Diskussion Kneip

Befund

  • germ.

    • anord. knífr 'Messer'

      • isl. hnífur, norw., dän., schwed.  kniv 'Messer'

    • aengl. cníf 'Messer'

      • mengl. col-knif 'großes Messer'

        • engl. Standard knife 'Messer'

        • Scots ¿

    • mnl. knijf 'kleines Messer'

      • ndl. ¿

    • mnd. knīf, knīp 'Messer, Schustermesser'

    • fnhd. ¿kneif 'Messer'

      • änhd. Kneif, Kneip 'kleines Messer, Schustermesser'

  • roman.

    • Godefroy (Web) 18"

      • 1,776 f: 1206 canivet, cenivet, auch cnivet

      • 4,217: 1410 ganyvete ou coustel 'Messerchen'

    • mfrz., frz. 14" canif 'Federmesser'

    • Meyer-lübke 4723 Δ afrz. ganivet

      • > prov. katal. ganiveta, aspan., port. canivete

    • > bask. kanibet 'Messer'

  • kelt.?

    • cymr.

      • cneifio '(Schafe) scheren, abschneiden'

      • cnif, cniff, gnif, gniff 'Schmerz, Leid'

Theorien

  • Grimm (1873) 11,1403f

    • für die herkunft wäre ein anhalt, wenn allein nd. knîf, hd. kneib in frage kämen. der ablaut leitet auf ein altes hd. knîban, nd. knîvan (vgl. unter kneifen 3), etwa mit der bed. schnitzen, spalten. dafür könnte man alten umsatz von kn- aus kl- annehmen (s. DWB knäuel), und mit klîben und klieben spalten (sp. 1162 unten) fände dabei auch der ablautswechsel von ei und eu seinen anhalt, selbst die steigerung des b zu p in kluppe (s. d.).

  • Pokorny (1959/2002) 379 f

    • gen- als Basis für Erweiterungen der Bedeutung 'zusammendrücken, kneifen, zusammendrücken; Zusammengedrücktes, Geballtes..., davon sind gnegh-, gneig, gner-, gnes-, gneus- nur germ.

      • nur Anlaut gn-, sichere Belege nur germ. und lit.

      • 3. gn-eibh-: außer Kneif auch kneifen

  • Kluge 2002

    • Kneif "kurzes gekrümmtes Messer" (17. Jh.), fnhd. kneif . Vergleichbar anord. knífr, spae. cnIf (wohl aus dem Nordischen entlehnt). Daneben mit Ablautvariation Kneip aus mndd. knīp, knIf. Herkunft unklar. Vielleicht als "zusammengekrümmt" zu den Wörtern für "zusammendrücken" mit dem Anlaut kn- (vgl. kneipen). Nach Vennemann aus einem Substrat (vgl. bask. kanibet "Federmesser").

  • Online Etymology Dictionary

      knife (n.)
      late O.E. cnif, probably from O.N. knifr, from P.Gmc. *knibaz (cf. M.L.G. knif, M.Du. cnijf, Ger. kneif), of uncertain origin. To further confuse the etymology, there also are forms in -p-, e.g. Du. knijp, Ger. kneip. French canif "penknife" (mid-15c.) is borrowed from Middle English or Norse.
  • knif - ONW (Oudnederlands Woordenboek)

    • knīf Woordsoort: znw. Modern lemma: knijf Oudste attestatie: 1108 Frequentie: totaal: 7, appellatieven: 7 Etymologie: De vorm *knīf uit het FEW is gereconstrueerd op basis van ofra. canivet, quenivet '(zak)mes', een diminutief van het later geattesteerde quenif 'zakmes, graveerstift'. De anlautgroep kn- is door de invoeging van een klinker (a, e) vergemakkelijkt. Morfologie: ongeleed. Flexie: nominatief singularis *knīf (1) in Latijnse context knif (6) Overige historische woordenboeken: VMNW: cnijf (znw.m.,o.), MNW: cnijf (znw.m.,o.), WNT: knijf (znw.o.)

