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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Heilige Familie

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Bei der Weihnachtskrippe ist inmitten von Hirten und Königen die Heilige Familie aufgebaut: das Jesuskind und seine Eltern.

Selbst Kinder wissen, wie die Eltern Jesu hießen: Maria und Joseph. Die moderne "Kernfamilie" spiegelt sich in der Krippendarstellung. Jesus war aber kein Einzelkind, sondern hatte Geschwister.[1] Deren Nachkommen machten noch im 4. Jahrhundert von sich reden.[2]

Unter Familie verstehen wir heute ein Ehepaar und seine Kinder. Früher wohnten auch noch andere Verwandte im Haus. Noch vor hundert Jahren hatten Bauern, Handwerker und bürgerliche Haushalte Personal, das mit ihnen zusammen unter einem Dach wohnte und am selben Tisch aß. Familie, das war ursprünglich die Hausgemeinschaft. So war das lateinische familia zu verstehen, das nach 1400 ins Deutsche im heutigen Sinn übernommen wurde: Im römischen Haus unterstanden alle Bewohner dem Hausvater (pater famílias), nicht nur die Sklaven, sondern auch die Kinder und die Ehefrau. Die im Haus beschäftigten Sklaven ("Diener") nannte man fámuli 'Familienangehörige'. Davon zu unterscheiden waren die vernae 'im Haus geborene Unfreie'[3], die mit den Kindern ihres Herrn aufgewachsen waren.
In manchen Wörtern entspricht lateinisch f indogermanischem dh, griechisch th, daher hat lateinisch familia seine Entsprechung in griechisch themélion 'Grundstein, Fundament' und thaimós 'Haus', zu verstehen als 'Setzung, Gründung'. Noch heute sagen wir ja "eine Familie gründen".
[4]

Dies geschieht durch die Eheschließung - ein überflüssiges Zeremoniell, sagen viele, "kann ja lieben, wen ich will". Aber eine Ehe (althochdeutsch êwa 'bindende Absprache'[5]) ist kein unverbindliches Liebesverhältnis, sondern ein Vertrag mit Rechtsfolgen, meist zu unserm Vorteil. Auch für andere Arten von Gemeinschaft hat der Gesetzgeber Rechtspakete vorgesehen (Firmen, Vereine, Parteien, Arbeitsverhältnisse).
Die Ehe ist nicht die einzige Lebensweise und auch nicht die einzige kirchlich anerkannte. Auch für ein eheloses Leben gibt es von alters her Rechtsformen, im Zölibat, im Kloster, als Diakonisse. Alternativen zur Ehe zwischen Mann und Frau hat es immer gegeben. Warum sollte nicht auch das Zusammenleben Homosexueller rechtlich abgesichert sein?
Das Grundgesetz stellt die Ehe und Familie besonders unter den staatlichen Schutz, auch die Kinder und die Mütter.
[6] Die besondere Würde der heterosexuellen Ehe und Familie ergibt sich aus der biologischen Notwendigkeit, dass wir Kinder zeugen, gebären und aufziehen müssen und dass Kinder erst mal unsre Obhut und Fürsorge brauchen. Das schottische Fremdwort Clan bringt das deutlich zum Ausdruck: Es bedeutet nicht 'Familie', sondern 'Nachwuchs, Kinder'.[7]

 

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Echo Online | Begriffe: Familie | Familienmitglieder | Verwandtschaftsbezeichnungen

Sprachecke 06.03.2006 | 17.12.2013

 

Datum: 17.12.2013

Aktuell: 09.02.2019