Diskussion Ahorn

Befund

  • noach. *ḫëčër-

    • *akër

      • Hesych <ἄκαρνα>· δάφνη ákarna 'Lorbeer'

      • lat. ăcer 'Ahorn'

        • it. acero, span. arce, port. acer 'Ahorn'

      • *akr̥nós > sgerm. *aħurnaż 'zum Ahorn gehörig'

        • ahd. ahorn 'Ahorn'

          • nhd. Ahorn 'ein Baum'

    • *jahʊër

      • *jaʊër

        • tschech., slowak., kroat. javor, poln,, osorb. jawor, slowen. jávor, serb. јавор jȁvōr, bulg. явор jávor  'Ahorn'

      • *jʊkar

        • ung. juhart 'Ahorn'

    • *ʊasra > ʊahtër

      • finn. vaahtera, estn. vaher, liv. voďo̤r 'Ahorn'

    • *aćtër

      • *ażcër > rum. arţar 'Ahorn'

      • türk. akça 'Ahorn'

      • bask. astigar, azkar 'Ahorn'

      • čeč. стайр stajr 'Ahorn'

      • nhbr. אדר ädär 'Ahorn' // bask. adar 'Horn'

        • kaum wahrscheinlich

    • Hesych <ἄκαστος>· ἡ σφένδαμνος = ákastos 'der Ahorn, Rüster'

    • hurrit. ḫinzuri- 'Apfel'

      • > armen. խենձոր xënźor 'Apfel'

      • > osemit. ḫašḫūru > sum. GIŠḫašḫur 'Apfel, Apfelbaum'

  • anders

    • cymr. masarnen 'Ahorn'

    • rät. ischi 'Ahorn'

    • frz. érable 'Ahorn'

    • katal. auró 'Ahorn'

    • port. bordo 'Ahorn'

    • pers. افرا afrā

    • kurd. çinar

    • kurd. îsfendar = griech. σφένδαμνος

    • ndl. esdoorn 'Ahorn'

    • germ. *ħluni 'Ahorn'

    • nhd. Flader Disk.

    • nhd. Maser Disk

Definitionen

  • Alberus (1540/ 1975)

    • Acer, maßolderbaum/ iſt ser koeſtlich, primum poſt Cirrũ locum obtinet, cuius genera ſunt, 1. Gallicum, candoris eſt præcipui, græci Cylinon uocant, 2. Pauonium. iſt ſer krauß / vnnd das koeſtlichſt. 3. Carpinus, pe.cor.è qua quondam faces fiebant nuptiales, iſt das geringſt, Crassiuenium dicitur, dann es hat dick adern/ à græcis ορεῖ@, i montanus uocatur & Zygia, hat ein blaw ſcharpff rinden / inwendig rot &c. Acernus a.um aſſer.

      • = "Acer", Maßholderbaum, (das Holz) ist sehr wertvoll, nimmt den ersten Platz nach dem "Cirrus" ein. Seine Sorten sind: 1. der gallische, ist von hervorragender weißer Farbe. Die Griechen nennen ihn "Cylinos". 2.  Pfauenholz [1], ist sehr kraus und das wertvollste. 3. Geißbaum (Hainbuche), ... aus dem einst die Hochzeitsfackeln gemacht wurden, ist das billigste, Crassivenium (dickadrig) genannt denn es hat dicke Adern, von den Griechen "oreîos", d.h. Bergahorn genannt und "Zygia", hat eine blaue, scharfe Rinde, inwendig rot.
        "Acernus, -a, -um" (nennt man das) Holz

       [1]  Plinius 16, 16, 26: alterum genus aceris crispo macularum discursu, qui cum excellentior fuit, a similitudine caudae pavonum nomen accepit. = Eine andere Ahornsorte hat einen krausen Verlauf der Flecken. Die besseren sind nach der Ähnlichkeit mit dem Pfauenschwanz benannt." (zit. Grimm (1862)  3,1708)

    Stieler (1691/ 1968)

    • Ahornbaum / acer, platanus. Inde est aernholz / lignum acerbum

  • Krünitz, Oekonomische Enyclopädie (1773-1848)

    • Acer, Ahorn, Ahornbaum, Apelerbaum, Binnbaum, Eren, bei den Preussen Leinbaum, bei den Schlesiern Urle oder Urlenbaum, Fr. Erable. ...

      • Apelerbaum wohl mit Affolter 'Apfelbaum' verwechselt

      • Binnbaum unbekannt (Bienenbaum = Bienenweide?)

  • Adelung (1793-1801) 1,188-189

    • Man kennet in den Deutschen Wäldern fünf Arten dieses Baumes. 1) Den gemeinen weißen Ahorn, der grüngelbliche Blumen, eine weißliche Rinde und das weißeste Holz hat, und dessen Blätter auf der untern Seite weißgrau und mit einer zarten Wolle bedeckt sind. Er wird in den gemeinen Mundarten auch Anchore, Amhorn, die Ohre, in Thüringen in Sachsen, wegen des vornehmsten Gebrauches, der davon gemacht wird, Spindel- oder Spillenholz, in der CH Waldäsche und Steinahre, und in andern Gegenden Geißbaum genannt. 2) Der gemeine Ahorn mit scheckigen Blättern. 3) Die Lehne, welche in Norden und Niedersachsen häufig wächst, eine weiße glatte Rinde, und ein hartes und zähes Holz hat, welches aber nicht so weiß und fein ist, als an dem vorigen. 4) Die Lehne mit scheckigen Blättern, welche eine bloße Abänderung der vorigen ist. 5) Der kleine Deutsche Ahorn, welcher kleine, unten hellgrüne, oben aber dunkle Blätter und eine gelbbraune Rinde hat, und unter dem Nahmen des Masholders, oder der Maserle am bekanntesten ist.

