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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Kassensturz mit Vino

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Unter Tombola verstehen wir eine 'Verlosung', die Italiener 'Bingo', das bei uns früher Lotto hieß.

Tómbola[1] ist seit etwa 1900 im Deutschen gebräuchlich, und zwar im Sinn von 'Verlosung von Sachen'. Der Name kommt aus dem Italienischen und bezeichnet dort ein Gesellschaftsspiel, bei dem man Zettel kauft, auf denen 15 von 90 Zahlen aufgedruckt sind. Die vergleicht man mit den vom Spielleiter gezogenen Losnummern. Wer zuerst alle Nummernfelder belegt hat, hat "tombola gemacht"[2] und gewinnt alles, was noch in der Kasse ist. Das Wort bedeutet sonst 'Sturz', gemeint ist wohl, dass "Kassensturz" gemacht wird, die Kasse umgestürzt und der Inhalt dem Gewinner übergeben.[3]

In den angelsächsischen Ländern heißt das Spiel Bingo. Edwin Lowe hat es seit 1929 unter diesem Namen in den USA vermarktet. Er hatte spielenden Spaniern zugesehen und gehört, wie der Sieger "bino" rief. Angeblich hatte Lowe an beans 'Bohnen' gedacht, die man als Spielsteine benutzen kann.[4] Was hatten die Spanier gemeint? "Bino" ist die spanische  Aussprache von vino 'Wein'. Das amerikanische bingo bedeutet 'Schnaps', alkoholisch wie "bino" und im Klang ähnlich.[5]

Die italienische Tombola heißt also auf Englisch bingo, während wir unter Tombola eine Verlosung verstehen, wie sie auf Jahrmärkten schon lange üblich war und nach der Losurne Glückshafen, -topf hieß.[6]

Warum man den italienischen Namen auf das deutsche Lottospiel zu Wohltätigkeitszwecken übertragen hat, ist ungeklärt. Die italienische Tombola wird vor allem in der Weihnachtszeit gespielt. Der Geldgewinn steht nicht im Vordergrund, aber auch nicht ein wohltätiger Zweck. Vielleicht wollte man das uneigennützige Gewinnspiel vom kommerziellen der Schausteller und der staatlichen Lotterie unterscheiden und wählte deshalb das exotische Tombola.

Lotto ist die italienische Form von niederländisch lot 'Los'.[7] Bei uns verstand man im 19. Jahrhundert unter Lotto das Gesellschaftsspiel Tombola. In den Niederlanden nannte man um 1500 das Glückspiel mit Losen lotterij, bald darauf taucht Lotterie auch im Deutschen auf als 'öffentliche Zahlenwette'.

Eine Abart der italienischen Tombola ist das Bilderlotto, da sind Bilder auf Tafeln aufgedruckt, zu denen man die "Zwillinge" auf einzelnen Kärtchen finden muss.[8] Das ist der Vorgänger von Memory, bei dem keine Tafeln, sondern nur Kärtchen verwendet werden.[9] Dieses Spiel ist eine gute Übung für das 'Gedächtnis', englisch memory.
Was haben Tombola und Bilderlotto gemein? Den Zahlen auf den italienischen "Tippzetteln" sind traditionell Symbole (smorfie 'Fratzen'
[10]) zugeordnet,[11] ähnlich wie bei den Tarot-Karten, aus denen man irgendwelche Schlüsse ziehen kann.

 

[3] deutsche Spielbeschreibung: Giochiamo a Tombola

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Übersicht

 

Echo Online

Begriffe: Spiele | Sprachecke 04.08.2015 | 11.08.2015

 

Datum: 28.07.2015

Aktuell: 09.02.2019