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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Etymologie

catta, -us

lat. 'Katze, Kater'

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Catta, -us

Martial

Palladius

Isidor

Folgerungen

fēlēs und catta

Varro

Cicero

Phaedrus

Plinius Secundus

Sextus Placidus

Euagrius

Zusammenfassung

 

Quellen

Catta, -us

Martial, Epigrammm 13,69 (84 n. Chr.)

Pannonicas nobis numquam dedit Vmbria cattas: mavult haec domino mittere dona Pudens. = Umbria hat mir nie pannonische cattas gegeben. Pudens macht damit dem Herrn ein Geschenk.

Martial listet in diesem Buch Geschenke mit einem kurzen Spruch auf. Umbria und Pudens sind Personennamen.  Er betont den Wert des Geschenks des Pudens, weil Umbria dem Dichter nie so etwas geschenkt hat.

Pannonische cattae werden damit als etwas besonders Ausgesuchtes, Seltenes dargestellt.

Palladius, Opus agriculturae 4,9,4 (3")

Contra talpas prodest cattos frequenter habere in mediis carduetis. Mustelas habent plerique mansuetas. Gegen Maulwürfe hilft, wenn man immer wieder catti mitten im Artischockenfeld hält. Viele haben zahme Wiesel.

Catti und zahme Wiesel (Frettchen) werden zur Bekämpfung von Schädlingen, hier Maulwürfen, eingesetzt.

 

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Isidor, Etymologiae 12,2 (um 600)

36 Enhydros bestiola ex eo nuncupata, quod in aquis versetur, et maxime in Nilo. Quae si invenerit dormientem corcodilum, volutat se in luto primum, et intrat per os eius in ventrem, et carpens omnia intranea eius, sic moritur. 37 Ichneumon Graece vocatus, eo quod odore suo et salubria ciborum et venenosa produntur. De quo Dracontius ait (Laud. 1, 515): Praecidit suillus vim cuiuscumque veneni. Suillus autem a saetis est nuncupatus. Hic etiam serpentes insequitur; qui, cum adversus aspidem pugnat, caudam erigit, quam aspis maxime incipit observare quasi minantem; ad quam cum vim suam transfert, decepta corripitur. 38 Musio appellatus, quod muribus infestus sit. Hunc vulgus cattum a captura vocant. Alii dicunt, quod cattat, id est videt. Nam tanto acute cernit ut fulgore luminis noctis tenebras superet. Unde a Graeco venit catus, id est ingeniosus, ἀπὸ τοῦ καίεσθαι. 39 Furo a furvo dictus; unde et fur. Tenebrosos enim et occultos cuniculos effodit, et eicit praedam quam invenerit. = Das Wassertierchen hat seinen Namen daher, dass es sich im Wasser aufhält, meist im Nil. Wenn es ein schlafendes Krokodil findet, wälzt es sich zuerst im Schlamm und dringt durch das Maul in den Bauch ein und frisst alle Innereien. So muss das Krokodil sterben. Es heißt auf Griechisch Ichneumon, 'Spürer', weil ies durch seinen Geruchssinn erkennt, was an der Nahrung gesund und was giftig ist. Von ihm sagt Dracontius: "Das Schweinchen bricht die Kraft jerglichesn Giftes." Es heißt aber Schweinchen wegen seiner Borsten. Es verfolgt auch Schlangen. Wernn es gegen eine Viper kämpft, hebt es den Schwanz hoch. Den behält die Viper konzentriert im Auge, weil sie glaubt, er würde sie bedrohen. Sobald sie sich mit voller Kraft auf ihn stürzt, wird sie betrogen zuschanden. Musio  heißt 'Mausfänger', weil er den Mäusen verderblich ist. Das Volk nennt ihn cattus nach der captura 'Fang'. Andere sagen, weil es "kattet", d.h. sieht. Seine Wahrnehmung ist so scharf, wie wenn durch einen Lichtstrahl die Dunkelheit überwunden wird. Catus kommt nämlich aus dem Griechischen und bedeutet 'scharfsinnig', nach dem Wort kaiesthai 'brennen'. Furo 'Stehler' kommt von furvus 'dunkel', daher auch fur 'Dieb'. Es gräbt nämlich die im Dunkeln lebenden und verborgenen Kaninchen aus und bringt die als Beute heraus, die es findet.

