Startseite | Religion  | Sprachwissenschaft | Geschichte | Humanwissenschaft | Naturwissenschaft | Kulturwissenschaft | Kulturschöpfungen

Sprachen | Wörter | Grammatik | Stilistik | Laut und Schrift | Mundart | Sprachvergleich | Namen | Sprachecke

Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Der Maienvogel

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

Email:

 

 

"Kuckuck, ruft's aus dem Wald".[1] "Im Maien heimgekommen, bleibt er nicht still"[2] und gibt mit dem Esel ein Konzert.[3]

Viele Lieder besingen diesen Vogel, über dessen Ruf wir uns im Frühjahr freuen und der trotzdem ein schlechtes Ansehen hat: Dass er seinen Nachwuchs von fremden Vögeln ausbrüten und aufziehen lässt, und dass das Junge die rechtmäßigen Küken aus dem Nest wirft, ist bekannt. Man hat ihm aber weitere Untaten angedichtet: Er zerstöre die fremden Eier oder fresse die Jungvögel.[4] Seit dem 16. Jahrhundert sind Redensarten belegt, wie "weiß der Kuckuck, hol's der Kuckuck, zum Kuckuck". Dieselben Wendungen sind auch mit dem Wort Teufel üblich. Man hat sich offenbar gescheut den bösen Geist beim Namen zu nennen und ist auf einen anderen Ausdruck ausgewichen[5] - kein Kompliment für den Vogel!

Der Kuckuck kann seinen Namen sagen - oder besser, er ist nach seinem Ruf[6] benannt. So brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn er in seinem ganzen Verbreitungsgebiet in Eurasien ähnlich heißt: lateinisch cucûlus, finnisch käki, türkisch guguk, chinesisch bù gǔ, japanisch kakkô. Und natürlich haben auch die heutigen germanischen Sprachen Vokabeln, die unserm Kuckuck ähnlich sind. Das sind aber keine Erbwörter aus alter Zeit, sondern sie wurden im 13. Jahrhundert aus dem Romanischen übernommen (italienisch cucù).[7]

Der alte deutsche Name war Gauch. So nannte man auch einen Narren und Tölpel. Dieses Wort hat mit dem Laut des Maienvogels nichts zu tun, sondern wie Kuh, Kauz und gauzen 'bellen'[8] mit einem Wort für 'schreien'.[9] "Wer schreit, hat Unrecht" und ist ein Narr, weil er keine Argumente vorbringen kann.

Ist der "Gauch" dumm? Er kann ja weiter nichts als diese zwei Töne, während zum Beispiel die Amsel und erst recht die Nachtigall ein viel größeres Repertoire haben. Auch der Esel kann zwei Laute, i und a, und trotzdem schneidet er im Singen schlechter ab, denn der Kuckuck hat wenigstens eine wohltönende Stimme.

Dass die Namen dieses Vogels bei den einzelnen Völkern nur ähnlich, aber nicht gleich lauten, ist nicht verwunderlich, denn Sprache verändert sich ständig. Merkwürdig ist aber das deutsche Nebeneinander von g- und k-, das nichts mit Lautverschiebung zu tun hat. Bei Kautz und gauzen, kucken und gucken[10] ist es genauso.

Guckuck, Kuckuck kann man auch auf gucken beziehen, daher das "Kuckuck"-Spiel mit kleinen Kindern. Das heißt im Französischen ebenfalls wie der Vogel: coucou. Da es dort kein ähnliches Wort für 'schauen' gibt, wird dieser Ausdruck aus dem Deutschen übernommen sein, aber auf den Vogel gedeutet. Die Russen haben das französische Wort als ku-ku entlehnt.[11]

 

[4] HDA 5,694ff

nach oben

Übersicht

 

Echo Online

Begriffe Vögel

 

Datum: 03.05.2016

Aktuell: 09.02.2019