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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Götternamen

Wormser Version:

Embede, Willebede, Warbede

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  • Befund

    • In mindestens 10 Orten tragen drei heilige Jungfrauenfiguren ähnliche Namen wie in Worms. 7 liegen im Ostalpenraum (Südtirol, Tirol, Bayern) und 3 im Rheintal.

    • Der älteste datierbare Beleg stammen aus dem 11" Jh. (Einbeth in Straßburg)

    • standardisierte Varianten zu den Wormser Namen:

      1. Embede: Einbete, bair. Ampete, roman. Aubeta

      2. Willebede: Vilbete, Firbet, roman. *Guałbeta

      3. Warbede: Worbete, Barbete, roman. Guerbeta

        • Variante: roman. Guer(r)a

  • Form

    Es ist nicht ausgemacht, das -bede ein eigenes Wort ist. Wie bei Borb-eto-magos kann es sich auch um eine Anfügung handeln.

    1. Amb-, Emb- kann Mundartform sein von Ainb-, Einb-

      • ein = bair., frk. āin, Worms. ēin- (Zahl, nicht Präposition)

      oder ursprünglich Amb-, umgelautet Emb-, missdeutet als Ein-b-. Bair. Amb-, Amp- hätte die alte Lautung erhalten.

    2. Wil-, Vil-, Fir- setzt einen anderen Anlaut voraus als War-, Wor, -Bar-: lat. v, das unterschiedlich umgesetzt wurde.

    3. a) Warbede, Worbete, Barbete sind Sprossformen von kelt. *Borveto-, leniert < *Bormeto wie bei Worms.
      b) Gewer-, Gber- < roman. *Guer-. Guerre, Gewer(a), Quere scheint ein anderer Name zu sein.
      Die romanischen Formen mit Gu- setzen deutsches W voraus, umgekehrt sind die deutschen Formen mit Gw-, Gew-, Gb-,Cu- Qu- aus dem Romanischen rückentlehnt.

    -beda, -beta ist kein altes Glied in Personennamen.

  • Deutung

    • Auszugehen ist von der Namensähnlichkeit von Warbede, Barbete, Worbete mit dem alten Namen von Worms, Borbeto-magos.

    • Dazu passt seiner Bildung nach Embede, zu air. imbed *Überfluss' < kelt. *ambeto- < *ambis 'Fluss'

    • In Willibede könnte der Flussname Weil (8211 Hwilina) stecken, Ptol. 2,2,1 Οὐιλούα ποταμοῦ ἐκβολάι Wilwa potamaû ekbolaí 'Mündungen des Flusses Wilwa' (nach Holder 2,320 = Foyle/ Irland), also kelt. *Vilveta

    • also drei Flussgöttinnen *Ambatia, *Vilvetia, *Bormetia?

  • Religionsgeschichte und Symbolik

    • nach dem Verbreitungsgebiet keltische Matronae, keine germanischen Gottheiten.

    • In Worms halten die Jungfrauen ein Buch in der Hand. Das lässt sich verstehen als "hat gelesen", "will lesen", "liest" (bzw. zeigt dem Betrachter den Text): das Buch des Schicksals mit Vergangenheit, Gegenwart (kann noch nicht verstehen) und Zukunft (wird verstanden haben).
      Dem entspricht die Blickrichtung in Schlehdorf: nach unten (Vergangenheit), lesend, nach oben (Zukunft).
      Diese Darstellung hat also anscheinend Tradition, sagt aber nichts über die ursprüngliche Bedeutung aus.

 

 

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Datum: 2011

Aktuell: 21.10.2019