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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Farbige Wochentage

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Der Name des Gründonnerstags gibt manche Rätsel auf - wie auch andere Wochentage, die nach Farben benannt sind.

Da ist der blaue Montag, gelbe Dienstag und Mittwoch, weiße oder grüne Donnerstag, schwarze Freitag und weiße Sonntag.

Der blaue Montag, ursprünglich der gute Montag, war ein Tag, an dem die Handwerksgesellen "blau machen" durften, um ihre eigene Arbeit tun zu können, denn am Sonntag war grundsätzlich Arbeit verboten. Am Montag fanden auch die geselligen Treffen der Zünfte statt. Viele nutzten diesen Tag nicht für Haus, Hof und Familie, sondern zum Wirtschaftsbesuch, kamen spät in der Nacht "blau" nach Hause und waren am Dienstag zu nichts zu gebrauchen. Seit dem 14. Jahrhundert nannte man diesen Tag schön und seit dem 16. blau. "Blauen Montag machen" wurde im 19. Jahrhundert verkürzt zu blaumachen 'eigenmächtig der Arbeit fern bleiben'. Der blaue Montag war der Obrigkeit längst ein Dorn im Auge und wurde nach langem Hin und Her abgeschafft. Übriggeblieben ist nur der freie Montag derer, die am Wochenende arbeiten müssen, sowie nach örtlichen Festen. Warum dieser Tag blau heißt, ist ungeklärt. Sicher nicht, weil manche Gesellen abends "blau" waren, ein Ausdruck, der erst im 19. Jahrhundert aufkam.[1]

Gelber Dienstag oder Mittwoch heißt in einigen Gegenden der entsprechende Tag in der Karwoche, angeblich weil man da Eier isst.[2] Das scheint dem grünen Donnerstag nachempfunden zu sein, von dem man nicht weiß, ob er nach der Speise benannt oder die Speise nach dem Tag gewählt ist. Er heißt auch weißer Donnerstag nach der liturgischen Farbe, während sonst während der Passionszeit in der Kirche violett aufliegt. Die Farbgebung war aber im Mittelalter nicht einheitlich geregelt.[3] Der Gründonnerstag ist Festtag, kein Fasttag und erst recht kein "Greintag".[4]

Dagegen waren früher am Karfreitag in der evangelischen Kirche die Behänge schwarz, aber darum ist der Todestag Jesu kein schwarzer Freitag, kein Unglückstag, sondern der Tag der Erlösung, daher ein "guter Freitag" (englisch Good Friday).
Auch schwarzer Freitag stammt aus dem angelsächsischen Sprachbereich. So heißen dort vor allem Tage mit Kurseinbrüchen bei der Börse.
[5]
"Schwarze Tage" (dîes âtri) kannten schon die Römer, das waren zunächst Tage, die nach damaligem Wahrsageglauben Unglück bringen sollten (wie bei uns "Freitag der 13."), aber auch Gedenktage an nationale Katastrophen.[6]

In der alten Kirche (vor 380)[7] wurden die Neubekehrten in der Osternacht getauft. Danach wurde ihnen ein weißes Gewand angezogen, das sie die ganze Woche trugen und erst bei der Vorabendmesse am Samstag wieder ablegten. Daher heißt der folgende Tag Weißer Sonntag.[8]

 

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Datum:

Aktuell: 09.02.2019