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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Fragen über Fragen

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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"Wer dumm fragt, kriegt eine dumme Antwort."[1] Es kommen aber nur demjenigen Fragen, der denkt - und auch Antworten.

Wir haben viele Möglichkeiten Fragesätze zu bilden:

Das wichtigste Bildungsmittel ist die Umkehrung der gewöhnlichen Wortfolge eines Satzes: "Es ist heute kalt" ist die Aussage, "ist's heute kalt" die Frage. Das ist auch ohne Punkt und Fragezeichen verständlich. Tatsächlich begnügen wir uns aber damit nicht, sondern heben am Ende der Frage die Stimme, während wir sie bei der Aussage senken. Die Satzzeichen ersetzen in der Schrift die Satzmelodie.

Manchmal fragen wir aber auch "es ist heute kalt?" Da wollen wir's nicht wissen, sondern vermuten es und bitten um Bestätigung. Der Deutlichkeit halber lassen wir es aber nicht beim Anheben der Stimme oder dem Fragezeichen, sondern benutzen scheinbar überflüssige Füllwörter: "Gelt, es ist heute kalt?" "Du kommst doch mit, oder?"

Bei diesen Entscheidungsfragen erwarten wir nur "ja", "nein" oder Enthaltung, wie bei einer Abstimmung. Bei der Antwort könnten wir uns begnügen mit Kopfnicken, Kopfschütteln oder Schulterzucken, die gesprochenen Antworten gehören aber dazu, weil man Gesten leicht übersieht, und manchmal sind auch "ja", "nein" zu knapp und ist eine längere Antwort erforderlich: "Ja, bitte", "Danke, ich rauche nicht", "Aber gern", "Tut mir leid, ich habe keine Zeit".

Eine ganz andere Art sind die Informationsfragen, mit denen wir um Auskunft bitten. Sie sind gekennzeichnet durch Fragewörter, die mit w beginnen und werden ergänzt durch Füllwörter wie denn, eigentlich: "Warum machst du das Licht aus?" - "Wo warst du denn?" - "Was macht eigentlich deine Tante?" (Wie geht es ihr?). Auch diese Füllwörter sind nicht überflüssig: Das knappe "Wo warst du?" kann ein Vorwurf sein, da gibt es einen winzigen Unterschied in der Betonung, den man leicht überhört. Denn, das sonst zur Begründung dient, drückt in der Frage Interesse oder Neugier aus. Eigentlich bezeichnet das Wesentliche und ist beim Sprechen deutlicher als denn. Im geschrieben Text ist es nicht immer nötig.

Mit Ausfragen und Abfragen und "Ja, nein" kann man jedes Gespräch im Keim ersticken: "Kennst du den Witz von...?" "Ja", dann brauche ich ihn nicht zu erzählen. "Nein" - heißt das: "Erzähl  doch mal" oder "Interessiert mich nicht"?

Neben diesen echten Fragen gibt es auch rhetorische Fragen, die keine Antwort erwarten, sondern Einverständnis voraussetzen: "Wer glaubt denn so was?", natürlich niemand. Man kann auch direkt behaupten: "Das glaubt doch kein Mensch", aber das wäre zu hart. Die Frage lässt die Möglichkeit offen, anderer Meinung zu  sein.

 

[1] Sprachecke 16.12.2014

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Übersicht

 

Echo Online

Sprachecke 09.12.2014

 

Datum: 16.12.2014

Aktuell: 09.02.2019