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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Nomen est omen

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Frau Groß ist klein und Herr Schwarz blond. Namen sind Wörter für Einzelwesen und sagen nichts über den Charakter aus.

Manchmal stimmt's aber doch. Dann zitieren wir das lateinische Sprichwort "Nomen est omen", der Name ist ein Hinweis, er passt zu seinem Träger.[1]

Wenn wir einem Kind einen Namen gleich bei der Geburt geben, wissen wir noch nicht, was aus ihm wird. Übereinstimmungen zwischen Namensbedeutung und Charakter sind Zufall. Anders ist es bei den später verliehenen Spitznamen: Sie spiegeln Erfahrungen mit diesem Menschen wider. In einer Zeit, als es noch keine Familiennamen gab, wurden Beinamen zum Unterscheidungsmerkmal gleichnamiger Personen. Besonders wichtig war das beim Militär und in Klöstern, wo viele Menschen zusammenlebten. Statt "Karl 1, Karl 2" nannte man den einen "Dick" und den anderen "Kahl". Die späteren Könige gingen in die Geschichte ein als "Karl der Dicke"[2] und "Karl der Kahle"[3]. Manchmal traten die Spitznamen an die Stelle des richtigen Namens, wie beim Westgotenkönig Wamba 'Wampen, Schmerbauch', dessen Geburtsname nicht überliefert ist.[4]
Es ist klar, dass auch Spitznamen nur eine Momentaufnahme sind. Vielleicht war Wamba nur in seiner Jugend dick und hat seinen Speck durch die Anstrengungen seines Dienstes bald verloren. Er hieß aber sein Leben lang 'Dickwanst'.

Unsre Familiennamen sind aus solchen Spitznamen (Groß, Schwarz) entstanden, aus Vornamen (Peter), aus Vaternamen (Peters, Petersen, Petri)[5], aus Berufsbezeichnungen (Schreiner, Tischler, Tischner, Tischer) oder aus Herkunftsbezeichnungen (Darmstädter, Lauterbach).

Auch aus Siedlungsnamen lassen sich keine Schlüsse mehr ziehen. Heim bezeichnete ursprünglich einen Einzelhof, später eine Siedlung. Aber aus Mannheim ist inzwischen eine Großstadt geworden.

Aus welchen Gründen wählen wir einen bestimmten Namen? Oft spielt die Tradition eine Rolle. Bei den Karolingern wechselten sich 300 Jahre lang Pippin und Karl ab.[6] In Georgenhausen gab es in 200 Jahren auffallend häufig den Doppelnamen Anton Ulrich, der durch Patenschaft weitergegeben wurde und zurückgeht auf einen Freiherrn und letztlich auf Herzog Anton Ulrich von Braunschweig.[7] Heilige wie Elisabeth von Thüringen[8] sollten Vorbild und Schutzpatronin sein. An die Stelle der Heiligen traten später auch andere Vorbilder. Nelson Mandelas[9] Vorname erinnert an Admiral Horatio Nelson.[10] Man orientiert sich auch an literarischen Gestalten wie dem biblischen Noah[11] oder Lessings "Minna von Barnhelm".[12] Auch die Mode beeinflusst die Namenswahl. Und der Wunsch der Eltern, das Kind möge so werden, wie es der Name sagt: "kühner Rat" (Konrad)[13], "Anmut" (Gracia).

 

[1] Eigentlich "nomen atque omen", Name und zugleich Hinweis, Plautus Persa 625: Da will jemand eine Sklavin namens Lucris kaufen und schließt aus deren Namen 'lukrativ', dass sich die Anschaffung lohnt. (englisch; Suchwort "the name and the omen").

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Datum: 14.01.2014

Aktuell: 09.02.2019