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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Und nochmal dagegen

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Ein Dickkopf will "mit dem Kopf durch die Wand", und weil das nicht klappt, rennt er "immer wieder dawider."

Auf Hessisch heißt das: "alls wirrer dewerrer". In Mundart und Schrift lassen sich wieder und wider gut unterscheiden, nur in der hochdeutschen Aussprache nicht, da haben alle zwei ein langes i. Der Unterschied lag nicht in der Länge, sondern in der Betonung: Das Adverb wieder ("immer wieder") ist stärker betont als die Präposition wider ("wider die Wand"). Ursprünglich waren beide i kurz und die Bedeutungen nicht geschieden. 'In Richtung auf' ist die Grundbedeutung, daher 'gegen'. Die beiden Wörter kommen von indogermanisch vi- 'auseinander', víteros 'noch mehr auseinander'. Aus Sicht des Fahrers geht der Verkehr nach vorn, der Gegenverkehr zurück, daher wieder 'zurück, noch einmal' (wiederkommen 'zurückkommen',  wiederkäuen 'noch einmal kauen'). Die entgegenkommenden Autos entfernen sich wieder. Das erklärt die alte Bedeutungen 'auseinander. [1]

Das Konkurrenzwort gegen hat wider von seinem angestammten Platz in die Nische der gehobenen Sprache verdrängt. Gegen gibt es nur in den germanischen Sprachen und fast nur als Präposition.[3]

Gegenverkehr kann gefährlich werden, ein Gegner oder Widersacher noch mehr. Letzterer war der 'Prozessgegner', der "eine Sache wider jemand" hatte und deshalb vor Gericht ging.

Auch Kontrahenten sind Gegner. Darin steckt aber nicht lateinisch contra 'gegen', sondern con-tráhere 'zusammenziehen, zusammenkommen, übereinkommen' und einen Kontrakt 'Vertrag' aushandeln', Ausdrücke aus der Rechtssprache: 'Vertragspartner, Geschäftspartner, Handelspartner, Kandidaten für einen Ehevertrag' - zu alle dem braucht man einen Notar. Der wird auch tätig, wenn's Streit gibt. Verträgliche Partner werden nicht aktenkundig, wohl aber die Konfliktfälle. So kam es, dass sich im Juristendeutsch die Bedeutung von 'Partner' auf 'Gegner, Konkurrent, Rivale' verschob.[4]

Ähnlich erging es dem lateinischen con-tra 'gegen', eigentlich 'noch mehr zusammen' (von com-, con- 'zusammen mit'). Wie contra konnten auch althochdeutsch widar, gegin 'gegenüber' bedeuten. Denn bevor der Dickkopf "wider die Wand" rennt, steht er ihr gegenüber.[5]

Ein lateinisch-deutsches Gemeinschaftswerk ist die Gegend. Althochdeutsch gágan-ôti ist gebildet wie mittellateinisch contr-âta, jeweils mit der passenden Endung (wie heim-ôti 'Heimat, be-âta 'die selige' ...). Grundbedeutung war 'die gegenüber liegende Landschaft'.[6]

 

 

 

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Echo Online

 

Datum: 08.12.2015

Aktuell: 09.02.2019

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