Diskussion Vulkan

Version 2010:

Nachbau einer steinzeitlichen Bohrmaschine

 
  • noach. *жëʁ- > *čeʁ-, leniert *ʊëʁ- 'drehen, biegen, winden, wälzen'

    • japhet. *ʊël- 'drehen, winden, wälzen'

      • japhet. *ʊël-ʊ- 'wälzen, rollen, drehen'

        • lat. volvĕre 'wälzen, rollen, drehen'

        • vgerm. *ʊolus > germ. *walus 'Rundholz'

          • anord. vǫlr 'Stab'

            • anord. vọlva 'die mit dem Stab: Schamanin'

              • liv. vl 'Hexe'

        • germ. *walwjan 'wälzen, rollen, drehen'

          • germ. Partizip *walwanðaż 'drehend', Name eines mythischen Schmiedes

            • anord. Vǫlundr PN > 'kunstfertiger Handwerker, Meisterschmied'

              > abweichende Namensformen

              • aengl. Wéland > engl. Wayland

                • > deutsch Wieland

      • japhet. *ʊël-ɢ- 'wälzen, rollen, drehen'

        • v-ital. *~Vl̟kānós > lat. Volganus, Volc(h)ānus, Vulcānus 'Schmiede- und Feuergott' = griech. Ἥφαιστος Hḗpʰaistos
          Die Werkstatt dieses Gottes dachte man sich auf den vulkanischen Liparischen Inseln, daher:

          • lat. Insulae Vulcani 'Inseln des Schmiedegottes'

            Eine von ihnen heißt heute

            • it. Vulcano

              • > appellativisch 'Feuerberg

                • arab. بركان burkân 'Vulkan'

                • nhd. 1650 Vulcanus, 17" Vulkan 'Feuerberg'

        • germ. *welkan 'wälzen, rollen'

 

Schrift: ARIAL UNICODE MS

Sonderzeichen

Abkürzungen

Die steinzeitlichen Werkzeugmacher arbeiteten nicht mit Feuer, sondern schlugen Steine zurecht. In der Jungsteinzeit fertigte man durchbohrte Äxte an. Darauf könnte die Bezeichnung 'Dreher' anspielen: Der Handwerker drehte den Bohrer.

Selbstverständlich dachten die Römer an einen Eisenschmied mit rauchendem Schmiedefeuer. Die moderne Technik hatte sich auch bei den Göttern durchgesetzt.

Diskussion

  • Ich ging von der interpretatio Graeca "Vulcanus = Hephaistos" aus und verglich den antiken Schmiedegott mit dem germanischen Wieland. Dabei hatte ich nicht berücksichtigt, dass der italische Gott ursprünglich  vielleicht einen anderen Charakter hatte. Nun kommt als neuer Gesichtspunkt der kretische Welkʰános dazu, dessen Name an die etr. Velkʰans erinnert.

  • Lassen sich lat. Volganus, Volc(h)anus, [Pauly (1975/9) 5,1319], Vulcanus, etr. Velkʰans und kret. Welkʰános miteinander vereinbaren?

    • lat. c = etr. c, kʰ repräsentiert das behauchte k (wie im Deutschen).

    • griech. χ = kʰ das behauchte japhet. gʰ, dem lat g / h entspricht, in seltenen Fällen auch idg. kʰ.

    Grundform, wenn idg., also *Ʊëlgʰános = etr., kret. *Ʊelkʰános, lat. *Ʊl̟k(h)ános.

    • Die Aussprache ließe sich erklären, wenn der it. Name < Griech.

    • Eher ist aber von einer undifferenzierten vidg. Namensform auszugehen.

  • Welchen Charakter hatte dieser Gott?

    • Velkʰans

      • hatte eine Partnerin Lvsa silvestris (Margarita Gleba, Hilary Becker: Votives, Places and Rituals in Etruscan Religion 220, Web).

