• Eng verbunden mit der Reichgottes-Erwartung ist die Erwartung einer herausragenden Persönlichkeit am Ende der Zeit. Streng genommen müssen wir unterscheiden zwischen

• dem Messias (hbr. maschiach, aram. meschichah, griech. chrīstos 'der Gesalbte'. Messias war der Name des idealen Königs der Zukunft, der in David sein Vorbild hatte und zum Teil als wiedererstandener David verstanden wurde, wenigstens aber ein Sohn Davids sein musste. Der Messias war also eine kriegerisch-politische Gestalt; man erwartete, dass er sein Reich im Kampf erringen würde.

Diese Erwartung hat ihren Grund in der Verheißung des Propheten Natan, dass die Familie Davids immer an der Regierung bleiben würde. [148] Enttäuschungen über die Qualitäten einzelner Könige führten schon während der Königszeit zu der Hoffnung auf einen idealen König, der in naher Zukunft an die Regierung kommen sollte. [149] Diese Erwartungen wurden unterstützt durch die orientalische Königs-Ideologie, die auch in Judäa Eingang gefunden hatte, nach der der König der Stellvertreter Gottes auf Erden oder sogar regelrecht Gottes Adoptivsohn war. Zeugnisse dieser Vorstellung finden wir vor allem in den Psalmen. [150] Nachdem durch den Untergang des Staates Juda auch das judäische Königtum erloschen war, blieb dennoch die Hoffnung lebendig. Da Gottes Zusage unverbrüchlich gilt, erwartete man, dass früher oder später wieder ein Nachkomme Davids auf dem Thron sitzen würde. Diese Erwartung entzündete sich zum Beispiel bei der Rückkehr aus der Gefangenschaft an der Person des *Davididen Serubabel. [151]
Dass kein Mensch diese hochgespannten Erwartungen erfüllen konnte, versteht sich von selbst. Zur Zeit Jesu konnte nur ein übermenschliches Wesen die Bedingungen für einen Messias erfüllen. Und trotzdem haben, gerade in zelotischen Kreisen, immer wieder irgendwelche Führer den Anspruch erhoben, der Messias zu sein.

• dem Menschensohn. Als Menschensohn wird bei Daniel [152] eine Gestalt genannt, die nach dem *Jüngsten Gericht "in den Wolken des Himmels" kommt und von Gott die Weltherrschaft übertragen bekommt. Die "Wolken des Himmels" zeigen, dass es sich um eine himmlische Gestalt handelt, der Ausdruck "Menschensohn", dass er im Unterschied zu den vorherigen tiergestaltigen Repräsentanten der Weltmacht nun Menschengestalt hat.

Der Ausdruck Menschensohn (aram. bar änasch, hbr. ben adam) bedeutet nach semitischer Denkweise weiter nichts als 'Mensch': Da änasch / adam Kollektivbegriffe sind ('Menschheit') wird der einzelne Mensch mit bar / ben 'Sohn' bezeichnet. Vergleiche die 'Kinder Israel'= Israeliten. Ein Gegensatz zu "Gottessohn" liegt hier nicht vor, sondern zu den vorher geschilderten Tieren.

Der Menschensohn ist also der menschengestaltige Herrscher der neuen Welt, der nicht wie die vier Tiere vorher aus dem Meer, sondern "in den Wolken des Himmels" kommt. Wir könnten also auch sagen: Die gegenwärtigen Weltmächte tragen tierische, unmenschliche Züge – der ideale Weltherrscher ist menschlich.

Der Unterschied zwischen dem *Messias und dem Menschensohn ist also folgender: Beide sind ideale Herrscher der Zukunft. Während aber der Messias eine irdische Gestalt ist, etwa ein Nachkomme Davids, ist der Menschensohn ein überirdisches Wesen. Während der Messias zwar mit Gottes Hilfe, aber durch Krieg und Revolution an die Macht kommt, wird der Menschensohn von Gott in sein Amt eingesetzt, nachdem Gott selbst auf der Erde im Jüngsten Gericht für Ordnung gesorgt hat. Beide Vorstellungen berühren sich, aber der wichtige Unterschied ist nicht zu übersehen.

Jesus hat sich nach den Evangelien nicht Messias, sondern Menschensohn genannt. Er hat offenbar sogar den Titel Messias = Christus für seine Person abgelehnt. Das können wir an folgenden Stellen erkennen:

Auf das Bekenntnis des Petrus "Du bist der Christus" reagiert Jesus, dass er den Jüngern einschärft, sie sollten das ja nicht weitersagen. Und er fährt fort mit der 1. Leidensankündigung: "Der Menschensohn muss viel leiden…" [153] Jesus will also nicht, dass das Geheimnis seiner Person vorzeitig bekannt wird. Und er will auch anscheinend einem falschen Messiasverständnis der Jünger vorbeugen, indem er sie über die Leiden des Menschensohns aufklärt.

