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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Dienstag am Sonntag

Die Wochentage

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Wer hat am Sonntag Dienstag und am Montag Freitag? Die Pfarrer, denn sie haben sonntags Dienst und dafür montags frei. Das ist nur ein Wortspiel, denn Dienstag kommt nicht von Dienst und Freitag nicht von frei.

Die Woche wurde von den Juden erfunden, die jeden siebten Tag ihren Sabbat feiern. Das hebräische Wort ist abgeleitet von einem Verb, das 'untätig dasitzen' bedeutet. Gemeint ist die Arbeit, die an diesem Tag ruhen soll. Auch in Babylonien und bei den Römern waren an manchen Tagen bestimmte Tätigkeiten verboten.

Die Juden haben nur für den Sabbat einen besonderen Namen. Die übrigen Tage werden nummeriert. Woher aber kommen die Namen der Wochentage? Man hat vermutet, dass sie in Babylonien, dem Heimatland der Sterndeutung, entstanden sind. Dort hielt man die Planeten für Erscheinungsformen der Götter. Man hat auch bestimmte Monatstage jeweils zwei Göttern geweiht. Es ist aber nicht bekannt, dass schon die Babylonier den Wochentagen Namen gegeben hätten.

"Tag von Sonne, Mond, Mars, Merkur, Jupiter, Venus, Saturn" ist erst um 170 n. Chr. nachweisbar. Die Germanen haben die römischen Götternamen durch einheimische ersetzt. Im Englischen ist das noch gut zu erkennen: Sunday, Monday, Tuesday, Wednesday, Thursday, Friday, Saturday, das sind die Planeten Sonne und Mond, die Götter Tiw (Himmel und Recht), Wodan (Wind und Geist), Donar (Wetter und Fruchtbarkeit), die Liebesgöttin Frîja und der römische Saturn.

Auf dem Festland war es komplizierter. Den englischen Namen entsprechen nur Sonntag, Montag, Donnerstag und Freitag.

Und was ist mit den anderen? Da gab es im Deutschen ein ziemliches Durcheinander:

Der Dienstag hieß bei den Alemannen ziestag und bei den Friesen tiesdei, ähnlich wie im Englischen. Die Franken am Niederrhein nannten ihn dinsdag, mit dem Gottesnamen Din. Das war wohl ein anderer Name des alten Himmelsgottes Tiw.

Der Tag danach war auch bei den Franken der "Wodanstag" und heißt heute noch im Niederländischen woensdag. Im Süden nannte man ihn Mittwoch. Das ist ein christlicher Name.[1]

Die Baiern hatten schon damals ihren eigenen Kopf und holten sich Anregungen von den Goten, die die griechischen Bezeichnungen verwendeten: erjetag 'Arestag, Dienstag'[2] - pfinztag, gotisch paintedags (pentê-)[3] 'fünfter Tag, Donnerstag' - pferintag, gotisch paraskaiwe (-skewê)[4] 'Rüsttag, Freitag'.

Bei Saturn mussten alle Germanen passen. Die Franken behalfen sich wie die Engländer mit dem lateinischen Namen, daher niederländisch zaterdag (mit stimmhaftem S). In Süddeutschland sagte man wie die Goten 'Sabbat', aber nach einem Dialektwort[5] sambaztag, heute Samstag. Der norddeutsche Sonnabend war ursprünglich der Vorabend des Sonntags.

   

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[1] lateinisch media hebdomas

[2] griechisch Areíu hêméra

[3] griechisch péntê hêméra

[4] griechisch paraskevê

[5] griechisch sámbaton statt sabbaton.

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Übersicht

 

Echo Online

Sprachecke 02.05.2006

 

Datum: 29.06.2010

Aktuell: 09.02.2019