Diskussion Kamel

Befund | Theorien | Diskussion | Klärung | Erklärung

Befund

  • sem. gamalu 'Kamel'

    • hbr. גמל gámál, arab. جمل ğamal, osem. gamallu

  • griech. κάμηλος kámēlos, lat. camelus, dt. Kamel usw.

  • aind. क्रमेल kramēla

Theorien

  • Adelung (1793-1801)

    • Camelus, aus dem Griech. καμλος [kámēlos], und dieß aus dem Hebr. גמל [gámál], von dem Arab. חמלj[=حمل ḥamala 187], Last tragen

  • Grimm (1873)

    • kamel, n. camelus, gr. κάμηλος, ein asiatisches, wol semitisches wort.

    • ursprünglich hiesz das thier mit anderm namen goth. ulbandus, ahd. olpentâ, mhd. olbente u. s. w. (ähnlich slav.)...;

    • der neue name kam ihm durch die frische bekanntschaft mit dem morgenlande in den kreuzzügen: der olbenten, daʒ Walhe heiʒent camelum. Diut. 3, 37. mhd. kémel, kemmel und kembel m., auch kembelîn, kemelîn n. ...,

      • letzteres, so wenig es passend scheint, weil die endung -el deminutivisch klang, vgl. das ähnliche u. kerl, kabelein.

    • das e, noch im 16. jh., deutet auf eine anfängliche form kamil, griech. aussprache von κάμηλος die man im morgenlande hörte.

      • unverständlich

    • aus dem lat. erst ward dann kamél hergestellt, wenn das nicht, zumal Luther es braucht, von jeher im md. heimisch war (vgl. kasteien), denn in der md. evangelienübers. Haupt 9, 280 steht camel, in Ludwigs kreuzfahrt 6074 kamele pl., bei Herm. v. Fritzlar kammel (kammêl der herausg., oder die hs.?), in der erlösung 3190 cámelîn.

    • das nhd. neutrum, md. schon im 14. jh. (s. unten), mag veranlaszt sein durch kamelthier.

    • nl. kemel und kameel m., schwed. kamel m. engl. camel, franz. chameau m., it. cammello m. und cammella f.

  • Frisk (1954-72)

    • κάμηλος {kámēlos} ...: ‘Kamel’ ... Aus dem Semitischen (ursprüngl. babylonisch?...); vgl. hebr. gāmāl (= γαμάλ· ἡ κάμηλος παρὰ Χαλδαίοις H.), mit (ionischem?) Übergang von ᾱ zu η in -ηλος;

    • vgl. noch Γαυγάμηλα = καμήλου οἶκος Str. 16, 1, 3 (Kretschmer KZ 31, 287).

    • Aus κάμηλος stammen sowohl aind. kramēla- (nach krámate ‘schreiten’ umgebildet) wie lat. camēlus und die europäischen Formen

  • Pfeifer (1995 / 2005)

    • Kamel n. Der Name des höckertragenden Wiederkäuers stammt aus griech. kámēlos (κάμηλος) bzw. wie dieses aus dem Semit., vgl. hebr. gāmāl, arab. ǧamal.

    • Daraus wird während der Kreuzzüge, der damaligen Aussprache arab. gemel bzw. byzant.-griech. kamil- folgend, mhd. kemel, kemmel, kembel entlehnt.

    • Die heutige Namensform (mit Endbetonung) wird im 16. Jh. durch Angleichung an das aus dem Griech. stammende lat. camēlus üblich.

    • Mit der Entlehnung ins Mhd. wird die alte Bezeichnung des Tieres ahd. olbenta, mhd. olbende (aus griech.-lat. elephās, s. ↗Elefant) aufgegeben.

Diskussion

  • Adelung

    • arab. حمل ḥamal 'Lamm' < حمل ḥamala 'tragen', auch 'schwanger werden' 187, حامل ḥāmil auch 'trächtig'

    • Databases: nur arab. und Tschad 'aufladen'

    • dazu: hbr. 1,799f

      • עמל ʕámôl 'sich abmühen'

      • עמס ʕámôs '(einem Tier) aufladen, (Last) tragen'

    • Dass im Hbr. g / k wechseln können, zeigt GesB (1959) 123, vgl. auch

      • hbr. גמל gámôl 1,79 = arab. كمل kamala 748f 'vollkommen sein'

  • TH (06.2017)

    • κάμηλος [kámēlos < *kámālos] ist formal = russ. комолый kɑmólyj < *kamalūj 'hornlos' 1,609

      • Das Kamel ist ein hornloser Paarhufer!

    • Griech k- :: sem. g- spricht gegen eine direkt Entlehnung.

      • Herodot 3,102 erwähnt Kamele der Inder. Die Griechen bekamen den Namen also wohl durch Vermittlung anatolischer Sprachen, die zwischen stimmhaften und stimmlosen Konsonanten nicht unterschieden.

      • Oder: Herodots Kamele waren Trampeltiere, die wohl auch den Semiten nur durch reisende Händler bekannt waren. Dann sollte man doch annehmen, dass aind. क्रमेल kramēla der Ursprungsform am nächsten ist.
        Auch im Anatolischen fehlt anlautendes kr-.
        Das griech. k- wäre also übers Anatolische aus dem Aind. übernommen.

      • Wikipedia: Domestizierung

        Verbreitung also des Dromedars mit der arab. Expansion, des Trampeltiers durch Steppenvölker  (Skythen?) oder asiatische  Händler.

        • Kamel – Wiktionary

          • Aserbaidschanisch: dəvə

          • Kirgisisch: төө töö 

          • Kroatisch: deva

          • Slowakisch: ťava

          • Türkisch: deve

          • Uigurisch: تۆگە töge

          • Ungarisch: teve

          • Usbekisch: tuya

        • andere

          • chin. tuó, klass. lhāj, später dhā

          • altai. *t`ĭbŋe 'Kamel, Elch' = ural. *tewä 'Elch, Rentier'
            // lat.
            dama 'Damhirsch'?

