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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Spielfiguren

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Für Brettspiele und Spielkarten gibt es unterschiedlich geformte und gefärbte Symbole, Steine und Figuren.

Für Tombola[1], Bingo[2] und Mühle tun's auch Samen oder Steinchen. Für Dame brauchen wir flache Scheiben, von denen zwei aufeinander gelegt eine "Dame" geben. Diese haben ihren Ursprung wohl in den Rechensteinen (lateinisch calculi), die man auf dem Rechenbrett hin und her schob, um zu kalkulieren.[3] Das mittellateinische merellus 'Marke, Spielstein, Rechenstein' ist erhalten im französischen Spielnamen marelle 'Mühle; Hickelhäuschen (Hüpfspiel)' und englisch Morris 'Mühle'.[4]

Die kegelförmigen Figuren mit Kopf bei "Mensch ärgere dich nicht"[5] nennen wir Puppen, ähnliche wurden wohl auch bei Mühle verwendet, wie der englische Name Nine Men's Morris nahelegt, 'Neun-Männer- / Puppen-Mühle'.[6]

Bei Schach gibt es sechs Figurentypen[7], die sich in Größe und Form unterscheiden. Man kann auch ungefähr ahnen, was sie darstellen sollen: König, Dame, Läufer, Turm, Springer, Bauer. Die kleinste Figur, der Bauer, ähnelt der Puppe bei Mensch-ärgere-dich-nicht, die beiden größten, König und Dame sind an ihren "Kronen" zu erkennen, der Turm sieht aus wie ein Turm und der Springer hat einen Pferdekopf. Nur beim Läufer weiß man nicht, was man von ihm halten soll.[8]

Schach ist hervorgegangen aus dem indischen Tschatur-anga 'vierteilig' mit König, Berater und den vier Truppenteilen: Kriegselefanten, Streitwagen, Reiter und Fußtruppen.

Auf seinem Weg durch die Jahrhunderte und nach Europa hat die Spielidee mancherlei Umdeutungen und Veränderungen erfahren:[9]

Die militärische Rangordnung wurde komplizierter: Im Englischen stehen unter König und Königin (Dame) je zwei Bischöfe (Läufer), Ritter (Springer) und Rooks (Türme) und unter denen erst die kämpfende Truppe der acht Bauern.
Die Perser hatten keine Elefanten, und Streitwagen gab's in Europa schon lange nicht mehr. Stattdessen setzte man immer mehr auf die wendigen Reiter (Springer).

Elefant und Wagen bekamen neue Funktionen zugewiesen:

Der Kriegselefant[10] trug einen Kasten mit Platz für vier Krieger, die hoch über den Köpfen der anderen wie in einem Turm saßen. So wurde das auf mittelalterlichen Bildern dargestellt.[11] Daher der heutige Name Turm.

Die Perser sagen roch. Darunter verstehen sie ein exotisches Reittier mit langer Nase und "Hörnern" dran. Sie deuteten auf Nashorn, eine Art Kamel oder den Riesenvogel "Roch "(aus altindisch roh 'aufsteigend, reitend').[12] Sie dachten aber an mittelpersisch rah 'Wagen' und die Figur des Streitwagens.

So kommt es dass in einigen Sprachen der Turm "Wagen" heißt und der Läufer "Elefant".[13]

 

[6] im Unterschied zu Varianten mit weniger oder mehr Figuren. Nine Men's Morris - Wikipedia, the free encyclopedia

Turm = Wagen: polnisch wieża, tschechisch věž, vgl. russisch ладья laydja 'Kahn'

Läufer = Elefant: arabisch, persisch فيل fil, türkisch fil, indonesisch gaja, russisch слон slon

 

 

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Echo Online

Begriffe: Spiele | Schachfiguren | Sprachecke 11.08.2015

 

Datum: 2015

Aktuell: 09.02.2019