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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Ländliche Orte

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Wenn ein Hesse sein Haus verlässt, geht er nicht "ins Dorf", sondern "ins Ort". Das Ort ist die gewöhnliche Bezeichnung für 'Dorf'.

Bei Dorf denken wir an eine Ortschaft, bei der die Häuser nahe beieinander stehen und die eine gewisse Infrastruktur hat wie Einkaufsmöglichkeit, Vereine, Gasthaus, Schule, Kindergarten, Kirche, Verwaltung - jedenfalls früher. Das geschlossene Haufendorf mit seinen Einrichtungen unterscheidet sich damit von einer Streusiedlung und dem kleinen Weiler, bei dem zwischen den wenigen Häusern ein größerer Abstand ist. Im Gegensatz zur Stadt war das Land mit seinen Dörfern früher hauptsächlich von der Landwirtschaft geprägt.

Dorf, germanisch thurpam, bezeichnet in allen germanischen Sprachen die Häusergruppe.[1] In den keltischen Sprachen bedeutet treba 'Haus, Dorf, Stadt', auch 'Familie, Stamm', 'Bauernhof, Landwirtschaft'.[2] Gemeinsame Grundlage ist indogermanisch der- 'Holz', ter- 'aus Holz: Balken, Haus'.[3] Gemeint war nicht das Blockhaus, sondern der Vorläufer des Fachwerkhauses.
Ortsnamen auf -dorf sind in Südhessen selten, mittelalterlich nur Altdorf bei Babenhausen (um 800)
[4] und Rossdorf (1250).[5]

Weiler, althochdeutsch -wîlâri, ist aus Namen rückgebildet. Zugrunde liegt ein mittellateinisches vîllâre 'Fronhof, Dörfchen', abgeleitet von vîlla 'Herrenhof', klassisch 'Bauernhof'. Als Weiler gilt bei uns Zipfen bei Lengfeld.[6] Weiler ist im Hessischen nicht gebräuchlich, kommt aber in Ortsnamen vor. Das ist jedoch nur beim Weilerhof bei Wolfskehlen und Weilerhügel bei Bickenbach zu erkennen. Da ist Weiler die Bodenerhebung, auf welcher der Hof steht, im nassen Ried unerlässlich.[7] Fünf ehemalige Weiler-Orte im Odenwald heißen heute Weiher: Rippen-[8], Ritsch-[9], Rittenweier[10] bei Weinheim sowie Weiher[11] und Bonsweiher bei Mörlenbach.[12] Dieses Namensglied ist verstümmelt aus frühneuhochdeutsch -wî(l)re mit verschlucktem l.

Ort ist eigentlich etwas ganz anderes, eine Stelle, wo sich etwas befindet. Im Althochdeutschen bezeichnete dieses Wort etwas, was am Rand liegt, vorne oder hinten, auch die Spitze einer Waffe. Die Bedeutung 'Wohnort' kam erst im Neuhochdeutschen auf.[13]

Dörfer und Weiler  liegen auf dem Land, aus Sicht des Städters und des Seemanns. Dort bearbeitet der Landwirt den Acker und erzeugt Nahrungsmittel, die er im In- und Ausland verkauft. Das sind ganz unterschiedliche Bedeutungen des Wortes Land, das wir mit den Kelten und finnischen Völkern teilen. Grundbedeutung ist 'Senke', verallgemeinert 'Tiefebene' und 'Bodenfläche'. Ähnliche Wörter bedeuten 'Teich'. Dazu gehört wohl auch die Lende, wenn damit ursprünglich die Einbuchtung zwischen Brustkorb und Becken (Taille) gemeint war.[14]

 

 

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Übersicht

 

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Sprachecke 2013-07:  09. | 22. | 29. | 28.06.2016

Siedlungsnamen zwischen Rhein, Main, Neckar und Itter | Namensglied Dorf

 

Datum: 16.07.2013

Aktuell: 09.02.2019