Diskussion

Befund | Theorien | Diskussion | Erklärung

Befund

  • wgerm *kukar 'Köcher'

    • > finn kukkaro 'Köcher'

    • afries. koker 'Köcher'

    • aengl. cocur 'Köcher'

    • mnl. côker 'Köcher'

      • ndl. koker 'Köcher'

        • > russ. кокор kókɑr 'Patronenbehälter'

    • and. kokar 'Köcher'

    • ahd. 7/8" cohhar 'Köcher' 4,363

      germanisch

  • ähnlich lautende Synonyme:

  • ähnlich lautende altaische Wörter:

    Diese Vokabeln erinnern an lat. cucumis 'Gurke, cucuma 'Kochgeschirr', (cu)curbita 'Kürbis': Erinnerungen an altsteinzeitliche, vorkeramische Gefäße?

Theorien

  • Man vermutet, dass die germ. Wörter von den Hunnen eingeführt wurden (z.B. Kluge 2002).

    • Pfeifer (1995 / 2005) 685f

      • aus hunn. *kukur (als einzige Entlehnung aus dem Hunn.). Dieses beruht, vermittelt durch turkotatar. Sprachen wie Tarantschi kökür, oirot. kökör, kasach. kökkör, saghaisch, koybal., sojon. kügär ‘Lederflasche, Schlauch’, auf amongol. køkygyr ‘rindslederner Wasser-, Weinschlauch’, vgl. kalmyk. kokür (кøкyp), auch ‘lederner Schlauch für Kumys’, einer Ableitung von amongol. køky- ‘saugen

  • Afrz. cuevre, quoevre, quivre gehen kaum auf das wgerm. Wort zurück. Vielleicht aber gibt es eine gemeinsame Grundlage:

  • TH 2010

    • Japhet. *ğër- 'fressen, Schlund' bildet auch reduplizierende Wörter:

      • *ğërğër-

        • aind. गर्गर gargara 'Strudel'

        • Hesych γέργερος gérgeros 'Luftröhre'

      • *ğërğër-

        • lat. gurges 'Strudel, Wirbel', gurgulio 'Luftröhre'

        • ahd. querk(el)a 'Gurgel'

      • *ğërğër-

        • heth. ḫuḫarti-, luw. ḫuḫarta- 'Kehle, Luftröhre'

        • armen. կոկորդ kokord 'Kehle'

        Dazu passen auch die Wörter für 'Köcher':

        • vfrz. *queqvera > afrz. cuevre, quoevre, quivre

        • wgerm. *queqra- > *kokar
          vgl. queman > kommen

    • Der Köcher wäre damit entweder ein Behälter, der seinen Inhalt 'verschlingt', oder nach seiner Form ein 'Schlund'.

  • TH 2016

    • zu kochen

      • Kochstein "Es wird angenommen, dass in keramiklosen, vorneolithischen Zeiten Mulden in den Boden gegraben wurden, die mit Häuten ausgekleidet wurden. Diese Konstruktion diente als Gefäßersatz, Wasser und Speisen konnten in diesen Kochmulden durch Zugabe heißer Steine erhitzt/gekocht werden."

      • Daraus könnten sich lederne Behälter entwickelt haben, die man "Kocher" nannte.

    • afrz. cuevre, quoevre, quivre

Diskussion

  • Hunnen

    • - Die altaischen Parallelen bedeuten aber nicht 'Köcher', sondern 'lederner Flüssigkeitsbehälter'. Man müsste im Germanischen eine Bedeutungsübertragung annehmen.

    • - Schon Ötzi hatte einen Köcher. (Südtiroler Archäologiemuseum)

    • + Einige Sprachen haben für 'Köcher' zwei Wörter (Pfeiltasche o. ä.). Es kann also sein, dass die Germanen anstelle eines zweiteiligen Ausdrucks ein griffiges hunnisches Wort übernahmen, das nicht unbedingt 'Köcher' bedeutet  haben muss, wie es ja auch bei anderen Fremdwörtern manchmal geschehen ist (pilum 'Wurfspieß' > Pfeil 'Bogengeschoss')

      • >< anord. mæli 'Behälter', mælir 'Maß, Köcher' 50

  • Schlund

    • + erklärt die Form,

    • - lautlich unwahrscheinlich (*ğërğër- nur heth. und armen.)

    • - schließt die altaischen Wörter aus, die ja wohl nicht röhrenförmige Behälter bezeichnen.

  • kochen

    • + erklärt das Material und ermöglicht einen Anschluss an die altaischen Wörter.

    • + Das germ. und frz. Wort für Köcher lässt sich auf kochen zurückführen (quivre 'Köcher (+ Kupfer)' / cuire 'kochen).

    • - Das Grundwort adam. *ɢ¤ɢ- bedeutet 'Feuer, Hitze, brennen > kochen', nicht 'Gefäß'

  • Kürbis

    • + erklärt die alt. Wörter und die Form dieser Behälter,

    • - aber nicht das Material

      • kann aber auf Lederbehälter übertragen sein. Viehzüchter haben eher Leder als Kürbisse.

    • - kommt für den Köcher nicht in Frage.

Erklärung

  • Es bleibt also nur < hunn.

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Heinrich Tischner

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Aktuell: 10.02.2019