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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Zimtsterne

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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In unserm geheimen Plätzchenversteck, vor der Weihnachtsmaus sicher verwahrt, schlummern neben Lebkuchen und Buttergebackenem auch Zimtsterne. Unser Wohnzimmerfenster ist mit kunstvoll gefalteten Papiersternen dekoriert. Sterne sind ein wichtiges Symbol für Weihnachten. Warum wohl? Weil zur Zeit der Geburt Jesu ein auffallendes Gestirn am Himmel stand.[1] Deshalb wurde der Stern nicht nur zu einem Weihnachtssymbol, sondern auch zum Zeichen für 'geboren'.

Die Weisen aus dem Morgenland, die dem Stern folgten, waren abergläubische Astrologen 'Sterndeuter', die an der Stellung der Planeten im Tierkreis das Schicksal erkennen wollten. Die modernen Astronomen 'Sternforscher' arbeiten rein wissenschaftlich und versuchen die Eigenschaften der Himmelskörper zu ergründen. Die Astronauten 'Sternenschiffer' haben sich hochfliegende Ziele gesetzt, auch wenn sie bisher nur bis zum Mond gekommen sind. In diesen Wörtern steckt das griechische ástron 'Stern'. Die Nebenform astêr kennen wir aus dem Blumennamen Aster, die 'Sternblume'. Die beiden griechischen Wörter sind näher als das lateinische stella (aus sterla) und unser Stern bei der indogermanischen Grundform hestér- geblieben. Diese ist erweitert aus hes- 'brennen', das in Asche und Schmiede-Esse erhalten ist. Ein Stern ist also ein "brennender Himmelskörper" – eine erstaunliche frühe Naturerkenntnis, wo man doch die Sterne als Götter verehrt hat.

Die Sterne haben bei uns auch symbolische Bedeutung. Ein Filmsternchen ist eine junge Filmschauspielerin, die bisher nur kurzzeitigen Ruhm ernten konnte, im Unterschied zu den namhaften Stars, die regelmäßig die besten Rollen und höchsten Gagen bekommen. Star ist das englische Wort für 'Stern'. Die großen Künstler glänzen wie helle Sterne am Himmel, die "Sternchen" blitzen nur mal kurz auf und verschwinden wieder.

Durch die Astrologie wurden die Sterne mit dem Schicksal verknüpft. Wir sagen zum Beispiel: "Das Unternehmen stand unter keinem guten Stern", es verlief nicht so, wie geplant, und musste erfolglos abgebrochen werden. Ja, es wurde zu einem richtigen Schlamassel. Dieser Ausdruck für 'Missgeschick' kommt aus dem Jiddischen und bedeutet 'schlimmer Massel'. Massel ist hebräisch massal 'Stern, Glück' (mit stimmhaftem S).

Buchstäblichen Massel hatte im Märchen das arme Mädchen, dem die Sterntaler in den Schoß fielen. Das war der himmlische Lohn dafür, dass es seine paar Habseligkeiten an Menschen verschenkt hatte, die noch ärmer waren.

Die Sterne sind auch Symbole für unsre Sehnsucht nach etwas Höherem. Schon der Römer Seneca wusste: "Der Weg von der Erde zu den Sternen ist unbequem."[2]

 

 

 

 

 

[1] Matthäus 2,1-12

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

[2] Hercules furens 437 (Büchmann, Geflügelte Worte 43 S. 353). Die griffigere Version "per aspera ad astra", über raue Wege zu den Sternen, ist nicht vor 1675 nachweisbar. Web

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Übersicht

 

Echo Online
Ist die Astrologie wissenschaftlich?

 

Datum: 21.12.2010

Aktuell: 09.02.2019