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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Schmieren und salben

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Fett ist ungesund? Sagen Sie das nicht! Denn "schmieren und salben hilft allenthalben." Und dazu braucht man Fett. Oder Öl.

In den Mittelmeerländern salbt man sich mit Olivenöl, dessen Name auf elew- 'Ölbaum' zurückgeht. Die Grundsilbe el- steckt auch in anderen Baumnamen wie Eller 'Erle' und Ulme, auch hirschartige Tiere wie der Elch sind damit gebildet. Gemeint sind 'Lebewesen' überhaupt, dazu passt hebräisch El 'Gott' und finnisch elää 'leben'. Der Ölbaum ist also ein 'Lebensbaum'. Er kann über tausend Jahre alt werden. Südländer schwören auf das Lebenselixier Olivenöl.

Schon im Altertum hat man dem Salböl Duftstoffe oder Heilpflanzen-Extrakt zugesetzt. Die Griechen nannten das Duftöl mýron, entstanden aus smúrom. Das anlautende s ist im Griechischen oft geschwunden. Damit verwandt ist smýrnê, das die Myrre bezeichnet. Myrre ist ein Harz aus Arabien, das nach seinem Geschmack benannt ist: Arabisch murr bedeutet 'bitter' und 'Myrre'. Die Griechen haben dieses Wort als mýrrha entlehnt und von ihnen haben wir es übernommen. Smýrnê war ursprünglich wohl nicht das ausländische Harz, sondern einheimisches Öl mit Myrre.
Smýrnê ist wie mýron verwandt mit unserm schmieren 'eine fettartige Substanz auftragen', Schmer 'tierisches Fett'. Dahinter steckt ein sehr altes Wort mit unterschiedlichem Silbenauslaut, das auch in Schmalz, Schmant 'Sahne' und semitisch schamnu 'Öl' wiederkehrt.
Die türkische Stadt
Izmir, das antike Smyrna, ist umgeben von Olivenplantagen und nach dem Öl benannt. Das Türkische hat keine zwei Konsonanten im Anlaut und setzt daher als Aussprachehilfe an den Anfang ein i.

Was in den Mittelmeerländern das Öl ist, ist bei uns die Salbe aus tierischem Fett, mit dem sich schon die Germanen einrieben. Das Wort stammt aus der Sprache der indogermanischen Viehzüchter und ist nur in wenigen anderen Sprachen erhalten, zum Beispiel bei den mittelalterlichen Tocharern in West-China. Sie sagten sälyp zu 'Fett, Butter, Öl'.

Zwei ähnlich klingende Wörter haben mit Salbe nichts zu tun:

  • Das ätherische Öl des Salbei [1] hat entzündungshemmende Wirkung. Sein Name kommt von lateinisch salvia und bedeutet 'Heilpflanze', zu salvus 'heil, unversehrt'.

  • Ein Salbader 'Schwätzer' eifert seinem Vorbild nach, einem Heilpraktiker (Bader) in Jena, der um 1620 seine Praxis an der Saale hatte und die Kunden mit dummem Gelaber nervte.

Die kosmetische Salbe nennen wir heute Creme. In diesem Wort aus dem Französischen sind drei Wörter zusammengeflossen: griechisch chrîsma 'kirchliches Salböl' (heute: Hautsalbe, Süßspeise), gallisch crama 'Haut auf der Milch' (Kaffeesahne) und lateinisch cremor 'dickflüssiger Saft' (Art Likör).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[1] Echter Salbei – Wikipedia

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