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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Indogermanen

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Franz Bopp (1791-1867) [1] hat vor zweihundert Jahren grammatische Gemeinsamkeiten in Europa und Vorderasien untersucht.

In einer kleinen Schrift "Über das Conjugationssystem der Sanskritsprache in Vergleichung mit jenem der griechischen, lateinischen, persischen und germanischen Sprache" veröffentlichte er 1816 seine Erkenntnisse: Diese Sprachen haben ähnliche grammatische Formen und beruhen auf einer gemeinsamen Grundlage. Nach den damals bekannten östlichsten und westlichsten Vertretern nannte man sie

indogermanische Sprachen. [2] International gebräuchlich ist heute die Bezeichnung indoeuropäisch. [3]

Was waren das für Leute, die indogermanisch sprachen? Der gemeinsame alte Wortschatz dieser Sprachfamilie erlaubt Rückschlüsse auf Lebensweise und Kultur der Sprecher. Ich beschränke mich, wenn möglich, auf die altindischen und deutschen Wortpaare.

Die Indogermanen hatten Verwandtschaftsnamen, die den heutigen ähneln, lebten also in mehreren Generationen in Familien zusammen mit Vater und Mutter (altindisch pitár , mâtár ) und pflegten auch Beziehungen zur angeheirateten Verwandtschaft (Schwiegermutter, svasrú ). Was für uns selbstverständlich scheint, war damals eine Neuerung. Vorher waren die Familien anders organisiert. Die Indogermanen hatten schon Stämme, an deren Spitze ein Richter stand (lateinisch rêx, râdscha , spätere Bedeutung 'König').

Sie konnten bis hundert zählen; ihre Zahlwörter benutzen wir noch heute. Wahrscheinlich hatten sie also Erfahrung im Handeln.

Sie züchteten Rinder (Kuh, ) und Pferde (asva, lateinisch equus) und benutzten Wagen (Rad, rátha 'Wagen').

Die Ähnlichkeit von Achse und Axt (griech. áxôn, axínê) zeigt, dass die Indogermanen ihre Axtstiele in ein Loch im steinernen Blatt und nicht das Blatt in ein Loch im Stiel steckten, wie es bei den alten Steinbeilen der Fall war. Diese durchbohrten und polierten Äxte waren kennzeichnend für eine archäologisch nachweisbare Kultur, die man nach den Verzierungen ihrer Gefäße Schnurkeramik nennt. [4]

An den Grabfunden kann man erkennen, dass die Indogermanen nicht sesshaft, sondern wandernde Viehzüchter waren. [5] Wie andere alte Nomadenkulturen verehrten sie als Hauptgott (dêvá, lateinisch deus) den "Vater Himmel" (Dyâusch-pitâ, lateinisch dJú-piter).

Archäologische Hinweise lassen erkennen, dass die Indogermanen vor mehr als 6000 Jahren in der heutigen Ukraine lebten und sich seit 2500 v. Chr. bis nach Mittel- und Südeuropa und Südwest-Asien ausgebreitet haben. Spätere Wanderungen führten ihre Nachkommen nach Westeuropa und durch die eurasische Steppe bis an die chinesische Grenze und schließlich in der Neuzeit auch in andere Kontinente.

 

[3] Wie sie sich selbst bezeichneten, ist unbekannt. Arier 'Menschen in der Fremde, Auswanderer' nannten sich nur die Iraner und Inder.

 

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Übersicht

 

Echo Online

Sprachecke 18.09.2012 | 25.09.2012 | 09.10.2012

 

Datum: 02.10.2012

Aktuell: 09.02.2019