Startseite | Religion  | Sprachwissenschaft | Geschichte | Humanwissenschaft | Naturwissenschaft | Kulturwissenschaft | Kulturschöpfungen

Sprachen | Wörter | Grammatik | Stilistik | Laut und Schrift | Mundart | Sprachvergleich | Namen | Sprachecke

Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Von Aleph bis Zett

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

Email:

 

 

Mit unserem lateinischen Alphabet können wir alle Laute schreiben, die wir sprechen. Es geht auf die phönikische Schrift zurück.[1]

Die Phönikier malten vor 3000 Jahren keine Bilder mehr, sondern schrieben abstrakte Zeichen.[2] Sie verzichteten auf Begriffssymbole und schrieben nur noch die Konsonanten, und zwar von rechts nach links. So kamen sie mit 22 Buchstaben aus.
Die Namen der Buchstaben sind erst später überliefert: aleph, bet, gimel, dalet... Sie sind teilweise Vokabeln: aleph 'Rind', bait 'Haus', ... dalet 'Tür'.
[3]

Die Griechen[4] übernahmen nach 900 v. Chr. die phönikischen Zeichen und wandelten sie nach ihren Bedürfnissen ab: Da sie lieber von links nach rechts schrieben, drehten sie die Buchstaben um, machten also aus q ein p (Lautwert r). Die Phönikier hielten wahrscheinlich das Blatt schräg, um die Schrift nicht zu verwischen. So entstanden schräge Zeichen. Die Griechen ordneten die Striche senkrecht und waagrecht an. Im Griechischen sind wie im Deutschen einige Konsonanten fest miteinander verbunden, ohne Vokal dazwischen, wie st und ks. Dafür war die Konsonantenschrift[5] weniger geeignet. Die Griechen schufen daher aus nicht benötigten Buchstaben Vokalzeichen und hängten ein paar Sonderzeichen an wie X, eine Variante von T, für das behauchte k.
Sie übernahmen auch die Buchstabennamen als alpha, bêta, gamma, delta..., daher unser Alphabet 'Buchstabensatz'. Die neuen Zeichen benannten sie teils nach ihrem Lautwert: khi, phi, psi, teils unterschieden sie durch angehängte Adjektive: e psilon 'leichtes, kurzes e' - u psilon 'leichtes u (ü)', o mikron 'kleines o', o mega 'großes o' (Gemeint ist hier die Buchstabenform). Alpha war der erste, ômega der letzte Buchstabe, daher übertragen 'der Anfang und das Ende'
[6], deutsch A und O 'das Wichtigste'.

Die Römer lernten die Schrift bei den Griechen in Unteritalien kennen und änderten ihr "lateinisches Alphabet", wie sie's brauchten.[7] Es enthielt zunächst nur die Buchstaben A B C D E F H I K L M N O P Q R S T U X, denen sie keine Phantasienamen gaben wie alpha 'Rind', beta 'Haus', sondern sie nannten sie nach ihrem Lautwert, wie heute noch: a, be, ce, de... Daher hieß die lateinische Buchstabenreihe abecedarium.
C bezeichnete ursprünglich k und g, das Zeichen K war überflüssig. Spurius Carvilius, Leiter einer Schreibschule, erfand um 240 v. Chr. den Querstrich bei G.
[8]
Heutiges J und V waren Varianten von I und U und wurden erst vor 500 Jahren von diesen mit den hebräischen Namen Jott, Vau
[9] unterschieden. Zur Wiedergabe des germanischen w (auch im Deutschen bis 1300) schrieb man doppeltes U (uuir, heute wir).
Ypsilon und Zett wurden von den Römern nachträglich aus der griechischen Schrift übernommen.

 

[4] Griechisches Alphabet – Wikipedia. Die Griechen hatten vorher eine Silbenschrift, die von links nach rechts geschrieben wurde: Linearschrift B – Wikipedia

[8] Der Kleine Pauly 1,10964 (Carvilius Nr. 2)

[9] deutsche Aussprache von jod, wau

 

nach oben

Übersicht

 

Echo Online

Sprachecke 13.02.2007 | 07.05.2013 | 14.05.2013

Vergleich der Schriftzeichen | Begriffe Schrift | Buchstabennamen

 

Datum: 22.05.2013

Aktuell: 09.02.2019