            • Die heutigen Steppenvölker haben ein anderes Wort.

              • Die Tocharer waren Nachkommen der idg. Steppenbewohner, also zu toch. A śemäl 'Vieh, Kleinvieh'

          • Das arische Wort ist aind. उष्ट्र uṣṭrá 'Büffel, Kamel', awest. uštra Kamel'

            • kaum zu 'feucht' 172

            • zum Benennungsmotiv vgl. das anders gebildete aind. उस्र usrá 'morgendlich, hell, Strahl, Stier, Morgenröte, Kuh, Milch'

        • eine zentralasiatische Entsprechung von क्रमेल kramēla lässt sich nicht erkennen.

      • also eine Neubildung zu aind. क्रम् kram 'schreiten, gehen nach'?

        • vgl.

          • Ross < *cr̥sos 'Renner, Pferd, Wagen'

          • lat. equus < idg. *ẖéčos 'Pferd' < japhet. *ẖeč- 'laufen, Pferd...'

          • griech. *δρομάδες καμήλοι dromádes kamḗloi 'schnell laufende Kamele' 1,667 > splat. dromedāria 'Kamel' 1,2296nhd. Trampeltier

          • griech. 284 πρόβατον próbaton 'Vieh, Schaf' < προβαίνειν pro-baínein 'vorwärtsgehen' = 'bewegliche Habe'

            • :: κειμήλιον keimḗlion 'liegendes Gut' (137)

            • toch. A śemäl 'Vieh, Kleinvieh' #

              zu aind. शम् śam 'sich mühen, zurichten, bereiten', शम śáma 'zahm, arbeitsam'?

Klärung

  • 'Lasttier /Jungtier' < arab. حمل ḥamal 'Lamm' < حمل ḥamala 'tragen', auch 'schwanger werden'

    • Wenn die Beziehung zu hbr. עמל ʕámôl 'sich abmühen' richtig ist, wäre das Kamel als Last-, Arbeitstier benannt.

    • ḥ und ʕ sind austauschbar 209, aber nicht mit g 123 -

      • es sei denn, man versteht g als ġ, wie die arabische Buchstabenfolge ğ ج, ḥ ح, ḫ خ nahelegt.

      • unwahrscheinlich

  • 'hornloses Tier' wie russ. комолый kɑmólyj 'hornlos'

    • Griech. κάμηλος kámēlos lässt von daher sich problemlos als idg. verstehen.

      • Es ist aber kaum vorstellbar, dass das Kamel von Indogermanen benannt wurde und die Semiten den Namen übernommen hätten,

      • allenfalls Übertragung der fremden Bedeutung auf ein ähnliches einheimisches Wort.

  • durch anatolische Vermittlung

    • < sem. gamalu

      • naheliegend, da das Kamel erst spät in Europa bekannt wurde und nie allgemein genutzt wurde:

        • kein Bedarf, da die Europäer mit Wagen und Schiffen transportierten.

      • k- statt g- kann sein

        • innersemitische stellungsbedingte Variante

        • anatolische Vermittlung

        • genauere Wiedergabe des hbr. "harten" גּ [g] :: "weichen" ג [ʒ?] :: arab. nachgeriebenen ğ [dʒ].

          • unwahrscheinlich

    • < aind. क्रमेल kramēla *Läufer* > sem. gamalu

    • < Steppenvolk, wie toch. A śemäl 'Vieh, Kleinvieh'

      • wenn = dt. Hammel, dann nicht 'Trag-, Arbeitstier', eher 'zahmes Tier', vgl. dama 'Damhirsch'

      • Das Tocharische hat wie das Anatolische keine Media, ś = d, k, ǩ, ğ, ƺ:

        • tochalex (1997)

          • śäk 'zehn' = decem (ś = ts)

          • śärme 'Sommerhitze' = ğʰermós # 'warm'

          • śew- 'gähnen' = ƺʰëḫ # 'weit offenstehen'

          • śār 'lieblich = carus

          • śo- 'leben' = ğy # 'leben'

          • śpāl 'Kopf' = κεφαλή kepʰalḗ 'Kopf'

          • śtwar 'vier' = quattuor

        • sem. gamalu < *ğëm- # 'gehen, kommen' > aind. गम् gam 'gehen, kommen / toch. *śem

          • aber ğā # = hbr. בוא ʔ 'kommen' = griech. βαίνειν baínein 'kommen'

          • Śemäl 'Kleinvieh' kann also die Entsprechung von gamalu 'Kamel' sein.

          • Griech. κάμηλος kámēlos < ägäisch < skythisch > tocharisch

          • Nachfolgesprachen des Skythischen wie alanisch und ossetisch unterscheiden Tenues und Media, also, wie vermutet, ägäische Vermittlung.

          • kramēla *Läufer* ist Anpassung an den ind. Sprachgebrauch

  • Bedenken:

    • Lexikon :: bibelwissenschaft.de: Die dargestellten antiken Bilder zeigen für Vorderasien einschließlich Assyrien eindeutig Dromedare.

      • Das sem. Wort kann also nicht aus der eurasischen Steppe stammen, zumal dort ein anderes Wort gebräuchlich ist.

      • Das Trampeltier lebt heute in der eurasischen Steppe, den iranischen Ländern und der Türkei (vielleicht während der Perserherrschaft verbreitet).

    • dann doch besser als 'hornloses Tier' zu Hammel.

      • Dazu passt auch sem. gamalu mit ähnlichen Vokabeln für 'stutzen'

Erklärung

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Aktuell: 10.02.2019