Diskussion Passa

Befund

  • KoeBau (1953 / 2004) 2,893

    • hbr. פסח päsaḥ, Pausa: pásaḥ; Sam. afsa 'das jüdische Osterfest'

      • mhbr., jüd.-aram. פסחא pisḥâ

      • syr. pesḥâ

      • Septuaginta πάσχα páskʰa; Josephus φάσεκ pʰásek, φάσεχ pʰásekʰ

      • Vulgata phase, pase

    • hbr. פסח pasoªḥ 'lahmen, hinken; [beim Passa]: vorbeihinken, vorübergehen an, verschonen', mhd. 'überspringen'; hippasoªḥ 'lahm werden'; passeªḥ 'einen Hinktanz vollführen'

    • arab. (s. u.)

    • akk. pessû 'lahmend, hinkend'

  • arab. LT 329

    • فسح fasaḥa 'Platz machen', fasuḥa 'weit, geräumig sein'; fassaḥa 'weit, geräumig machen'; ˀafsaḥa 'Platz machen (Weg) freimachen, die Möglichkeit geben'; tafassaḥa 'spazieren gehen'; infasaḥa 'weit, geräumig sein'

    • فسخ fasaḫa 'annullieren, aufheben, zerreißen', fassaḫa 'in Stücke reißen'; tafassaḫa 'zerrissen werden, kaputt gehen, verfaulen'; infasaḫa 'annulliert / aufgehoben werden'

    • فشخ fašaḫa 'die Beine spreizen, große Schritte machen', fašḫa 'großer Schritt'

     LT 921

    • Ostern ءىد الفصح ʕīd al-fiṣ̌ḥ 'Passafest'
      mit Assimilation des lautgerechten
      [ʃħ > ʃħ]

  • nhd.

    • Lutherbibel Passah, heute Passa
      <ss>, da [s], nicht [z], <h> die üblich Andeutung von /ḥ/, vgl. Noah < Noªḥ
      -h ist in der Lutherbibel kein Längenzeichen (Hanna < Ḥannâ)

    • Ökumenisches Verzeichnis der biblischen Eigennamen nach den Loccumer Richtlinien (1971 / 1981) 82: Pạs|cha... Möglich auch Passa oder Ostern
      bevorzugt die griech., fürs Deutsche ungewohnte Version

Theorien

  1. Exodus 12,13-27

    • Gott spricht: "Wenn ich das Blut an den Türpfosten sehe, ופסחתי עלכם upásaḥtî ʕalekäm, dann werde ich über euch hinweg ... / euch verschonen."

  2. GesB (1959) 651

    • n[ach] gew[öhnlicher], aber sprachlich nicht zu begründenden Auffassung: Verschonungsfest 

    • viell[eicht] m[it] ass. pašaḫu, sich besänftigen, v[on] d[er] erzürnten Gottheit (vgl. zu שבח II u. פשח)

      • GesB (1959) 664: פשח pᚚeªḥ 'zerreißen, zerfleischen'

      • GesB (1959) 801: שבח II šabbeaḥ 'beschwichtigen, besänftigen'

    • v[on arab.] فصح [faṣaḥa] 'aufleuchten, hell' (s[iehe] z[u] פצח I)

      • fehlt LT

      • GesB (1959) 653: פצח I páṣôaḥ 'sich freuen, jubeln'

    • z[um] berberischen tfaska Fest

  3. Lexikon zur Bibel herausgegeben von Fritz Rienecker und Gerhard Maier © 1994/2001 R. Brockhaus Verlag Wuppertal

    • Passa I) NAME Das hebr. päsach bezeichnet einmal das Passafest, anderseits das Festopfer, das Passalamm. Das Wort ist abgeleitet von einem Verb, das in seiner Grundbedeutung »lahm sein, hinken« heißt und weiter den Sinn »über etwas hüpfen, etwas unberührt lassen« erhalten hat. Als der Herr in Ägypten die Erstgeburt tötete, hat er die Häuser der Israeliten unberührt gelassen, übersprungen (2Mo12,13). An dieses schonende Vorübergehen des Herrn erinnert der Name P.

  4. Lexikon :: bibelwissenschaft.de, Passa (AT) Karl William Weyde (erstellt: Okt. 2008)

    • 2. Name und Ursprung: ... Endlich hat man auch eine Lösung für den Ursprung des Passas im Wort pæsach gesucht. Die Bedeutung des Wortes ist aber umstritten.

