Diskussion Gans

Befund | Theorien | Diskussion | Erklärung

Befund

  • *gʰa- 'gackern, schnattern' 407

    • anord. gagl 'junge Gans' 180

    • balt.

      • lit. gogónas 'Gänserich' 295

      • lett. 69f   

        • gahga 'Art Ente'

        • gahgars 'Gans'

        • gaigale 'Art Möwe'

      • apr. gegalis 'Art Taucher' 44 

  • *ƺʰans 'ein Wasservogel' 407

    • aind. हंस haṁsá 'Gans, Schwan, Flamingo; Seele'

    • griech. χήν kʰḗn 'Gans' 1799

    • air. geís 'Schwan'

    • germ. > dt. Gans

    • Gänserich:

      • 15m" Kraut ... Millefolium magnum dicitur anserina, genserich /grensing / kleyn odermenig, / kleyn reynfar / großgarb Alberus 'Gänsefingerkraut (Argentina anserina)'

        • nach dem Vorbild von ahd. wegarih 'Wegerich' 363 

      • 17b" 'Ganser'

        • naheliegende Bedeutungsübertragung

    • balt.

      • lit. žąsís 'Gans' 589

      • lett. zoss 'Gans' 239 

      • apr. sansy 'Gans' 154 

  • *zʰanτ-

    • germ. ganta 'weiße Gans' 10,53

    • balt.

      • lit. gañdras 'Storch' 354 

      • apr. gandams ⁂gandaris 'Storch' 42 

Theorien

  • Vaniček (1874) 55f

    • W[urzel] gha... leer sein, klaffen, gähnen' ... anser ... Gans

      • Ihm folgen alle mir bekannten Erklärungen außer:

  • SuolVog (1909) 411

    • Jedenfalls sollte die alte Etymologie, die den Vogelnamen mit griech. χάσκω [gʰáskō] 'gähne* verknüpft, schon aus semasiologischen Gründen aufgegeben werden. Wenn man einen Versuch machen will, einen so alten Vogelnamen wie den vorliegenden auf Entstehung hin zu analysieren, so könnte man an ein Kompositum denken, dessen erstes Glied einen Naturlaut ga- enthielt, welcher das Gackern der Gänse bezeichnete. Denn das Wahrscheinlichste ist, daß die Wildgans nach der Stimme benannt wurde.

  • M. Philippa e.a. (2003-2009) Etymologisch Woordenboek van het Nederlands

    • wortelnomen pie. *ǵʰ(e)h2ns-. = Wurzelnomen idg. *ƺʰëḫns-

      • Der Laryngal h2 = ḫ erklärt die Lautung a. *ǵheh2- gilt auch als Wurzel  von Chaos.

Diskussion

  • < 2 ĝhe- 419ff  > *ĝhan 'gähnen, klaffen' 411

    • von dem heiseren Anfauchen der Tiere bei aufgesperrtem Schnabel.

    • fraglich, ob die Gänse beim Fauchen / Zischen den Schnabel aufsperren.

  • < gha- 'Lautnachahmung' 407

    • Der gewöhnliche Gänselaut ist "ga, gi".

    • Wie oben gezeigt, gibt es auch baltische Namen mit g- für Wasservögel, die eindeutig auf *gʰa- zurückgehen.

    • /g/ neben /ƺ/ bei Schallwörtern ist nicht verwunderlich, zumal es für 2 ĝhe- 419ff  'gähnen, klaffen' viele Bildungen mit /i/ gibt, die eine sekundäre palatale Umbildung von gha- wahrscheinlich machen. Und umgekehrt enthält ja auch der Gänselaut z. T auch /i/, der zu einer palatalen Aussprache des Anlauts führen konnte.

    • Phonetisch lassen sich also die beiden Anlaute nicht klar unterscheiden.

  • TH 31.10.2016 Aus dem Laut lässt sich ein Verb bilden und daraus ein Partizip *gʰants 'gackernd'. Daraus ließen sich die Formen mit s und Dental erklären.

    • Dagegen sprechen die Wörter für 'Zahn' (*dënts > lat. dens / dentis, aber germ. *tanðus, ahd. tand (mit neuer Ableitungssilbe).

    • Germ. ganta erfordert idg. d, hdt. z (ahd. ganazzo), kann also keine Partizipialform sein.

    • aengl. gandra, ganra 'Gänserich', lit. gañdras 'Storch' < *gan-ros mit Gleitlaut, also sekundärem Dental.

      • > Gand-er

    • Partizip ist also angesichts des germ. -t, nicht þ, unwahrscheinlich.

Erklärung

  • TH 03.11.2016

    • Anlautmutation mit G-mobile: lat. *anats 'Ente' - anser 'Gans* = ganta / Ganter / Gans :: Ente

      • lat.: 1 Stamm, Suffixe unterscheiden die Arten

      • germ.: Stämme unterscheiden die Arten, Suffixe die Geschlechter

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Heinrich Tischner

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Aktuell: 28.08.2021