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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Pfeil und  Bogen

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Im Mittelalter zog der Schütze "mit dem Pfeil, dem Bogen durch Gebirg und Tal"[1] oder mit der Armbrust.

Wie schon sein Name sagt, ist der Bogen gebogen; das Wort kann sehr viel bedeuten: eine gekrümmte Linie in der Geometrie; eine kurvenförmige Bewegung ("einen großen Bogen machen um", aus dem Weg gehen); ein Halbrund in Gebäuden; ein Papier; in Zusammensetzungen: Ellenbogen an der Armbeuge, Geigenbogen, (ursprünglich krumm, bei der Fidel),[2] Regenbogen' und nicht zu vergessen: das Schießgerät.

Den Pfeil kennen wir heute vor allem als Richtungsweiser. Das Geschoss hat seinen Namen von lateinisch pîlum, dem Wurfspieß der römischen Legionäre.[3] Das Grundwort s-peil- bedeutete 'spitzer Stock', wie in mittelhochdeutsch spîl 'Spieß', heute Speil 'Holzstäbchen'.[4]

Das alte germanische Wort für 'Pfeil' war strêla 'Strahl', das diese Bedeutung bis ins 18. Jahrhundert hatte, was in Blitzstrahl, Sonnenstrahl noch zu erkennen ist.[5] Offenbar haben die germanischen Hilfstruppen der Römer die Bedeutungen von pîlum und strêla vermischt, sodass pîlum auch 'Pfeil' und strêla auch 'Wurfspieß' bedeuten konnte.

In England kam stræl ganz außer Mode und wurde durch arrow 'Pfeil' verdrängt.[6] Dem liegt ein germanisches árhwa-sna zugrunde, das sich in voller Form nur im Gotischen erhalten hat. Die Verwandtschaft zu lateinisch arcus 'Bogen' ist nicht zu übersehen. Arhwasna bedeutet eigentlich 'Bogenzubehör'.

Schon Ötzi bewahrte seine Pfeile in einer Tasche auf.[7] Der heutige Name dieses Behälters, Köcher, geht wohl auf die Hunnen[8] zurück, die stärkere Bogen[9] mitbrachten: Im Mongolischen ist kukuri ein Gefäß aus Leder.[10] Die Germanen scheinen mit diesem griffigen Ausdruck eine umständliche Umschreibung wie Pfeiltasche ersetzt zu haben.

Im Mittelalter löste die Armbrust den Kriegsbogen ab, das ist im Prinzip ein Bogen, der auf einen Gewehrschaft montiert ist, welcher stärkere Spannung und bessere Zielgenauigkeit ermöglicht. Das neue Gewehr heißt auf Lateinisch arcu-ballista 'Bogengeschütz'. Die Balliste war eine römische "Kanone", eine Art Katapult. Wie später die Kanone zum tragbaren Gewehr verkleinert wurde, hat man auch eine tragbare Balliste entwickelt, die Armbrust.[11]
Deren Name lässt sich aus der Bauweise der Balliste erklären: Sie hatte statt des durchgehenden Bogens zwei "Arme", welche die Sehne spannten, mit der das Geschoss befördert wurde. Zwischen diesen Armen, sozusagen an der "Brust", befand sich die Mechanik
[12] und der Lauf. Zusammengedrehte Seile spannten die Arme mit der Sehne und bewirkten dasselbe wie die Federkraft des Bogens.[13]

 

 

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Echo Online

 

Datum: 22.03.2016

Aktuell: 09.02.2019