Isidor verbindet die Sage vom "Wassertierchen" mit dem Ichneumon, das er mit dem "Schweinchen" bei Dracontius identifiziert. Dann kommt er auf den "Mäusefänger" zu sprechen, für den er das westgotische Wort musio gebraucht und den die romanische Bevölkerung cattus nennt. Und schließlich berichtet er von furo, den man für die Kaninchenjagd einsetzt.

Formal beginnt zwar mit musio und furo ein neuer Abschnitt, der jeweils eingeleitet wird mit "NN trägt seinen Namen, weil..." Alle Aussagen treffen aber auch für das Ichneumon zu, das auch auf der iberischen Halbinsel, der Heimat Isidors lebt. Das Ichneumon gräbt auch Höhlen für seine Jungen, könnte also auch Kaninchen ausgraben. Das Frettchen dagegen dringt in den Kaninchenbau ein und jagt die Tiere hinaus.

Musio und furo kommen nur an dieser Stelle vor. Furo findet aber seine Fortsetzung in romanischen Wörtern, die 'Wiesel' bedeuten.

   

 

 

 

 

 

cattare ist roman. Form von captare 'fangen'; 'sehen'= begreifen, wahrnehmen, geistig erfassen

 

 

 

Musio ist von germ. mûs 'Maus' gebildet wie got. fiskja 'Fischer von fisks 'Fisch'. Die lateinische Form müsste murio lauten. Das Wort wid daher westgotisch sein. Es könnte neu gebildet worden sein für ein Tier, das die Goten erst in Hispanien kennenlernten.

   

Folgerungen

  • Catta war schon im 0" n. Chr. bekannt und galt als eine seltene Kostbarkeit und pannonische Spezialität.

  • Palladius unterscheidet catti und Frettchen, die beide bei der Maulwurfjagd eingesetzt werden.

  • Musio ist nach Isidor der westgotische Name des volkstümlichen, d.h. romanischen cattus. Ob man damit das Ichneumon oder die Katze gemeint ist, lässt sich nicht eindeutig sagen.
   
   

Lat. fēlēs und catta

Varro (116-27 v. Chr.), rerum rusticarum de agricultura 3,11,2

Anweisungen für die Entenhaltung. Man soll für sie in einem umzäunten Pferch mit Teich und Entenhäusern anlegen. Omnes parietes tectorio levigantur, ne faeles aliave quae bestia introire ad nocendum possit = Alle Wände soll man man mit einem glatten Putz versehen, damit keine faeles oder andere Tiere eindringen und Schaden anrichten können.

Faeles ist nicht die Katze, sondern ein Raubtier, der Marder.

Cicero (106-43 v. Chr.), Tusculanae diputationes 5,78

aut aspidem aut faelem aut canem aut corcodillum violenti = Viper oder faeles oder Hund oder reißendes Krokodil

Faeles wird zusammen mit anderen gefährlichen Tieren genannt, ist also kaum die Hauskatze.

Phaedrus (ca. 20-50 n. Chr.), Fabeln 2,4

Aquila, feles et aper = Adler, feles und Wildschwein wohnen auf bzw. unter demselben Baum, feles in einer Baumhöhle. Das Tier macht Adler und Wildschwein Angst, so dass sie sich verstecken, verhungern und von feles gefressen werden.

Die Angaben für feles passen auf Marder und Wildkatze.

Plinius Secundus (23-29) Naturalis Historia 6,178

Radata, in quo felis aurea pro deo colebatur = Raddata, wo man eine goldne feles als Gott verehrte.

Hier sollte man an die Hauskatze denken.

Sextus Placidus de medicina 18

De catta seu fele = über die Katze (catta = feles)

Euagrius Historia Ecclesiastica 6,23 (593/600)

Αἴλουρον ἤν κάτταν ἡ συνήθεια λέγει Aílouron, hḕn káttan hē synḗtʰeia légei = Katze, welche die man gewöhnlich kátta nennt.

Zusammenfassung

In den ältesten Belegen ist der Marder oder die Wildkatze gemeint. Erst Plinius scheint von der Hauskatze zu reden.

Etwa zur selben Zeit erscheint das fremde cattus zur Bezeichnung eines exotischen Tieres. Noch bei Isidor um 600 ist offen, ob bei cattus an die Hauskatze oder an das Ichneumon zu denken ist.

Spätestens in dieser Zeit werden lat. feles und griech. αἴλουρος aílouros mit cattus, -a gleichgesetzt.

   

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Übersicht

Systematik

 

Etymologie

biologische Angaben über das Ichneumon bei:
Otto Fehringer, Welt der Säugetriere S (1953)

 

Datum: 2007

Aktuell: 10.02.2019