|
1. ss / ß
2. Drei Buchstaben
3. Stammerhaltung bei englischen
Wörtern
4. Umlaut von a = ä
5. Groß- und Kleinschreibung
6. Zusammen.- und
Getrenntschreibung
7. Änderung der Aussprache
8. Trennung von ck
9. Vergessene Reformpunkte
10. Gemäßigte Kleinschreibung
11. Dehnzeichen |
|
Die Rechtschreibreform hat wenig Gegenliebe
gefunden. Die neuen Regeln sind zum Teil nicht einfacher und auch
nicht konsequenter als bisher und schaffen nur Verwirrung bei geübten
Schreibern. Manche Regeln lassen sich nicht sinnvoll anwenden. Die
Änderungen bei einzelnen Wörtern ist willkürlich und
sprachwissenschaftlich fragwürdig. Einiges ist aber auch besser als
vorher.
Eine wirklich übersichtliche und folgerichtige deutsche Orthographie lässt
sich nicht durchführen. Das sollten alle Kritiker bedenken. Bei einer
radikalen Reform müssten alle neu schreiben und lesen lernen.
Die Anhänger der alten Rechtschreibung sollten aber auch bedenken, dass
auch die bisherigen Regeln unbefriedigend waren und eine gründliche und
durchdachte Reform schon seit über 100 Jahren, schon vor Konrad Duden
überfällig ist.
Die alte wie die neue Orthographie waren das Ergebnis politischer
Kompromisse. Besser wäre gewesen, einen erfahrenen Deutschlehrer zu
beauftragen, ein neues Rechtschreibewörterbuch und Regelwerk
auszuarbeiten, das wirklich aus einem Guss ist und kein Flickwerk wie
bisher.
Was ist gut und was ist schlecht an den den neuen Regeln?
Die neue ss- /
ß-Regelung handhabe ich genau so schon seit 1989, bin selbst darauf
gekommen und finde sie konsequent und einsichtig.
Obwohl ich mich frage,
warum wir überhaupt noch ein <ß> brauchen. Dieser Buchstabe ist mindestens
in Südhessen seit etwa 1300 ständig mit /s/ verwechselt worden, wurde also
auch gleich gesprochen. Das "scharfe" und "weiche s" sind doch nur noch
stellungsbedingte Aussprachevarianten wie bei den beiden "ch". Wir könnten
also gut auf "ß" verzichten. Die Schweizer können es ja auch.
Die neue
Drei-Buchstaben-Regelung (Schifffahrt) ist zwar konsequenter als
die alte, aber unpraktisch. Ich muss jedes Mal zählen, damit ich nicht zu
viel oder zu wenig tippe. Aber wozu dann die Ausnahmen dennoch,
Drittel, Mittag?
Der Versuch, das
deutsche Stammerhaltungsprinzip auch bei englischen Wörtern anzuwenden (Tipp,
da tippen), ist ebenfalls nicht konsequent durchgehalten. Warum
dann Bus (trotz Busse)? An den alten Ausnahmen aus /
außen, -nis / -nisse, -in / -innen wurde auch nicht
gerüttelt. Wahrscheinlich hat keiner dran gedacht.
Die neue Regelung
"Umlaut von a = ä" lässt sich überhaupt nicht durchführen, weil davon etwa
die Hälfte aller deutschen betonten "e" betroffen wäre. So aber bleiben
Gämse, Stängel, aufwändig = aufwendig usw. willkürliche
Einzelfälle. Was der Gämse (da Gams) recht ist, müsste dem
Männschen (da Mann) und den Ältern (da alt)
billig sein.
Die neuen Regeln für
Groß- und Kleinschreibung und Zusammen- und Getrenntschreibung sind
anders, aber nicht besser, und verwirren nur einen geübten Schreiber.
Ja, es entstehen sogar
neue Probleme: Rad fahren und Auto fahren sind jetzt endlich
auch orthographisch gleichberechtigt. Aber was geschieht, wenn ich diese
Wendungen substantiviere? Das Rad fahren ist sicher falsch. Das
Rad Fahren sieht komisch aus. "Die neue Rechtschreibung" von
Bertelsmann schweigt sich darüber aus. Den "Duden" hab ich nicht gekauft,
weil Bertelsmann schneller war.
Nach meinem
Sprachgefühl hat Zusammen- und Getrenntschreibung auch etwas mit der
Betonung zu tun. Bei kennenlernen liegt der Ton auf kennen,
bei kennen lernen auf lernen. Kennenlernen nach der
alten Schreibung bedeutet anfangen zu kennen, kennen lernen
könnte bedeuten lernen, wie man etwas kennt, erkennt, kennenlernt. Mir
fallen jetzt keine Beispiele ein, aber es gibt Wörter, da ist tatsächlich
ein Bedeutungsunterschied, je nachdem, wie man betont.
Die neue
Rechtschreibung könnte auch die Aussprache verändern, da wir ja sprechen,
wie wir schreiben. Wird man in 20 Jahren tatsächlich selbst-ständig,
kennen lérnen, Gämse (mit "ä") sagen?
Die alte Trennregel
bak-ken, aber Kat-ze habe ich nie verstanden. Die neue Trennung
ba-cken verstehe ich noch weniger. Warum denn nicht bac-ken?
Das wäre für den automatischen Schriftsatz viel einfacher.
Ein paar heilige Kühe
sind schon durch die Reform vor 100 Jahren geschlüpft und laufen immer
noch unangetastet herum:
a) zum "ß" habe ich
mich oben schon geäußert.
b) warum Boot,
aber Bötchen?
c) warum Fass,
aber Vater? Da hat es schon zu Beginn der Neuzeit nicht mit der
Umstellung von mittelhochdeutsch "v > f" funktioniert. Dabei wäre eine
Umstellung wirklich einfach. Nach 2-3 Seiten hat man sich an die neue
Schreibung gewöhnt. Ich habs selbst ausprobiert.
Eine gemäßigte
Kleinschreibung wäre genauso einfach zu lernen und würde eine Menge
Rechtschreibprobleme mit einem Schlag beseitigen. Sie hätte ferner den
Vorteil, dass wir dadurch die Möglichkeit hätten, nach Gutdünken Wörter zu
betonen (sie hat ein Kind / sie hat Ein kind) oder Schwerpunkte im
Satz hervorzuheben. Das war ja wohl auch der Grund, weshalb man angefangen
hat, einige Wörter groß zu schreiben.
An die vielfältigen
Dehnungszeichen traut sich keiner heran. Das war vor 100 Jahren nicht
anders. Da in offener Silbe die Vokale lang, in geschlossener kurz sind,
bräuchten wir gar keine Längenzeichen. |
|
Sie benötigen die Schriftarten
|