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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Etymologie

frohlocken

nhd. 'Freude äußern'

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bezeugt seit

  • spätmhd. Ende 12-er Jh. Nomen vrôlocken (Beliand)

  • fnhd. 1347/50 Verb frôlocken (Konrad von Megenberg)

bezeugte Bedeutungen:

  • Belege bei Grimm 4,227-9:

    • Vocabularium ex quo 1482 (Nürnberg) jubilare, frohlocken in freuden, die man nit mag aussprechen, et ostenditur clamore, saltu, manibus = (lat.) jauchzen: (dt.) frohlocken in Freude, die man nicht aussprechen kann, (lat.) und sie zeigt sich durch Schall, durch Springen, durch Händeklatschen.

    • Luther: frohlocken // freuen, danken, jauchzen, frohlocket mit henden, fröhlich sein, frohlocken mit ruhm

    • Josua Maaler (Pictorius, 1561) 144b frolocken, mit den füszen dopplen oder mit den henden klopfen, plausum dare = (dt.) frohlocken, mit den Füßen tappeln,  oder mit den Händen klopfen, (lat.) Beifall geben (Studentenbrauch)

  • Erasmus Alberus (1540) Ich frolock. Grator = (dt.) Ich frohlocke. (lat.) Ich freue mich über etwas.

  • Johann Christoph Adelung, Wörterbuch (1793-1801): einen hohen Grad der Freude so wohl durch die Stimme, als auch durch die Geberden an den Tag legen (auch durch Schadenfreude und im religiösen Sinn)

  • Lorenz Diefenbach, Glossarium Latino-Germanicum (1857): Frohlocken ist nicht exultare 'vor Freude springen', sondern jubilare 'jauchzen'

  • Duden, Großes Wörterbuch (2000): 'Schadenfreude äußern; jubeln; lobsingen'

Etymologie

Nach diesen Belegen bezeichnet das Wort einen Gefühlsausbruch, der sich vor allem laut äußert (Freudenschreie, Händeklatschen, kultiviert im religiösen Zusammenhang als Singen).  Die Bedeutung 'vor Freude springen' lässt sich aus dem Textzusammenhang nicht erkennen und ergibt sich lediglich als Nebenbedeutung aus dem Vocabularium von 1482.

  • Von daher ist eine schon von Adelung angenommene Ableitung von got. laikan 'vor Freude springen', bilaikan 'verspotten' bzw. mhd. lecken 'übermütig springen (von Tieren)' fragwürdig

  • Auch der Vokalismus stimmt nicht: Es heißt nicht frohlecken, sondern frohlocken. Auch Grimm kann diesen Unterschied nur als Unregelmäßigkeit erklären.

    Wenn aber das fragliche Grundwort nicht lecken, sondern locken heißt und nicht 'springen', sondern 'jauchzen' bedeutet, dann kann diese Erklärung nicht richtig sein.

Daher ein anderer Versuch: -locken muss ein Schallwort sein.

  • ablautend mit intensivierender Konsonantenverdopplung < lachen 'Heiterkeit äußern'
    Vgl.

    • got. lahjan (Prät. hloh) 'lachen' / uf-hlohjan 'zum Lachen bringen'

    • aengl. hlæhhan 'lachen' / hlacerian 'verspotten'

    • anord. hlæja (Prät. hló) 'lachen' / hlakka 'lärmen, über etwas jubeln' / hlœgja 'zum Lachen bringen'

    • afries. hlakkia 'lachen'

 

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Datum: 2009

Aktuell: 10.02.2019