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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Flussnamen

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Wenn es sich nicht gerade um Namen wie Winkelbach, Schwarzbach, Landgraben oder Altrhein handelt, die erst in der Neuzeit gebildet wurden, sind die meisten Namen der großen Flüsse in Europa und den angrenzenden Gebieten wohl mehr als 5000 Jahre alt und gehören damit zu den ältesten sprachlichen Zeugnissen überhaupt. Das können wir daraus erschließen, dass zum Beispiel die Mümling (alt Nemana) im hinteren Odenwald eine Schwester in Litauen hat (Memel, litauisch Neman), die bayrische Isar Geschwister in Böhmen (Iser) und Frankreich (Isère) und der Rheinzufluss Sieg (alt Segen) eine Verwandte in der französischen Seine (alt Sequana). Diese Namen lassen sich nicht aus dem Germanischen, Keltischen oder Indogermanischen erklären sondern aus einer Vorstufe des Indogermanischen, dem Noachitischen.

Die noachitischen Namen sind gebildet aus einem Wortstamm (oft mit einer Anfügung) und einer Flexionsendung. Beispiel. Reinos 'Rhein' aus Wurzel rei- 'fließen', Anfügung -no und Flexionsendung -s. Andere Ableitungen von rei- sind: altindisch riti, lateinisch rivus, gotisch rinno, slawisch rjeka 'Fluss, Bach'. Viele Namen bedeuten einfach 'Fluss', wie Rhodanus 'Rhone' und Rodau (zu cymr. rhodio 'umhergehen'). Andere enthalten Wörter für 'Wasser' (Tauber zu keltisch dubron) oder kennzeichnen besondere Eigenschaften (Lauter, keltisch Glan 'rein'). Elbe (alt Albis, auch alter Name der französischen Aube) gehört zu lateinisch albus 'weiß', nordisch elv 'Fluss'.

Die meisten Flüsse in Deutschland sind weiblich, aber Rhein, Main, Neckar und Inn sind männlich. Der Kocher und die Jagst  münden nebeneinander in den Neckar. Die Donau war früher männlich (alt Danuvios), der Lech weiblich (alt Licca). Beim Rheinarm Waal und dem Donauzufluss Regen sind der und die erlaubt.

Die Germanen neigten anscheinend dazu, die Flüsse für weiblich zu halten (die Aach, von germanisch ahwa 'Wasser, Fluss'). Die Römer tendierten mehr zum männlichen Geschlecht (Tiberis 'der Tiber'). Bei den ganz alten Namen ist schwer eine Regel zu erkennen: der Rhein, Inn, le Rhône (Reinos, Enos, Rodanos), aber die Mosel, Isar, Marne (Mosella, Isara, Matrona).

Im Falle von Rhodanus, le Rhône, die Rhone lässt sich zeigen, warum der Fluss im Deutschen weiblich ist: weil wir die Endung -e als weiblich ansehen.

Der männliche Danuvios wurde weiblich, weil unsre Vorfahren den Schluss des Namens falsch verstanden und als die Aue interpretierten.

Wie bei Donau sind die meisten Flussnamen aus zwei Wörtern zusammengesetzt, deren zweites Glied auch das Geschlecht bestimmt: noachitisch apa (in Aschaff), althochdeutsch aha (in Biberach, Bieberau, Bebra) sind weiblich. Deutsch Bach ist männlich und in Hessen weiblich.

   

 

 

Einem Leser fiel ein, dass in Frankreich la Saône in le Rhône fließt:
La Saône geht auf Saucona zurück, wohl zu dem alten Wasserwort su- + ko + na , vgl. saugen.

 

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Datum: 08.03.2005

Aktuell: 09.02.2019