Die Geschichte von den "Söhnen des Zebedäus" zeigt, dass die Jünger hofften, Jesus werde nach Art eines Königs die Macht ergreifen und Ministerposten verteilen. Jesus verweist wiederum auf sein Leiden und erklärt, dass die Aufgabe des Menschensohns nicht das Herrschen, sondern das Dienen sei. [154]

Dem Petrusbekenntnis entspricht fast genau Jesu Bekenntnis beim Verhör vor dem Hohen Rat. Hier zeigt sich, warum Jesus nicht wollte, dass sein Geheimnis vorzeitig bekannt wurde: Es war für Jesus lebensgefährlich, wenn die anderen wussten, wer er war. Der Hohepriester fragt Jesus, ob er der Christus, der Sohn des Hochgelobten sei. Jesus bestätigt das und fährt fort:

Ihr werdet sehen den Menschensohn sitzen zur Rechten Hand der Kraft und kommen mit den Wolken des Himmels. [155]

Der Titel Christus wird also immer von anderen an Jesus herangetragen. Er selbst nennt sich Menschensohn. Dabei wird von dem Menschensohn gesagt, dass er leiden muss, bevor er in sein Amt eingesetzt wird.

• Die strenge Handhabung des 2. Gebots

Jahwes Name durfte nur noch bei wenigen Gelegenheiten ausgesprochen werden (zum Beispiel beim Segen) und musste ansonsten umschrieben werden. Dieses Tabu wurde auch auf das Wort 'Gott' übertragen, daher sagt Jesus "Himmelreich" statt "Reich Gottes" oder "zur Rechten der Kraft", der Hohe Priester "Sohn des Hochgelobten". Jesus hat also als guter Jude vermieden, auch das Wort "Gott" in den Mund zu nehmen.

• Die Neubewertung des Leidens

Immer stärker hat sich in der jüdischen Religion die Überzeugung durchgesetzt, dass Leiden einen Sinn haben kann. Wir können dabei etwa folgende Stufen beobachten, die sich aber nicht datieren lassen:

• In ganz alter Zeit gilt materielles Glück, Wohlstand, Kinderreichtum und Ansehen als Zeichen des Segens Gottes; Kinderlosigkeit dagegen zum Beispiel als Schande und ein Zeichen, dass Gott jemand benachteiligt.

• Die Psalmen setzen sich oft mit dem Problem auseinander, dass es den Gerechten schlecht und den Gottlosen gut geht. Der Gerechte fühlt sich von Gott verlassen [156] und hofft, dass Gott ihm zum Recht verhilft und die gottlosen Feinde vernichtet.

• In der Rahmenerzählung des Hiobbuchs wird noch als selbstverständlich vorausgesetzt, dass es dem Gerechten gut geht. Das Leiden Hiobs wird als begründete Ausnahme angesehen: Gott will die Frömmigkeit Hiobs auf die Probe stellen.

• Jeremia liegt noch ganz auf der Linie der Psalmen, beginnt aber zu ahnen, dass sein Leiden ganz eng mit seinem prophetischen Auftrag zusammenhängt.

Bei *Deuterojesaja kommt erstmals der Gedanke des stellvertretenden Leidens auf: Der leidende Gottesknecht wird nicht für seine eigenen Sünden bestraft, sondern er leidet stellvertretend für andere. [157]

An wen der Prophet denkt und ob dieses Kapitel eine Einzelperson oder das Volk Israel meint, wissen wir nicht. Klar ist jedenfalls, dass der leidende Gottesknecht zum Vorbild für Jesus wurde.

• In späterer Zeit gilt es als normal, dass der Gerechte leiden muss, weil der Gottlose ihn anfeindet.

Hier verdient das 2. Kapitel der Weisheit Salomos besondere Beachtung: Nicht nur, dass hier der modern klingende Nihilismus und Materialismus der Gottlosen anschaulich beschrieben wird; hier wird auch erklärt, warum die Gottlosen den Gerechten verfolgen: 1. weil der Gerechte das Treiben der Gottlosen missbilligt, 2. weil sie testen wollen, ob Gott wirklich dem Gerechten beisteht. Interessant ist zu lesen, dass sich der Gerechte für Gottes Kind hält. – Das Buch ist um 50 v. Chr. entstanden.

