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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Die vier Zeitalter

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Im Altertum haben Dichter das "Goldene Zeitalter" verherrlicht, als die Menschheit noch jung und unbekümmert war und als sie noch nicht Krieg und Elend kennengelernt hatte. Danach konnte es nur noch schlechter werden. Dem Goldenen folgte das Silberne, Bronzene und Eiserne Zeitalter.

Heute teilen wir die Menschheitsgeschichte ähnlich ein, allerdings nicht nach der Lebensqualität, sondern nach dem Material, aus dem man Werkzeuge machte: Steinzeit (bis 2200 v. Chr.), Bronzezeit (bis 800 v. Chr.) und Eisenzeit mit sparsamem Gebrauch dieses Werkstoffs. Um 1800 begann die Stahlzeit mit Massenproduktion von veredeltem Eisen.

Beschäftigen wir uns jetzt nicht weiter mit Geschichte, sondern mit den Namen der Metalle: Das Metallzeitalter begann nicht mit der Bronze, sondern mit dem Kupfer. Es ist als das "zyprische" benannt nach der Insel Zypern (lateinisch cuprum, älter Cyprium), die in der römischen Kaiserzeit Hauptlieferant war.

Für Kupfer und Bronze gab es ursprünglich nur e i n Wort: lateinisch aes, germanisch ais, indogermanisch hévion 'das Leuchtende'. Das davon abgeleitete Adjektiv lautete im älteren Deutsch ehern. Kupfer und Bronze nannte man gemeinsam Erz (heute: 'metallhaltiges Mineral'). Das ist ein eigenes Wort, althochdeutsch aruz aus hereúdh 'gelbrot'. Dasselbe Wort ergab unser Wort rot und altnordisch raudhi 'Sumpfeisenerz'.

Das Wort Bronze hat sich ab 1400 in ganz Europa und Vorderasien verbreitet, so weit wie die "ehernen" Kanonen schossen, und hat auch bei uns dem Glockenmetall Erz den Rang abgelaufen. Bronze kommt von brunzen 'seinen Brunnen entleeren, Wasser lassen'. Dazu gab es ein männliches brunz 'Urin', das die Italiener mit der übertragenen Bedeutung 'abgelassenes flüssiges Metall' als bronzo übernahmen und über die Franzosen als Bronze an uns zurückgaben.

Die Vorfahren der Römer waren noch in der Bronzezeit aus Mitteleuropa nach Süden gezogen. Nun rückten Kelten und Germanen näher zusammen. Die Kelten lernten das Eisen kennen und vermittelten es weiter an die Germanen. Im Unterschied zur Bronze muss man das Eisen schmieden: Man glüht es in der Esse (indogermanisch aidhsa 'Feuerstätte') und bearbeitet es dann mit dem Hammer. Keltisch îsarnon 'zur Esse gehörig' war das neue Metall. Die Germanen übernahmen dieses Wort als îsarna, deutsch Eisen.

Stahl, gehärtetes Eisen (vorgermanisch stoklos), ist mit Stock verwandt. Bei einer Axt (altsächsisch stehli) wird nur die Schneide gehärtet. In der Steinzeit hatte man Axtstiele durch Einsetzen von Steinen "geschärft". Das lässt sich am Beispiel des mittelgriechischen stómôma 'Mündung, Stahl' zeigen: Die Schneide wurde in ein Loch im Griff gesteckt. Heute ist ein Loch im Eisen.

 

 

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Sprachecke 29.01.2005 | Begriffe: Metall

 

Datum: 19.07.2011

Aktuell: 09.02.2019