Diskussion Wate

Befund | Theorien | Diskussion | Erklärung

Befund

  • Germ. *Wadja

    • anord. (Wikipedia)

      • Wieland, der in der Thidrekssaga als Velent auftritt, war der Sohn des Meerriesen Vadi (in deutschen Übersetzungen „Wate“) und wurde von diesem erst bei dem berühmten Schmied Mime in die Lehre gegeben... 

      • Da suchte Wadi mit seinem Sohn die Zwerge auf. Als er an den Grönasund kam, fand er keine Fähre, ihn über das Wasser zu setzen, obgleich er lange Zeit dort wartete. Er nahm daher den Knaben, setze ihn auf seine Achsen und watete durch das Wasser. Und so groß war Wadi, daß er nicht versank, obgleich das Wasser neun Ellen tief war. Er kam glücklich ans Ufer und traf die Zwerge...

  • *Wada(n)

    • mhd. Wate (Kudrun 357)

      • Wate, gewöhnlich mit dem Beinamen der alde, auch der wise,
        was beinahe dasselbe bedeutet (471, 4. 570, 2. 1131, 2. 1146, 1),
        Horant's Oheim, Herr in Stürmen, womit ihn König Hetel belehnt hat..

    • aengl. Wada (Widsith 20)

      • Casere weold Creacum ond Cælic Finnum, Hagena Holmrygum ond Heoden Glommum. Witta weold Swæfum, Wada Hælsingum, Meaca Myrgingum, Mearchealf Hundingum. þeodric weold Froncum, þyle Rondingum,

      • =  Caesar ruled the Greeks and Caelic the Finns, Hagena the Rugians and Heoden the Gloms. Witta ruled the Suebi, Wada the Hälsings, Meaca the Myrgings, Mearchealf the Hundings. Theuderic ruled the Franks, Thyle the Rondings

  • Barbara Dufek, ZEITLOS – Motivik und Struktur der „Kudrun“ und ausgewählter Märchen im Vergleich (2010)

    • Der Widisith

      • 41 Der „Weitfahrer“ ist der Verfasser eines angelsächsischen Merkgedichtes aus dem 8. Jahrhundert, in dem er „[…] Herrscher und deren Völker aus der Zeit des 4.-6. Jhs [aufzählt], was sich an einigen auch sonst bekannten Namen erkennen läßt.“ Er nennt Hagen als Herrscher über die „Holm-Rygum“, Heoden als König der „Glommen“ und – als Neuzugang im vertrauten Personal – Wada, der die „Haelsungen“ befehligt. Damit ist auch Wate als althergebrachte Figur belegt...

    • 56 Wate, der Herr von Sturmlant, ist ein großer Krieger der alten Garde. Epitheta für ihn sind der alde, der vîl küene und er ist grîmmiclich in seinem zorne. Sein Wüten ist furchtbar, nach Kudruns Befreiung in Ormanien erschlägt er zornig und voller Rache Frauen und Kinder.
      „Fruotes ‚Kaufmannslist’ ist nicht nach Wates Geschmack“, er sagt […] „ich kann niht koufes phlegen […]“ und entwickelt einen Zusatzplan, die „Vertriebenenlist“: „Im Bauch des Schiffes sollen guote recken verborgen werden für den vorausgesehenen oder doch kalkulierten Kampf mit dem wilden Hagen.“
      In seiner aufbrausenden Art ist Wate manchmal unbesonnen, zeichnet sich aber in jedem Kampf durch große Kraft und Erfahrung aus. Er nutzt sogar die Gelegenheit, Hagens Fechtkünste zu prüfen und ihm „eine Lektion zu erteilen“, indem er „vorgibt, nicht fechten zu können, es jedoch lernen zu wollen.“ Doch bei der Ankunft am irischen Hof, noch bevor Horand mit seinem Gesang faszinieren kann, „erregt der grimmige Wate die größte Aufmerksamkeit, insbesondere die Frauen zeigen ein besonderes Interesse an diesem Prachtexemplar von einem Krieger.“ „Mit seinen grauen Haaren und dem mächtigen Bart hebt er sich von den glatten Gesichtern der höfischen Gestalten ab. Die Haare sind ihm mit goldenen Borten durchwunden […]: es ist die Tracht einer längst verflossenen Zeit. Höfische Artigkeit edlen Frauen gegenüber ist ihm fremd […].“
      Bereits als nach Hildes Entführung der Kampf mit Hagen entbrennt und Hetel verletzt wird, will Wate ihn rächen, stürmt auf Hagen los und trifft ihn auch, doch „[…] Hilde intervenes to save her father´s life from Hetel´s grim leader, Wate; she then persuades Wate to heal the 56 wounded […]”. Hilde zuliebe beendet Hetel den Kampf, doch sie ist es, durch die sich Wate zur Anwendung seiner Heilkunst, die er […] von einem wilden Wîbe […]gelernt hat,überreden lässt. Zuerst wehrt er sich: „ich bin arzât nicht/(ich wer ez mit gewalde) […]“, doch in der Folge zeigt sich, dass er sehr gut weiß, was er tut und dass er Hagen wirklich helfen kann: ...
      Vermutlich hilft Wate Hagen nicht, um Hilde einen Gefallen zu tun, sondern aus Loyalität seinem König gegenüber: Wenn dessen Zukünftige leidet, wird auch der König nicht froh.
      Und diese Königstreue kennt anscheinend keine Grenzen: Als auf dem Wülpensand Wates König Hetel stirbt, „entfesselt ihn [das] vollends zum wütenden Berserker und
      Kampfesdämon.“ Wate ist im tiefsten Inneren nicht Christ, das bleibt er nur an der
      Oberfläche, seine wahre Motivation ist eher die der alten Generation: Der Wille zur Rache.
      Auch in der Seefahrt ist Wate scheinbar sehr erfahren, denn als die Hegelingen bei der Fahrt zur Befreiung Kudruns am Magnetberg in Bedrängnis geraten, hat natürlich er eine Lösung parat. Insgesamt wird Wate geschildert als der Erfahrene, Alte – aber auch als jähzornig und dem Kampf verbunden.
      Peter Höhne kann „kein Ebenbild für diese Gestalt des Epos [Wate] in den fränkischen Klosterannalen“ entdecken, der Name „Wada“ als Herrscher der Hælsungen ist allerdings bereits im Widsith zu finden.

