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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Etymologie

Museum

'Ort, an dem Sammlungen aufbewahrt und ausgestellt werden'

Email:

 

 

  • griech.

    • ion., att.Μοῦσα Moûsa, lesb. Μοῖσα Moîsa, dor. Μῶσα Môsa 'Muse, eine der (später neun) Göttinnen der Kultur'

      • griech. μουσεῖος mouseîos, μοισαῖος moisaîos 'die Musen betreffend'

        • > lat. mūsēus, mūsaeus 'die Musen betreffend'

          • lat. opus mūsēum, -īum, -īvum 'künstlerische Arbeit' spez. 'Ausschmückung von Musengrotten'

            • > griech. μουσεῖον mouseîon 'Mosaik'

              • > lat. musaicum, mosaicum opus 'Mosaik'

                • it. mosaico 'Mosaik'

                  • > dt. seit 1572 (Adj.) mosaisch

                  • > frz. mosaïque 'Mosaik'

                    • > dt. 19" Mosaik 'Bild aus Steinchen'

        • griech. μουσεῖον mouseîon 'Sitz der Musen (Beiname Athens als "Musentempel Griechenlands"); Name eines Hügels in Athen; Ort am Fuß des Olymps; Ort, an dem Kunst und Wissenschaft gepflegt werden'

          • > lat. klass. mūsīum, mūsēum 'Musensitz, Ort für gelehrte Beschäftigung, Bibliothek, Akademie'

            • lat. neu museum 15" 'Studierzimmer', 16" 'Ausstellungsort', 17" auch Titel von Zeitschriften und Sammelwerken

      • griech. μουσικός mousikós 'Musen betreffend, musisch; musikalisch, Musiker'

        • μουσικὴ τέχνη musikḕ tékʰnē 'Musenkunst, Bildung, speziell die Tonkunst'

          • > lat. (ars) mūsica 'Musenkunst' (klass. mehr Literatur als Musik)

            • > ahd. musica, mhd. mūseke, mūsic, fnhd. Music, shess. ['mu(:)sik], nhd. seit 16" [mu'zik] 'Tonkunst'

Herkunft:

Erst in der römischen Kaiserzeit wurden die neun Musen bestimmten Künsten zugeordnet, [1] das braucht uns hier nicht zu interessieren.

Bei Homer ist noch keine Anzahl zu erkennen. Bei Hesiod [2] sind es neun, die auch namentlich aufgezählt werden. Man hat auch andere Zahlen genannt. Das ist hier auch nicht wichtig.

Wichtiger ist, dass Hesiod [3] die Musen als Töchter der Μνημοσύνη Mnēmosýnē bezeichnet. Das Wort bedeutet 'Gedächtnis' als 'Erinnerungsvermögen, Rückblick und verbale Erwähnung, Erzählung. Ruhm'. Ursprüngliche Aufgabe von Dichtung und Musik war die Erinnerung an Vergangenes und nicht die Unterhaltung.

 

Grammatisch könnte griech. μοῦσα moûsa ein Partizip Präs. akt. fem. sein.

  • Eine Ableitung von griech. μῶσθαι môstʰai 'streben, trachten, begehren, zu tun gedenken, suchen, versuchen, auf etwas losrennen, eilen' kommt aus semantischen Gründen nicht in Frage.

  • Eine Ableitung von *mën- 'geistig erregt sein' liegt semantisch näher, ist aber formal schwierig.

  • Zum adam. Wasserwort *ma-
    In der Antike wurden die Musen mit Quellen in Verbindung gebracht und mit den Nymphen identifiziert. [4] Dies ist wohl eine jüngere Entwicklung. Die Quelle wird aber auch bei den Germanen als Ursprung der Weisheit angesehen: Odin musste ein Auge opfern, damit er aus der Quelle der Weisheit trinken durfte. Vgl. den modernen Sprachgebrauch von Quelle 'ältere Literatur, aus der man sein Wissen schöpft'

    • adam. *ʍa- > *ma- 'Wasser'

      • japhet. *mëu- 'feucht, schmutzig / waschen'

        • abulg. мъти mýti 'waschen, spülen'

        • Das Partizip *mëu-nt-ja 'die Waschende' hätte griech. μοῦσα moûsa ergeben.

 

Schrift: ARIAL UNICODE MS

Sonderzeichen

Abkürzungen

 

[1b] Pauly 3,1477

[2] Theogonie 76ff

[3] Theogonie 54f

[4] Pauly 3,1478

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Übersicht

Systematik

 

 

 

Datum: 2005

Aktuell: 10.02.2019