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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Südhessisch

Reim

in liebendem Gedenken an meine Urgroßmutter Marie Knippel, Hahn (KnMa)

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Übersicht

Deutung

 

Rekonstruktion:

Ene, dene Bohnenblatt. Unser Kuh hat jetzt satt. Magd hat gemolken sieben Geißen und ne Kuh. Peter, schließ die Türe zu. Wirf den Schlüssel übern Rhein. Morgen soll gut Wetter sein.

Südhessen

  1. Offenbach: Ene dene Bohnebladd, unseʳ Kih sin alle sadd. Pedeʳ hadd gemolke. "Ene dene Bohnenblatt, unsre Kühe sind alle satt, Peter hatte gemolken." ShWb 1,993

    verkürzte Fassung. Melken war nicht Aufgabe von "Peter", sondern einer Frau.

    Das folgende "Tintenblatt" ist eine Kreuzung aus dem ursprünglichen "Bohnenblatt" und dem Reim "Ene, dene Tintenfass, geh in die Schul und lerne was."

  2. Messel: Ene dene Dinteblatt, unsere Küh sind satt; die Mad hat gemolke sieben Geiss und e Kuh. Peter schließ die Tür zu, wirf die Schlüssel übern Rhein, morgen solls gut Wetter sein. "Ene dene Tintenblatt, unsere Kühe sind satt, die Magd hat gemolken sieben Geißen und eine Kuh, Peter schließ die Tür zu, wirf die Schlüssel übern Rhein. Morgen soll's gut Wetter sein. Mannhardt

  3. Hahn bei Pfungstadt: Ēnə, dēnə Dindəblâd. Dī Kʰȳ sáin sâd. Mâğd hȧd gəmolkə, sĭƀə Gāißə undˬə Kʰū. Pʰēdɛʳ / Pʰəttɛʳ, schlīß die Hausdŷʳ zū, wȉʳf də Schlyssəl yƀƀɛʳn Ráin. Mɔʴġə soll schœ̄n Wɛððɛʳ sáin. "Ene, dene, Tintenblatt. Die Kühe sind satt. Magd hat gemolken sieben Geißen und eine Kuh. Peter / Petter (Pate), schließ die Haustür zu. Wirf den Schlüssel übern Rhein. Morgen soll schön Wetter sein." KnMa      

  4. Offenthal, ganz verderbt: Ene dene Dindeblōād, må seun die Kih sōād, må seun se gemolke, siwwe Gāße, å Kuh; Bäcker, schließ die Dēr zu, werf de Schlissel iwwern Rheu, morje soll gūd Werrer seu. "Ene dene Tintenblatt, må sind die Kühe satt, må sind sie gemolken, sieben Geißen, eine Kuh. Bäcker schließ die Tür zu, wirf den Schlüssel übern Rhein, morgen soll gut Wetter sein."  ShWb 1,1532

    ist das unverstandene ğd, wohl als Frage gedacht. Bäcker ist das unverstandene Pʰēttəʳ oder Pʰēðɛʳ.

Rheinland-Pfalz

Diese Versionen haben gemeinsam das Missverständnis, dass jemand etwas gesagt habe, und bei 4-7 das Fehlen der Zeile vom Melken.

  1. Mosel: Ene, dene, B., unser Kuh hot gesat, siwe Gasse (Geissen) un ke Kuh, Pere schliess die Stallder zu! usf.  "Ene dene Bohnenblatt, unsre Kuh hat gesagt, sieben Geißen und keine Kuh, Peter schließ die Stalltür zu." (Rheinisches Wörterbuch)

    Unser Kuh hot gesat ist entstellt aus Unser Kuh hat jetzt satt"

  2. NW-Frankeck: Eene - meene, Bohneblaad, unser Keenich hot gesaat: siewe Gaaße un e Kuh, Perer, schließ de Stall zu, werf de Schlissel iwwer de Rhein, morje soll's gut Werrer sein. "Ene, mene Bohnenblatt, unser König hat gesagt: sieben Geißen und eine Kuh, Peter schließ den Stall zu, wirf den Schlüssel über den Rhein, morgen so gut Wetter sein." Pfalz "Peter"

    Unser Keenich hot gesaat ist enstellt aus unsɛʳ Kʰū hȧd noch nìt sâd.

  3. Hangenweisheim: Ēnə dēnə. bōnəblå̅d, unsər kaisər hod gəså̅d: drai gail ōnə kuh, pērər schlīß dī šdalldę̄r dsū, węrf də šlisəl iwər də rãi, morjə soll šẽ̅ węrər sái. "Ene dene Bohnenblatt, unser Kaiser hat gesagt: Drei Gäule ohne Kuh. Peter, schließ die Stalltür zu, wirf den Schlüssel übern Rhein. Morgen soll schön Wetter sein." ShWb 1,993

    Da es in der Pfalz keinen König gab, hat man ihn durch "Kaiser" ersetzt.

    "Gail" ist missverstanden aus "Geißen", das im Pfälzischen ißə lautet.

    "Ohne Kuh" ist missverstanden aus "undˬə Kʰū".

