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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Wochentage

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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"Am Sonntag scheint die Sonne, am Montag der Mond. Am Dienstag ist Dienst. Am Mittwoch wird in Frankfurt die Woche geteilt. Am Donnerstag donnert's. Am Freitag ist frei. Am Samstag kommt das Sams." So oder ähnlich erklären sich Kinder die Wochentage.

Andere wissen, dass in diesen Bezeichnungen die Namen germanischer Götter stecken. Das merken wir besonders, wenn wir die englischen Ausdrücke betrachten: Sonne und Mond waren bei den Germanen keine Götter. Tuesday, benannt nach dem alten Himmelsgott Tiwas, nordisch Tyr, althochdeutsch Zio. Wednesday ist der Tag des Wodan, zuständig für Wind, Geist und Geister. Donnerstag, Thursday trägt seinen Namen nach dem Wetter- und Bauerngott Donar, nordisch Thor. Freitag, Friday erinnert an Frîa, nordisch Frigg, die Gemahlin Wodans, nicht zu verwechseln mit der Fruchtbarkeitsgöttin Freyja (zu Frau). Freitag kommt also nicht von frei 'ungebunden', sondern hängt mit freien 'lieben, heiraten' zusammen. In englisch Saturday steckt Saturn, für den es keine germanische Entsprechung gab.

Ursprünglich waren aber die Wochentage nicht nach Göttern, sondern nach den Planeten benannt. Das zeigen die lateinischen Namen Dies Solis, Lunae, Martis, Mercurii, Jovis, Veneris, Saturni 'Tag von Sonne, Mond, Mars, Merkur, Jupiter, Venus, Saturn'. Da am germanischen Himmel mehr Wolken als Sterne zu sehen waren, haben sich die Germanen nicht um die Planeten gekümmert und hatten wohl nicht für alle einen Namen. Als sie die lateinischen Wochentagsnamen kennen lernten, dachten sie an ihre Götter, die nach römischer Sitte auch lateinische Namen hatten.

   

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Allerdings gab es kein einheitliches System. Deshalb haben wir in Deutschland zum Teil andere Namen als im Englischen: Zio (Mars) ist zwar in alemannisch Ziestag erhalten. Die Franken dagegen dachten an Mars Thinxus, den Gott der Volksversammlung (Thing), daher unser Dienstag. Den Mittwoch haben die Südgermanen nicht als "Merkurtag" kennen gelernt, sondern als lateinisch media hebdomas 'Mitte der Woche'. Der Samstag hieß althochdeutsch sambeztac zu einer griechischen Nebenform sámbaton statt sábbaton 'Sabbat'.

 

Dienstag eher zu Din, einem abweichenden vorgermanischen Namen dieses Gottes

   

Woche kommt von germanisch wiko 'turnusmäßiger Wechsel', auch 'Schichtwechsel bei der Arbeit' und 'Schichtwechsel bei der Rudermannschaft, Seemeile'. Wahrscheinlich dachte man schon in urgermanischer Zeit an die Mondphasen, die die unterschiedlichen Höhen der Gezeiten (Springflut, Nippflut) verursachen.

Der Sieben-Tages-Rhythmus ist eine jüdische Errungenschaft und hat mit Mond oder Planeten nichts zu tun. Die jüdische Woche orientiert sich vielmehr an dem regelmäßigen Feiertag, dem Sabbat. Die übrigen Tage werden gezählt: Heute ist der dritte Tag nach dem Sabbat.

   

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Echo Online

Sprachvergleich: Wochentage | Sprachecke 29.06.2010

 

Datum: 02.05.200g

Aktuell: 09.02.2019