Diskussion silva / sylva

Befund

Theorien

  • Frances E. Lord, The Roman Pronunciation of Latin S. 5

    • [Serg. Explan. Art. Donat. Keil. v. II. p. 475.]

      • Hae etiam duae i et u . . . interdum expressum suum sonum non habent: i, ut vir; u, ut optumus. Non enim possumus dicere vir producta i, nec optumus producta u; unde etiam mediae dicuntur. ... In quibusdam nominibus non certum exprimunt sonum; i, ut vir modo i opprimitur; u ut optumus modo u perdit sonum. 
        = I und u haben mitunter keinen deutlichen Klang. Denn wir können nicht vir 'Mann' sagen mit deutlichem i und optumus 'bester' mit deutlichem u, daher werden sie auch Zwischenlaute genannt... In einigen Wörtern spricht man einen Laut nicht einheitlich aus, bald wird das i unterdrückt, wie in vir, bald verliert das u seinen Klang wie in optumus.

    • Priscianus (um 500 n. Chr.) [Keil. v. II. p. 465.]

      • Similiter vitium mutat sonum, quia corripitur; vita autem non mutat, quia producitur. Similiter vim mutat quia corripitur, vimen autem non mutat quia producitur. Similiter vir et virgo mutant, quia corripiuntur: virus autem et vires non mutant, quia producuntur. Vix mutant, quia corripitur: vixi non mutant, quia producitur.
        = Ähnlich ändert i in vitium seinen Klang, weil es kurz ist, vimen aber nicht, weil es lang ist, Ähnlich ändern vir und virgo, da kurz, vires nicht, da lang, vix, da kurz, vixi nicht, da lang.

Diskussion

  • In der unbetonten Mittelsilbe von optimus / optumus wurde offensichtlich ein Murmelvokal gesprochen, nach Lord [ɜ] wie in engl. firm, virgine.

  • Bei Priscianus geht es um Wörter, die mit vi- anfangen und auf dem i betont werden. Da wird beim kurzen i ein Zwischenlaut gesprochen, beim langen nicht.

  • Der Zwischenlaut wäre also mit gerundeten Lippen wie u und mit gehobener Zunge wie i gesprochen worden. Der Vergleich mit engl. firm, virgine lag für Lord nahe, wir würden eher an einen ü-Laut denken.

  • Bei den von Priscianus aufgeführten Wörtern mit vi- handelt es sich nicht um reduzierte Murmelvokale, sondern um Labial-Umlaut wie in finf > fünf. Dafür waren nur die kurzen Vokale anfällig, die langen konnten widerstehen.

  • Die neuzeitliche Schreibung sylva ist damit noch nicht erklärt.

    • Im Romanischen ist lat sĭ- > se- geworden: it., kat. span., port. selva, afrz. seuve. Meyer-lübke 7920 Da ist kein gerundeter Vokal vorausgesetzt, sondern ein mit weniger Sorgfalt, mit gesenkter Zunge gesprochener.

      • Aber mit Murmelvokal in unbetonter Silbe: Silvanus 'Waldgeist' > lombardisch salvan 'Albdrücken', ladinisch 'gespenstisches Wesen'; silvaticus 'wild' > rum. sălbatic, frz. sauvage, prov. salvatge Meyer-lübke 7921f

    • Im Deutschen unterscheidet

      • Stieler (1691/ 1968) 3,13f nur zwischen in und j, nicht zwischen unterschiedlichen Artikulationen des "Stimmers". 16: Y wird wie i gesprochen.

      • Duden 6,30 zwischen [i] und dem dumpferen [ı], das zwischen [i], [e] und [ɘ] steht.

Erklärung

  • Sylva deutet also wohl die die gesenkte Aussprache von i an, nicht eine gerundete.

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Heinrich Tischner

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Aktuell: 10.02.2019