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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Irreführende Namen

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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In Fehlheim "fehlt" nichts, Hähnlein ist nicht nach dem Gockel benannt und Gadernheim hat nichts mit "Gatter" zu tun. Diese Namen haben sich so verändert, dass sie heute missverständlich sind.

Fehlheim wird dieses Jahr 1225 Jahre alt und hieß 782 im Lorscher Codex Hurfeldun. Das anlautende H ist falsch, HurfldungHurfeldunes steht auch in anderen Fällen für einfachen Vokalanlaut. Ur ist hier die heutige Auer, die auch Auerbach seinen Namen gegeben hat. Urfeldun ist also das 'Auerfeld', ein alter Flurname. "Auer" gehörte nicht fest zum Namen, sondern diente nur zur Unterscheidung von anderen "Felden" und wurde später weggelassen. Um 1400 hieß der Ort einfach Velden, vielleicht schon "Fälle" gesprochen, 1502 Felen mit gedehntem E, heute sagt man "Fähle". Diese Aussprache unterscheidet den Namen von dem Wort fäihle 'fehlen'. Und woher kommt das "Heim"? In den südhessischen Ortsnamen ist das Namensglied heim zu -em oder -e verblasst: "Gernsem, Verne" statt Gernsheim, Viernheim. In den Schulen legte man aber Wert auf die korrekte Aussprache, da wird ein übereifriger Schulmeister gemeint haben, das -e seine keine Endung, sondern das verschliffene -heim. 1794 hat der Ort seine heutige Schreibung Fehlheim.

Hähnlein heißt heute noch in der Mundart "Hehne". Dahinter steckt nicht das Wort für 'Gockel', sondern Hain in der Bedeutung 'Einfriedung aus Hecken'. 1333 hieß der Ort Hennechen. Die Anfügung -ech deutet einen Standort von Pflanzen an. -en ist Deklinationsendung, also 'wo eine Hecke steht.' Das Ch ist später verstummt, daher schon 1557 die Namensform Henne, heute mit gedehntem E. Man kann in -chen aber auch die bekannte Verkleinerungsanfügung sehen, daher wundert es nicht, wenn der Name 1578 als Heinle, Hainlin gedeutet wird, immer noch auf Hain und nicht auf den Gockel bezogen und wohl von einem süddeutschen Schreiber eingeführt. Die Form Hänlein taucht erstmals 1640 auf, nachdem der Ort im Dreißigjährigen Krieg fast ausgestorben war. Die Überlebenden waren nach Zwingenberg geflohen und die Rückkehrer hatten vergessen, wie man den Namen richtig schreibt.

Verheerend haben sich Tod und Traditionsverlust auch im Namen von Gadernheim ausgewirkt. 1367 hieß das Odenwalddorf Geydenheim, noch 1602 als Gaidenheim bezeugt, heute lautgerecht in der Mundart "Gaarene". 1561 heißt der Ort auf einmal Geidenau, 1605 Gadernheim, 1607 sogar einfach Gadern, eine Verwechslung mit dem Dörfchen bei Wald-Michelbach. Die falschen Schreibungen lassen sich zwar aus der missverstandenen Mundartform erklären. Aber wieso hatte man nach 1560 vergessen, wie der Name richtig geschrieben wird? War der Ort im 16. Jahrhundert ausgestorben, etwa durch Krieg (1504 Bayrische Fehde) oder Pest?

   

 

 

 

 

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Echo Online

 

Datum: 23.01.2007

Aktuell: 24.09.2019