    • Innerhalb des Alten Testaments wird die Wurzel p-s-ch in der Bedeutung „hinken, springen“ verwendet (2Sam 4,4; 1Kön 18,21.26).

    • Im Zusammenhang mit der letzten Plage Ägyptens ist sie mit „vorübergehen“ zu übersetzen (p-s-ch, Ex 12,13.23.27). Letzteres ist wahrscheinlich eine sekundäre theologische Erklärung des Wortes.

    • Es ist auch möglich, dass das „Springen“ oder „Tanzen“ in einem vorisraelitischen religiösen Fest beheimatet war. Entsprechend würde vom Hinken der Baalspriester um ihren Altar berichtet (1Kön 18,26). Vielleicht wird hier auch die im Alten Orient belegte Auffassung reflektiert, dass die gefährlichen Dämonen sich in Sprüngen bewegten.

    • Das Alte Testament aber sucht diesen religiösen Hintergrund zu überwinden und bringt ihn in Verbindung mit dem Glauben an JHWH. Deshalb heißt es: „Es ist das Passaopfer des HERRN, der an den Israeliten vorüberging in Ägypten, als er die Ägypter schlug und unsere Häuser errettete“ (Ex 12,27). Die → Septuaginta (LXX) verwendet in Ex 12,13 das Verb „schützen“, das die theologische Deutung noch stärker akzentuiert.

  5. Wikipedia Ivrit (20.3.2014)

    •  קיימים שני פירושים למילה "פסח": על פי אבן שושן המשמעות היא "דילוג" כמו "פסיחה". פירוש נוסף, על פי אונקלוס, מסביר את המילה כ"הצלה" או "מתן חסות".

    • Es gibt zwei Bedeutungen für das Wort Pesach: Laut Ibn Shoshan bedeutet פסיחה 'Pesach' דילוג dillug 'überspringen'. Eine andere Erklärung, nach Targum Onkelos, erklärt das Wort als הצלה haṣṣálâ 'Rettung' oder מתן חסות mattán ḥásût 'Gabe der Verschonung'.

Diskussion

  • Der Festname wird mit einem Verb erklärt, das in anderen Zusammenhängen 'lahm sein, hinken' bedeutet, im Kontext aber 'verschonen' 5 bedeuten muss. 'Retten' 4, 5 und 'schützen' 4 sind Interpretationen.

  • Die einfachste Erklärung 'über euch hinwegspringen / euch überspringen = nicht behelligen' 3, ist ZAW in 5 von der jüdischen Tradition gedeckt: Wenn aber 'nicht richtig gehen können = lahm sein, hinken' die Grundbedeutung ist, ist 'hüpfen, springen' bereits Interpretation, um das anderweitig bekannte Wort in den Kontext einzupassen.

  • Gibt es ein anderes Verb, an das der Erzähler gedacht haben könnte?

    • Bei GesB kommen nur die mit derselben Konsonantenfolge in Frage:

      • ass. pašaḫu 'sich besänftigen'

        • würde bedeuten, dass sich der Dämon durch das Blut an der Tür besänftigen lässt

      • hbr. פשח pᚚeªḥ 'zerreißen, zerfleischen' = arab. فسخ fasaḫa 'annullieren, aufheben, zerreißen', fassaḫa 'in Stücke reißen'

        • gibt im Kontext keinen Sinn und passt auch nicht auf das Passalamm, das nicht "zerfleischt" werden darf, sondern als Ganzes gebraten werden soll.

        • Könnte aber der Bestimmung von Ex 12,46 zugrunde liegen, dass man dem Passalamm "keinen Knochen zerbrechen" darf - um zu verhindern, dass das den übrigen Lämmern passiert?

      • arab. فصح faṣaḥa 'aufleuchten, hell'

        • könnte sich auf den Vollmondtermin beziehen

      • Berber tfaska 'Fest'

        • t- könnte feminine Vorsilbe sein. Da das 2. -t in der Endung fehlt, handelt es sich wohl um ein Fremdwort: < lat. pascha 'Ostern'

      Nun sind aber sem. š [ʃ, ɕ] und ṣ [ts] nicht dasselbe wie s, so dass sämtliche angeführten Vokabeln nicht überzeugen.

    • Hilft es weiter, nach dem ursprünglichen Sinn des Festes zu fragen? (Deutungen aus meiner Erinnerung):

      • ein Übergangsritus beim Weidewechsel: Ein Lamm des neuen Wurfs wird geschlachtet und gemeinsam gegessen.