    Die beiden folgenden Versionen nennen besser zum Stall passende Personen

  4. Hundheim Ene, dene, Bohneblaat, meine Motter hot gesaat: siewe Gäße un e Kuh, Peter, schließ die Stalldeer zu, werf de Schlissel iwwer de Rhei, morje soll gut Werrer sei. "Ene, dene Bohnenblatt, meine Mutter hat gesagt: Sieben Geißen und eine Kuh, Peter, schließ die Stalltür zu, wirf den Schlüssel über den Rhein, morgen soll gut Wetter sein."  Pfalz "Bohnenblatt"

  5. Homberg: Enne, denne Bohnenblatt / unser Maad hat gesaat, / es Mädche hat gemolke / siewe Geiße un e Kuh, / Peter schließ die Türe(n) zu. "Enne, denne Bohnenblatt, unsre Magd gat gesagt, das Mädchen hat gemolken sieben Geißen und eine Kuh. Peter schließ die Türen zu." Pfalz "melken"

    Eine Mischform: linksrheinisch "hat gesagt" - rechtsrheinisch "hat gemolken". Da die Magd jetzt Sprecherin ist, war erforderlich, dass jemand anderes, das "Mädchen", gemolken hat. "Türe" ist wohl Plural (pfälzisch Dŷrə = hessisch Dŷʳn)

Andere Gegenden:

  1. Adrans, Tirol: Ano duo dorenblatt, unsre Küh sind alle satt, die Geiß und eine Kuh. Trude schlag den Stall zu, wirf den Schlüssel über den Rain, morgen muss ein (gutes) Wetter sein. Mannhardt

    "Dorenblatt" ist entstellt aus "Bohnenblatt". Wie in der Pfalz fehlt auch hier, dass die Magd gemolken hat.

    "Trude" ist wohl die Wetterhexe, entsprechend "St. Peter."

    "Rain" statt "Rhein": Der Fluss ist zu weit entfernt.

In den folgenden Versionen ist von einem "Mädchen", nicht von der Magd die Rede. Ein Zeichen, dass das Gedicht Rheinfränkisch ist. [mɔ:t] wurde nicht als 'Dienerin', sondern als 'junge Frau' verstanden und entsprechend umgesetzt.

Die beiden folgenden Versionen mit dem "Mädchen" sind als Frage formuliert. "Sieben Geiß und eine Kuh" ist als Antwort zu verstehen. Wahrscheinlich missverstanden aus dem artikellosen "Mädchen" und dem nachgestellten Objekt. Normal würde man sagen: "Das Mädchen hat ... gemolken".

  1. Rheinland (überliefert von Simrock 1851): Ene dene Bohneblatt. Unsre Küh sind alle satt. Mädel hast gemolken? Sieben Geiß und eine Kuh. Peter schließ die Tür zu, Wirf den Schlüssel über den Rhein, Morgen solls gut Wetter sein. Mannhardt

  2. Elsass: Äne däne Bohneblatt! ünsri Küh sinn alli satt. Maidel hosch gemolke? Siwwe Gais un e Kueh. Peder schließ de Diehr zue, wirf de Schlissel iwwer de Rhien, morge solls guet Wedder sien! Mannhardt

  3. Thüringen: One tone Wonneblatt, Unsre Küh sind alle satt. Mädchen hat gemolken. Peter schließt die Türe zu, wirft den Schlüssel oben rein. Morgen solls gut Wetter sein. Mannhardt

    "Wonneblatt" ist verhört aus "Bohneblatt"

  4. Hemschlag / Westfalen (anderer Anfang): ... 's Mädchen hat gemolken eine Geiß und eine Kuh. Peter schließ die Tür zu, wirf den Schlüssel über den Rhein, morgen wirds gut Wetter sein. Mannhardt

    Die beiden folgenden Versionen haben gemeinsam:

    "Wie viele Kühe sind noch nicht satt?" aus "Unsre Kuh hat noch nicht satt."

    "St. Peter"

    An Stelle von "werfen" werden gröbere Ausdrücke gebraucht .

  5. Aargau, Rocholz: Ane bane Boneblatt, wie mäng e chue isch nonig satt? Siebe Geiße und e chueh. Sant Peter schloht de stalltür zn, rüert de schlüssel über de Rhi, morn am morge solls schön wetter sî. "Ane bane Bohnenblatt, wie manch eine Kuh ist noch nicht satt? Sieben Geißen und eine Kuh. St. Peter schlägt die Stalltür zu, schleudert den Schlüssel über den Rhein, morgen am früh soll's schön Wetter sein. Mannhardt

    Anmerkung: "Im Aargau wird unser Lied gesungen, wenn während des Regens ein Regenbogen aufkommt." Mannhardt

  6. Berlin: Ene bene Bohnenblatt, wieviel Küh sind noch nicht satt? Sieben Geiß und eine Kuh. Sankt Peter schlägt die Stalltür zu und schmeißt den Schlüssel übern Rhein: Morgen wird schön Wetter sein. Kinderreim-Net

    Wegen "Rhein" und "Geiß" sicher nicht aus Ostdeutschland, sondern eine weitere hessische Variante.

    eine hessische Variante mit "Tintenblatt":

  7. Partenstein / Spessart:  Ehne mehne Tintenblatt, unsere Kühe sind schon satt. Die Magd hat sie gemolken. Sieben Geißen und ein Kuh, Peter schließ die Türe zu. Wirf den Schlüssel in den Main, morgen soll die Hochzeit sein. Geschichtswerkstatt

    Der Schluss ist wohl willkürlich umgedichtet. "Main" entspricht den lokalen Gegebenheiten. "Den Schlüssel in (den Fluss) werfen" stammt aus einer Redensart 'mit etwas nichts mehr zu tun haben wollen'. Dass von einer "Hochzeit" die Rede ist, mag einem aktuellen Anlass entsprungen sein.

 

Times New Roman 5.01

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Aktuell: 06.05.2019