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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Die Wurzeln der Rasse

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Rasse ist vorbelastet von Rassendünkel und Gewalt, weil man ein biologisches Ordnungsschema auf den Menschen übertrug.

Das Wort Rasse[1] hat eine merkwürdige Geschichte: Italienisch razza bezeichnete um 1300 die 'Sippe', das etwa gleichzeitige französische race die 'Abstammung', den 'Menschenschlag'. Das französische Wort ist rückgebildet aus racine 'Wurzel, Ursprung', dessen Herkunft von lateinisch râdîx 'Wurzel, Ursprung' nicht mehr zu erkennen ist. Das Bindeglied ist lateinisch râdicîna 'Wurzelwerk', das im Westromanischen râdîx verdrängt hatte. Nachdem sich race von seiner pflanzlichen Wurzel gelöst hatte, wanderte es in andere Sprachen ein, zunächst in der Bedeutung 'Menschenschlag'. In spanischen Texten des 15. Jahrhunderts werden die "Rassen" der Adligen und Bauern oder der Christen und Andersgläubigen gegenübergestellt.[2] In Deutschland ist Rasse seit dem 16. Jahrhundert nachweisbar.

Im 18. Jahrhundert schuf der Schwede Carl von Liné[3] die noch heute gültige Einteilung der Lebewesen in Kategorien wie Familie (Hundeartige), Gattung (Fuchs / Hund), Art (Schakal / Wolf)"[4] und den mehrteiligen wissenschaftlichen Namen. Der Art untergeordnet ist die Unterart, bei den Tieren volkstümlich Rasse, bei den Pflanzen Sorte genannt. Hier begann die Arbeit der Züchter, welche bestimmte Eigenschaften beim Pudel und bei der Kartoffel "Ackersegen"[5] kultivierten.

Auch den Menschen kann man in dieses Schema einordnen: Er gehört als Art Homo sapiens zur Gattung der Menschenartigen und Familie der Menschenaffen.[6] Offensichtlich gibt es auch Unterarten, die man aber nicht nach der Hautfarbe einteilen kann, denn die Hautfarbe passt sich der Sonneneinstrahlung an. Im 19. Jahrhundert vermengte man den alten Rassebegriff (Gesellschaftsschicht, Berufsgruppe, Religionsgemeinschaft) mit dem neuen biologischen (körperlich ähnliche Lebewesen) und dem politisch-kulturellen Begriff der Nation. Eine Überdosis Nationalstolz machte daraus eine explosive Mischung mit den bekannten Folgen.

Der Glaube an die Überlegenheit der eigenen "Rasse" heißt Rassismus. Dieser Ausdruck ist um 1900 in Frankreich entstanden. Im Deutschen erscheint er erstmals 1939 bei einem Kritiker der Rassenlehre. Dann hört man zwei Jahrzehnte nichts mehr davon. 1960 taucht dieser Begriff wieder auf in der Auseinandersetzung mit der Nazi-Vergangenheit und den Zuständen in den USA und Südafrika.[7] In dieser Zeit entstand als Gegenbewegung der Antirassismus.[8]

Die Wörter auf -ismus (aus dem Griechischen) bezeichnen oft eine Weltanschauung (Hinduismus 'indische Religion'), aber auch sprachliche Ausdrucksweisen (Anglizismus 'Wort aus dem Englischen') und Krankheiten (Rheumatismus).[9]

 

 

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Echo Online

 

Datum: 09.04.2013

Aktuell: 09.02.2019