    • 1. Mes. In het Oudnederlands alleen als reconstructie uit het Oudfrans en als toenaam overgeleverd, mogelijk de beroepsbijnaam voor een messenmaker of de bijnaam voor een messentrekker of een lang mager persoon, vgl. Gysseling/Debrabandere 1999: 106 en Debrabandere 2003: 693. Ansfridum Knif. Ansfried Knijf. Gysseling/Debrabandere 1999: 106 [z.p.], 1108. Anfridus Knif. Ansfried Knijf. Oork.Utr. 264 (nr. 285); Gysseling/Debrabandere 1999: 106 [z.p.], 1116. Arnoldus Knif. Arnoud Knijf. Oork.Utr. 274 (nr. 298) [z.p.], 1121. Ruthulfus Knif. Rudolf Knijf. Oork.Utr. 305 (nr. 331) [z.p.], 1131. *knīf // canivet. Mes. FEW XVI, 337 Noord-Frankrijk, Noord-Frankrijk, na 1150. Theodricus Knif. Diederik Knijf. Oork.Utr. 417 (nr. 466); Gysseling/Debrabandere 1999: 106 [z.p.], 1169. Theodricus Knif. Diederik Knijf. Oork.Utr. 418 (nr. 466) [z.p.], 1169. Literatuur: Debrabandere 2003 693 FEW XVI 337 Gysseling/Debrabandere 1999 106

Diskussion

  • In der Edda ist das Wort nur einmal bezeugt (Gering 95), im Aengl. nur als Wörterbucheintrag (Hall 72), im Mengl. nur als Zusammensetzung.

  • Das isl. hnífur hat Anlautlenition, mit einer schon im Anord. zu beobachtenden Unsicherheit im Umgang mit h + Fließlaut.

  • Die späte Bezeugung in allen germ. Sprachen spricht weder für ein Erbwort noch für ein Relikt aus einer Substratsprache.

  • Die unfeste Lautung verweist entweder auf ein Fremdwort oder auf eine mittelalterliche Neuschöpfung.

  • Die romanischen Formen haben Gleitlaut zwischen Guttural und n, um das ungewohnte kn- zu umgehen.

  • Das baskische Wort stammt  offensichtlich aus dem Afrz.

  • Um eine Lautgeste wie klipp klapp, schnipp schnapp  kann es sich wegen des germ. -f nicht handeln.

  • Pokornys "gen- als Basis für Erweiterungen der Bedeutung..." ist keine etymologische Wurzel, sondern nur eine Lautidee, die hinter dem gemeinsamen Anlaut zu erkennen ist. Eine saubere Rekonstruktion eines vgerm. Grundworts ist so nicht möglich.

  • Wurzel-Erweiterung durch Liquid-Infix?:

    • adam. *ɢëπ- 'Hand'

      • > klauben, Kluppe

      • > kneifen

      • > greifen

      vgl. hbr. kap 'Hand', kánáp 'Flügel', gánôb 'stehlen'

    • Kneifen tut man aber mit Fingernägeln oder Zange, nicht mit dem Messer.

      • alte Bedeutung 'Schere', vgl. cymr. cneifio '(Schafe) scheren, abschneiden'?

        • Das Wort für 'zwicken' ist kaum älter als das für 'Messer', erklärt also nichts.

  • Grundbedeutung könnte aber sein 'mit den Fingern halten', also mit dem Feingriff, nicht mit dem Kraftgriff wie z.B. bei einem Schwert.

    • Dazu passen die überlieferten Bedeutungen:

      • Alberus (1540/ 1975): R / Er / Messer... enchiridium, gladiolus, ein kneip/ messer das man stets bei sich tregt

      • Grimm (1873) 11,1403f: 'Schnappmesser, Taschenmesser'

      • Federmesser (ursprünglich zum Zuspitzen der Schreibfeder)

      • Standardbedeutung 'Schustermesser' (nur Klinge, ohne Griff) Web

  • Nicht in Frage kommt Kneif "kurzes gekrümmtes Messer" (Kluge).

    • Der Schusterkneip hat zwar eine leicht an der Schmalseite gebogene Klinge, nicht wie bei der Sichel.

    • Die Vokabeln bei Pokorny haben auf über 3 Seiten nur einmal die Bedeutung 'biegen' bei einem Wort, dessen Zugehörigkeit fraglich ist.

Erklärung

  • Beim Schneiden benutzt man Messer und Daumen wie eine Zange.

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Heinrich Tischner

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Aktuell: 28.08.2021