      • Verbindung mit dem Fest der ungesäuerten Brote nach Abschluss der Gestenernte mit dem ersten Brot der neuen Ernte

        • d.h. die Hirten konnten die Schafe über die abgeernteten Felder treiben

        Beide Riten sind keine "Opfer", sondern Festessen anlässlich der neugeborenen Lämmer und des ersten Brots. Da fielen offenbar ein Hirten- und ein Bauernfest zusammen.

      • Bei der Erklärung mit dem "Überspringen" geht es um den Dämon, der die erstgeborenen Ägypter tötet und die Häuser der Israeliten verschont, die Blut an ihren Türen haben. Passa war also ursprünglich nicht der Name eines Festes, sondern eines Abwehrritus.

    •  Von daher kommt also ass. pašaḫu 'sich besänftigen' durchaus in Betracht.

      • MussArn (1905) 2,841

        • pašaxu 'sich besänftigen, beruhigen, versöhnt werden', von einem Kranken: wieder besser werden, genesen'
          = שבח = سبح 
          puššuxu 'besänftigen, beruhigen, versöhnen; heilen (?)'

      • Hbr. s statt š könnte auf die ephraimitische Aussprache zurückgehen (wie bei hbr. שבלת šibbolet, Ephraim סבלת sibbolet (Ri 12,6, dasselbe Nebeneinander von  ש und ס)

      • Die Auszugstradition scheint von den Josephstämmen Ephraim und Manasse zu stammen.

      • Dann könnte man übersetzen: "ich will mich über euch besänftigen":

        • wenn ich über euch komme, an euch gerate, euch angreife

        • kaum: über euch = euretwegen oder = mich über euch erbarmen (deutsch gedacht)

      Es ist aber kaum wahrscheinlich, dass die Israeliten ein osem. Wort p-š-ḫ 'sich besänftigen' benutzten, das in der Bedeutung hbr. und arab. *ś-b-ḥ entspricht. Eher handelt es sich um nicht verwandte Stämme.

      • Huyghe (1901) 16 kabyl. afsaḫ 'Sonnen-, Mondfinsternis', 147 feseḫ 'lichtschwach werden, sich verfinstern (Gestirn), verblassen (Farbe)'

        • könnte mit assyr. pašaḫu 'sich besänftigen' zusammenhängen: 'schwächer werden, in Lichtstärke / Zorn'

        • Das wäre dann ein altes Wort, das sich nur am äußersten Rand des afroasischen Sprachgebiets gehalten hätte.

      Insgesamt also doch sehr unwahrscheinlich.

  • zu arab. (mit der üblichen Vertauschung von s und š):
    • فشخ fašaḫa 'die Beine spreizen, große Schritte machen', fašḫa 'großer Schritt'

    • ءىد الفصح ʕīd al-fiṣ̌ḥ 'Passafest'

    Fašaḫa  = hbr. פסח pasoªḥ 'lahmen, hinken erklärt mühelos den biblischen Sprachgebrauch ohne die Hilfskonstruktion "hinken > hüpfen > springen". Man kann dann Exodus 12,13 übersetzen mit "ich werde über euch hinweg schreiten" = übergehen, verschonen.

    • Von daher lässt sich vielleicht auch Ex 12,11 verstehen: "Ihr sollt essen, marschbereit ausgerüstet, בחפזון bə-ḥippázôn 'in Hast, denn es ist das päsaḥ 'Schreiten' Jahwes" - ein Wortspiel, also ein Versuch, Passa zu erklären. Das hastige Essen könnte in Zusammenhang stehen mit der Wolken- und Feuersäule, die das Signal gibt für den Aufbruch bei der Wüstenwanderung (Mose S. 15): Jahwe bricht auf, deshalb ist große Eile geboten.

    • Passa ließe sich also allein aus der Wüstentradition erklären, ohne Spekulationen auf einen vorisraelitischen Brauch. Man müsste dann allerdings annehmen, dass der eilige Aufbruch in die Auszugsgeschichte zurückverlegt wurde, wie man ja auch die ungesäuerten Broten und das Wohnen in Laubhütten (im Heiligen Land) Schlüsse auf die Mosezeit zurückdatiert hat.

Erklärung

  • Passa 'das Schreiten'.

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Heinrich Tischner

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Aktuell: 10.02.2019