Quellen: Palatine

  • Liselotte von der Pfalz an Sophie von Hannover

    • Ich Muß sagen, daß der König mich noch täglich mehr gnade erweist, denn er spricht mir überall zu, wo er mich ahntrifft, undt lest mich jetzt alle Sambstag holen, umb medianosche mitt ihm bey mad. de Montespan zu halten. Dießes macht auch, daß ich jetzt sehr à la mode bin, denn alles, waß ich sage undt thue, Es sey gutt oder überzwerck, daß admiriren die hoffleütte auch dermaßen, daß, wie ich mich jetzt bey dießer Kälte bedacht, meinen alten zobel ahnzuthun, umb wärmer auff dem halß zu haben, so lest jetzt jedermann auch einen auff dieß patron machen undt es ist jetzt die größte mode; welches mich woll lachen macht, denn eben dieselben, so jetzt dieße mode admiriren undt selber tragen, haben mich vor 5 Jahren, als ich in Frankreich ankam, dermaßen außgelacht undt so sehr mitt meinem zobel beschrieen, daß ich ihn seiderdem nicht mehr hab ahnthun dörffen. So gehts hir bey dießem hoffe zu, wen die courtissans sich einbilden, dass einer in faveur ist, so mag einer auch thun was er will, so kann man doch versichert sein, daß man apropirt werden wirdt; hergegen aber, wan sie sich daß contrari einbilden, so werden sie einen vor ridicule halten, wenn er gleich vom Himmel kämme...
      Versaille den 4. Nov. 1677.

    • = Ich muss sagen, dass der König mir noch täglich mehr Gnade erweist, denn er spricht mich überall an, wo er mich antrifft, und lässt mich jetzt jeden Samstag holen, um Mitternachtsmahl mit ihm bei Frau de Montespan zu halten. Daher kommt es auch, dass ich jetzt sehr in Mode bin, denn alles, was ich sage und tue, es sei gut oder verkehrt, das bewundern die Hofleute auch dermaßen, dass, wie ich jetzt bei dieser Kälte auf die Idee komme, meinen alten Zobelpelz anzulegen, um wärmer auf dem Hals zu haben, so lässt jetzt jedermann auch einen nach diesem Vorbild machen und es ist jetzt die größte Mode; was mich wohl zum Lachen bringt, denn genau diejenigen, die jetzt diese Mode bewundern und selber tragen, haben mich vor 5 Jahren, als ich in Frankreich ankam, dermaßen ausgelacht und so sehr über meinen Zobel gelästert, dass ich ihn seitdem nicht mehr habe anlegen dürfen. So geht's hier bei diesem Hof zu. Wenn die Höflinge sich einbilden, dass einer in Gunst steht, so kann einer auch tun was er will, so kann man doch versichert sein, dass man anerkannt wird; dagegen aber, wenn sie sich das Gegenteil einbilden, so werden sie einen für lächerlich halten, wenn er auch vom Himmel käme...
      Versailles den 04.11.1677

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Aktuell: 10.02.2019