Theorien

  • Jacob Grimm, Deutsche Mythologie (1835) 1,312

    • An des ganzen stammes spitze wird könig Vilkinus gestellt, wie die lat. endung anzeigt, nach Vulcanus benannt, gott oder halbgott, der wol andern deutschen namen führte und mit dem meerweib den riesenhaften Vadi zeugt, ags. Vada (cod. exon. 323, 1), ahd. Wato, ich denke davon geheißen, daß er, ein andrer Christophorus, sein kind auf der schulter, über den neun ellen tiefen Grœnasund (zwischen Seeland, Falster und Moen) watete; identisch ist ihm der dänische held Wate in Gudrun, nach Helsingen wird der ags. Vada gesetzt. sein hatte noch die altengl. dichtung manche jetzt verschollne kunde, Chaucer nennt uns Wades boot Guingelot, ein northumbrischer ort heißt Wades gap (chasma): Wätlingestrêt würde sich mit ihm nur dann berühren, wenn eine schreibung Wädling zu rechtfertigen stände.

  • TH 12.10.2020

    • wie Grimm < waten, Watt
      Riese, der ein Kind durch den Sund trägt (Wieland-Sage), Christophorus

    • eher 'Führer' als 'watend'

    • "von Stürmen": schwundstufig *ḫʊëẖtṓn 'Wind'? // Wodan

Diskussion

  • historisch

    • Dafür sprechen die Personennamen

      • ahd. Graff (1834-42): Watilin I.769, Wato I.766, Wattilinc I.769, Watto I.769,

      • TH 1989

        • Waddo Gregor 6,45, Uuatto 800 S. Gal. 25

        • Wado-mar: Vadomarius Amm. Marc. 14,10,1

        • Wada-merka Jord. 48

    • Nach dem aengl. Widsith beherrschte "Wada Hælsingum". Hälsingland war eine schwedische Provinz.

    • 'Führer'

      • vgl. aslaw. voje-voda 'Heerführer, Befehlshaber, Präfekt' 153, lit. vãdas 'Führer' 577, 

        das wäre germ. *wada (*ʊëdʰ- 'führen' 1115f)

      • Dieses Wort lässt sich scheint's im Germ.  nicht nachweisen, ergibt sich aber aus der frühen Erwähnung des Alemannen Vadomarius (3"), was man als 'großer Führer' verstehen kann.

      • Dass Titel an Stelle von Namen gebraucht werden, ist bekannt (der Bürgermeister, Papst, Kaiser, sogar der Führer, Duce...). Auch ohne den "großen Führer" Vadomarius zu berücksichtigen, ist ebenfalls bekannt, dass man bis heute noch Ranghohe als "groß" bezeichnet: Großkönig, Großherzog, Großfürst; der "Große Vorsitzende" Mao; Großeltern (die oft kleiner sind als die erwachsenen Enkel).

      • Aus "groß" ergibt sich leicht die Vorstellung von einem Riesen.

      • Dass Wate leicht wütend werden konnte, aber auch als erfahren und weise galt, entspricht der Art archaischer Krieger (wie bei "Asterix"), lässt sich also ohne "Windgott" erklären. Wir verstehen ja auch den "Sturm" beim Fußball nicht mythologisch, das ist nur ein altes Bild aus der Natur für den Angriff.

  • mythisch

    • Zu  beachten ist, dass die ältere Literatur grundsätzlich nach vorchristlichen Resten aus germanischer Zeit suchte und fand.

    • So auch Grimm, nach dem

      • der riesenhafte Wate Sohn eines Halbgottes und eines Meerweibes war

        • Wate ist doch eher ein vergötterter historischer Mensch als ein vermenschlichter Gott. Denn in der ganzen mir bekannten Mythologie wird sonst kein mythisches Wesen erwähnt, das man mit Wate vergleichen könnte.

      • und wie Christophorus seinen Sohn "watend" über den Sund trug.

        • Diese Anekdote spielt aber spielt aber in der gesamten Wate-Tradition nur eine unbedeutende Rolle und ist wohl aus dem Namen "der Watende" herausgesponnen.

    • Der Beiname "von Sturmlant / Stürmen" ist doch wohl eher ein Symbol als eine Ortsbezeichnung, weil Wate als wütend, aufbrausend beschrieben wird.

      • alternativer Name Wodans

        • germ. *Wōðanaẓ < *ḫʊëẖtána- 'das Wehen, Inspirieren'

        • schwundstufig *ḫʊëẖtṓn 'Wind'? 

        Ablaut ă / ā > germ. ă / ō > ahd. a / uo > a / ū wie in Hahn / Huhn?

      • zwei Sichtweisen:

        • Wodan *Geist*

        • Wada *Wind*

      unwahrscheinlich, da keine idg. !ʊăt- > germ. *wăð- *Wind* bezeugt ist.

Erklärung

  • also wohl ein historischer Name bzw. Titel 'der Führer'

Register Personennamen

 

Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

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Datum: 2019 | Aktuell: 14.10.2020