      • wird mit dem etr. Monatsnamen vel(c)itna = März in Verbindung gebracht.

    • Vulcanus

      • Pauly (1975/9) 5,1319: Fischopfer, Blitzprodigien, lectisternium mit Vesta, sonst Partner der Maia / Maiestas, Beziehungen zum Feier bei Waffenverbrennungen, metonymisch für 'Feuer'. von Juno de femore geboren, = Mulciber ('Besänftiger' der Feuersbrunst, Walde [1910] 499)

    • Ϝελχάνος Welkʰános

      • ein kretischer Gott, mit Zeus identifiziert, auf einer Weide sitzend mit einem Hahn

        • Welkʰános = Zeus entspricht der spätantiken Bemühung, in kleineren oder lokalen Gottheiten die Erscheinungsform einer größeren zu erkennen. Die Notiz Hesychs beweist nicht, dass Welkʰános der kretische Obergott war, sondern besagt nur, dass man in ihm eine Erscheinungsform von Zeus gesehen hat.

        • Tatsächlich scheint er nur in Lyktos verehrt worden zu sein, war also ein Lokalgott.

        • Die Weide könnte darauf hinweisen, dass Welkʰános mit einer Baumnymphe liiert war oder selbst ein Baumgott war. Auch Baal wird mit einem Baum abgebildet, den er in der Hand hält (als Vegetationsgott?).

        • Weide und Hahn sind Erkennungszeichen wie der Schlüssel des Petrus oder das Schwert des Paulus, entnommen aus der Legende oder dem Kult, beides nicht mehr bekannt.

        Vom etruskischen und kretischen Gott wissen wir kaum mehr als den Namen. Der altrömische ist durch seine Identifikation mit Hephaistos kaum zu rekonstruieren.

  • Namensdeutung:

    • zu japhet. *ʊël-ɢ- 'wälzen, rollen, drehen' wie oben

      • zu der Sonderbedeutung 'Weide'

        • Dann wäre Welkʰános = griech. *Helikênos 'Weidengott' zu ἑλίκη helíkē 'Weidenbaum'

        oder nach obigen Theorie: 'der Dreher', mit Rücksicht auf den Charakter der alten Götter aber eher der Feuerbohrer als der Steinbohrer.

    • zu aslaw. велии velii, беликъ velikŭ 'groß', toch. A wäl, B walo 'König, wältws 'tausend', griech. Ϝάλις walis 'genug' SaAi (1959/89)149, 328

      • Pokorny [1959/2002] 1138 zu 1. u̯el- 'drängen, pressen, zusammendrängen, einschließen'

    • zu Wolke

      • TH 08.08.2017 Wolke lässt sich verstehen auch als Dampf oder Rauch.

        • Die Alten erklärten den Vulkanismus im Ätna entweder durch den darunter begrabenen Feuer- und Sturmdämon Typhon oder weil im Berg die Werkstatt des Schmiedegottes Hephaistos = Vulcanus war.

        • Vulcanus, Volganus lässt sich leicht als = ahd. wolkan 'Regenwolke' erklären, dann müsste man aber eine Entwicklung 'feucht > Regenwolke > Gewitterwolke > Rauchwolke annehmen,

          • und das ist kaum plausibel.

          • Aber: die biblische Wolken- und Feuersäule (Rauchwolke!)

    • zu aind. वर्चस् várcas 'Kraft, Feuer, Glanz, Licht, Farbe, Kot, Mist', das offensichtliche zu वर्ण várṇa 'Äußeres, Farbe (auch zum Malen)...' gehört

      • von Pokorny [1959/2002] 1161 Farbe als 'Decke' verstanden, zweifelhaft, eher zu 1. u̯el- 'Aussehen' (P1137)

        • unsicher ob r oder l. 1. u̯el 'Aussehen' meist mit Dental-Erweiterung

Erklärung

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Heinrich Tischner

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Aktuell: 10.02.2019