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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Punschpanscher

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Seit 1632 nennt man in England ein alkoholisches Getränk punch. Seit etwa 1655 benutzt man dazu Rum. Um 1700 lernte man diese Mixtur auch in Deutschland schätzen und sprach seinen Namen deutsch aus: Punsch. Um 1800 erklärte man dieses Wort mit indisch paantsch 'fünf' und schuf daher Rezepte mit fünf Zutaten. Dabei ist der Punsch gar nicht exotisch: Die englischen Seeleute führten ihren Whisky im Fass (puncheon) mit und mixten ihn wie heute mit Wasser und Geschmackstoffen. Auch die Bowle hat ja ihren Namen von dem Gefäß, in dem sie zubereitet und aufbewahrt wird.

Das deutsche panschen hat nichts damit zu tun, sondern bedeutete ursprünglich 'schlagen, mit der Hand im Wasser rühren' (zu patschen), daher 'Zutaten unterrühren, unerwünschte Stoffe hinzufügen'.

Heute schimpft man nicht nur über Weinpanscher, sondern stellt Sprachpanscher an den Pranger. Das sind Menschen, die die deutsche Sprache mit fremden Zutaten vermischen. Sie sollen gefälligst deutsch reden statt englische Ausdrücke zu gebrauchen.
Zum Beispiel lynchen, mobben und stalken. Darauf können wir gern verzichten. Auf diese Unsitten, nicht die Vokabeln, meine ich. Dass eine aufgebrachte Menge jemand an den nächsten Baum hängte, kam im Wilden Westen vor, bei uns ist das kein Thema. Wir brauchen kein deutsches Wort dafür. Am Arbeitsplatz und in der Schule schikaniert wurde man schon immer, das hielt man für normal und redete nicht darüber. Erst das deutsche Wort Mobbing (englisch ist bullying 'Einschüchterung') hat uns die Augen dafür geöffnet, dass dieses Verhalten verkehrt ist. Der Österreicher Konrad Lorenz und der Deutsch-Schwede Peter-Paul Heinemann haben diesen Begriff geprägt. Auch Stalking 'nachstellende Belästigung' gab es schon immer, aber erst in den letzten Jahrzehnten hat es durch die neuen technischen Möglichkeiten überhandgenommen, so dass man darauf aufmerksam geworden ist. Ärgerlich ist nicht, dass diese Wörter aus dem Englischen kommen, sondern dass es Leute gibt, die so etwas tun. Oder dulden.

Wenn man seinen Gästen reinen Wein einschenkt, wissen sie das hoffentlich zu schätzen. Gibt es auch eine reine, ungepanschte Sprache? Schon im Germanischen finden wir fremde Einflüsse: Mähre stammt von den Hurritern, Erbe von den Kelten, Keller von den Römern,.
Das gilt nicht nur für Wörter: Die Anfügung -er in Berufsbezeichnungen (Schneider) entstammt lateinischem Vorbild (notarius 'Stenograph'). Verben auf ‑ieren sind nach französischem Muster gebildet. Wir hängen diese Endung auch an deutsche Wörter (amtieren, hausieren, sinnieren).

Wo sollen wir anfangen mit dem Hausputz, um alles Undeutsche auszumisten? Eine reine, ungepanschte Sprache hat es nie gegeben.

   

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Echo Online

Sprachecke 01.02.2005

 

Datum: 01.06.2010

Aktuell: 09.02.2019