Theorien

  • Grimm (1854) 1,198

    • ahorn, m. platanus, ahd. ahorn, ahurn (Graff 1, 135), mhd. ahorn (Ben. 1, 14a), ags. ¿ahorn, nnl. ahorn, litt. aornas, eins der wenigen wörter, die ihre alte, volle form stets unverdünnt erhielten. ahorn entspricht dem lat. acer, dessen adj. acernus der deutschen wortgestalt am nächsten tritt, auch das sl. iavor, poln. iawor, böhm. gawor gehört dazu und hat kein n entfaltet, aber den kehllaut durch einen labial ersetzt, wie ihn litt. aornas ganz beseitigt. wegen seines breiten, vollen laubs reden die dichter oft von des ahorns dunkelm schatten.

      • die "unverdünnte" volle Form lässt vermuten, dass man A-horn getrennt hat, vgl. A-meise mit Vorsilbe a-. Die Dialektformen Anchore, Amhorn, Ahre, Ähre, die Ohre zeigen aber, dass es auch verkürzte Formen gab..

      • lit. aornas < Ahorn

  • Kluge (1894) 7

    • Ahorn M. aus gleichbed. mhd. ahd. âhorn M., dessen â sich aus der CH, sowie aus dem Münsterländ. ergibt. Das im Ostthür. und CH auftretende ânhorn, wozu Wörterbücher des 16.-18- Jahrh. anhorn anchore amhorn bieten, scheint darauf hinzudeuten, daß ahd. mhd. âhorn aus *añhorn entstanden ist. Als urverwandt dürften dazu gehören lat. acer 'Ahorn'. gr. ἅκαστος (gr. ἀκαταλίς 'Wacholderbeere'?). Einen anderen alten Namen des Ahorns s. Maßholder.

      • Kluge denkt an die nordsee-germ. Elision von n vor h, die aber nicht in Frage kommt, weil Ahorn kein Wort dieses Sprachraums ist.

  • Pokorny (1959/2002) 20

    • zu lat. ācer 'scharf, schneidend, spitz': wegen der spitzen Blattabschnitte'

      • weitere Pflanzennamen:

      • griech.

        • ἅκανθα ákantʰa 'Dorn(strauch), Distel, Akazie, Rückgrat'

        • ἅκορνα ákorna 'Stachelpflanze'

  • Kluge 2002:

    • "Falls es sich um ein Erbwort handelt, dürfte es aus ig. *aƙer- "Spitze" oder einer damit zusammenhängenden Bildung abgeleitet sein (das Benennungsmotiv wäre also die Form der Blätter). Es gibt aber Hinweise darauf, daß es sich um ein vorindogermanisches Wanderwort handeln könnte; so das danebenstehende gr. (Hesych) ákarna "Lorbeer" und baltische und slavische Formen, die in ihrer Herkunft unklar sind. Falls heth. hiqqarza anzuschließen ist, kann von ig. *hēkr/hék-n-s ausgegangen werden."

      • Es gibt keine Formen des Baumnamens, die nur n statt r haben und auf "*hēkr/hék-n-s" verweisen. Das ägäische ἄκαστος ákastos 'Ahorn, Rüster' hat eine andere Anfügung an den Stamm ak-, die keine Rückschlüsse auf ausgefallene Konsonanten erlaubt.

Alternativen

  • 'Gewächs', vgl. maked. ἀκρέα akréa 'Mädchen' < idg.*ḫecër- 'wachsen, nähren'

    • vgl. Sprosse (Pflanze) / Sprössling (Menschenkind)

  • 'Bergahorn < noach. *ẖeğór- 'Berg'

    • mit wechselndem Anlaut in den Einzelsprachen, der aber auf Verkürzung der ersten Silbe beruht und auf einem stimmhaften Konsonanten beruht. Der ist durch die Verkürzung *ẖeğ- > *ẖğ- teilweise stimmlos geworden.

    • Angesichts der abweichenden Lautentwicklung unwahrscheinlich.

  • zu japhet. *črës- 'Baum, Gehölz', auch *črësnos > -nnos, das dann *ḫëčrës lauten müsste und erweitert aus dem prognostizierten *ḫĕčër wäre.

Diskussion

  • Die zu lat. ācer passenden anderen Pflanzennamen beziehen sich auf echte Stacheln, nicht bloß auf spitz zulaufende Teile.

    • Das schließt diese Erklärung definitiv aus.

  • Das n in Ahorn ist Anfügung wie in lat acernus 'aus Ahorn'.

  • A-horn zu Horn, die sog. Maser 'Knorren, Auswuchs am Holz'

    • Dann müsste man aber ein Neutrum erwarten (wie im Lat.). Mask., da aus Ahornbaum gekürzt  gäbe Sinn.

  • Merkwürdig ist das von den femininen Baumnamen abweichende Geschlecht lat. acer n., dt. Ahorn m.

    • War das Holz gemeint, nicht das lebende Gewächs?

Erklärung

  • Die Anknüpfung an japhet. *črës- 'Baum, Gehölz' erklärt:

    • das slawische v und das s in Hesych ἄκαστος ákastos 'Ahorn, Rüster'

    • den "unerklärten Anlaut" (P633) von russ. хворост chvórɑst m. 'Reisig, Strauch', slowen. hrást 'Eiche' als Rest des anlautenden ḫ

    • Dazu auch Rüster?

  • Lat. acer/ aceris n. ist Wurzelnomen mit konsonantischen Stamm. Merkwürdig ist das einfach c, nicht qu, wie zu erwarten wäre. Fremdwort?

  • Dt. Ahorn lässt sich sowohl aus *aħurnaż wie aus *aƕurnaż erklären.

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Aktuell: 10.02.2019