• Man begann die Bibel unter dem Gesichtspunkt von Weissagung und Erfüllung zu lesen:

Nach jüdischer Zählung besteht das Alte Testament aus dem Gesetz und den Propheten, wobei zu den Propheten auch die Geschichtsbücher abgesehen von der Thora gehören. Zur Zeit Jesu rechnete man auch die Psalmen zu den Propheten. Das also, was durch die "Propheten" vorausgesagt war, musste eines Tages in Erfüllung gehen. Man bezog ihre "Weissagungen" vor allem auf den *Messias und suchte in der Bibel nach *Schriftbeweisen, die nähere Auskunft über ihn gaben.

Das Neue Testament hat kategorisch alle Weissagungen auf Jesus bezogen und behauptet, sie seien in ihm in Erfüllung gegangen. Christus ist der, den die Propheten angekündigt haben – auch wenn sie sich was anderes dabei gedacht haben.

Wir sollten dies nun von einem anderen Gesichtspunkt her verstehen lernen: Die Propheten erzeugten eine Erwartungshaltung, die die Menschen ständig fragen ließen: Ist der und der etwa der verheißene Retter? Außerdem fühlten sich manche berufen, sich als Retter auszugeben; daher warnt Jesus nicht umsonst vor falschen Messiassen.

Andrerseits lieferte das Alte Testament entgegen der Erwartungshaltung eine Art Raster, mit dessen Hilfe man Jesus verstehen lernte: Die Jünger sahen in Jesus den verheißenen Messias, so wie sie ihn sich vorstellten. Nach der Kreuzigung und Auferstehung aber begannen sie das Alte Testament mit neuen Augen zu lesen und fanden Stellen darin, die man bisher nicht beachtet hatte, die also nicht als Verheißung galten, jetzt aber plötzlich auffallend an das Schicksal Jesu erinnerten. So wurden Stellen zur Weissagung, die man vorher gar nicht so verstanden hatte.

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[105] Jes 44,28; 45,1

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[106] Hiob 2,10

 

 

[107] 2 Sam 24

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[108] Mk 10,18

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[109] Hiob 1

 

 

 

[110] Lk 10,18

 

 

 

[111] Offb 12,7‑12

 

 

 

 

 

[112] Offb 20,1‑3

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[113] zum Beispiel Hes 28,1‑10

 

 

[114] Lk 10,18; Offb 12

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[115] Dan 2,47

[116] Dan 3,29

[117] Dan 6,26‑28

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

[118] Ex 20 = Dtn 5

[119] Ex 34

[120] Ex 20,22‑23,19

[121] Ex 25‑31

[122] Lev 1‑7

[123] Lev 11‑16

[124] Lev 17‑26

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[125] Josua 24,25 bis Nehemia 8

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[126] wohl ein heidnisches *Ritual

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 




 

[127] Hes 40‑46

 

 

 

[128] Ex 25‑31

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[129] Gen 1

 

 

 

 

 

[130] Neh 8

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

[131] Röm 1,18‑32

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[132] Gen 20,5

 

 

[133] Das Wort bedeutet nicht 'heiliger Krieg', sondern 'Eifer' und kann auch anders als mit Gewalt verwirklicht werden.

 

 

[134] Num 25,6‑15

 

 

[135] 1 Makk 2

[136] 1 Makk 2,26

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[137] Gen-Dtn

[138] Josua bis Nehemia und Jesaja bis Maleachi

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

[139] Dan 7

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[140] Mk 7

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[141] ähnlich im Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner, Lk 18,9-14

 

 

 

[142] Mt. 23,24

 

 

[143] Ps 1,2

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[144] Apg 23, wo Paulus die *Pharisäer und die *Sadduzäer im *Hohen Rat wegen seines Auferstehungsglaubens gegeneinander ausspielt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[145] moderner arabischer Flurname; sprich: Chirbet Kumrahn (mit Ch wie in "ach")

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

[146] Lk 13,1

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[147] Lk 18,9-14

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[148] 2 Sam 7

[149] Beispiel: Jes 9,5-6, wohl zur Zeit des Königs Ahas (regierte 734-19, Vorgänger des frommen Hiskia)

[150] Ps 2 und 110

 

 

 

[151] nachzulesen bei Sacharja

 

 

 

 

 

[152] Dan 7,13

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[153] Mk 8,29+30

 

 

 

 

 

[154] Mk 10,35-45

 

 

 

 

 

 

 

[155] Mk 14,61.62

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[156] Ps 22,2

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[157] besonders wichtig: Jes 53

 

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Datum: 1983 / 2007

Aktuell: 09.02.2019