Startseite | Religion  | Sprachwissenschaft | Geschichte | Humanwissenschaft | Naturwissenschaft | Kulturwissenschaft | Kulturschöpfungen

Sprachen | Wörter | Grammatik | Stilistik | Laut und Schrift | Mundart | Sprachvergleich | Namen | Sprachecke

Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Springende Wasser

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

Email:

 

 

Das Wasser quillt bei der Quelle aus der Erde oder aus dem Gestein. Dort entspringt ein Wasserlauf.

Wir unterscheiden heute die natürliche Quelle vom künstlichen Brunnen, als Schacht zum Grundwasser gegraben, heute gebohrt. In der älteren Sprache, noch im 19. Jahrhundert, bezeichnete auch Brunnen den natürlichen Wasseraustritt.[1]
"Die Quelle
[2] quillt", sie wirft Wasser aus (zu griechisch bállein aus guel- 'werfen').[3] So müssten wir eigentlich auch sagen "Der Brunnen brinnt." Dieses Wort war aber schon im Altgermanischen dem Feuer zugeordnet (heute brennen), eigentlich 'wallen, sieden, brodeln'.[4] Dasselbe Nebeneinander von Wasser und Feuer haben wir auch in Brandung und Brand.[5]
Eine Nebenform von Brunnen ist das nordseegermanische Born, in der alten Lutherbibel und auch in der klassischen Literatur ein poetisches Wort, aber auch in den mitteldeutschen Dialekten üblich, daher unser Büttelborn 'Puddel-, Plätscherbrunnen'
[6], neben dem südwestdeutschen Bittelbronn[7], -brunn[8].

Das Wasser der Quellen steht unter Druck und "springt" aus einer Grundwasser führenden Schicht heraus. Grundbedeutung von springen ist 'zu einer raschen Bewegung ansetzen, schnellen', daher auch die anderen Bedeutungen 'hüpfen, rennen, aufplatzen' und 'spritzen'. Das bewirkende Wort ist sprengen 'mit Gewalt öffnen, durch Explosion zertrümmern, ein Reitpferd antreiben' und 'bewässern'.[9] So erklärt sich auch englisch spring, das unter anderem bedeutet 'das Aufplatzen der Knospen, Frühling' und 'Quelle'.[10]

Normalerweise springen Quellen waagrecht, manchmal aber auch senkrecht. Dies geschieht zum Beispiel in einer Senke, wo der Druck des Grundwassers in den umgebenden Hängen so stark ist, dass ein Wasserstrahl in die Höhe spritzt. Nach dem Prinzip der "kommunizierenden Röhren" schießt das Wasser bis zur Höhe des umgebenden Grundwasserspiegels.[11] Die Ingenieure machten sich früh diese Eigenschaft zunutze um Springbrunnen zu schaffen, 1126 erstmals in der französischen Landschaft Artois, daher der Name Artesischer Brunnen. Ein solcher künstlicher Springbrunnen befindet sich in der Grube Messel.[12]
Etwas weiter weg, bei Andernach, ist ein künstlicher Kaltwasser-Geysir. Dort dringt vulkanisches Kohlendioxid ins Grundwasser, das durch eine gebohrte Röhre nach oben steigt. Das Gas bildet Bläschen und erhöht den Druck, so dass das Wasser in regelmäßigen Abständen aus dem Bohrloch schießt.
[13] Vulkanische Heißwasser-Geysire sind aus Island bekannt und wurden schon 1780 in einem deutschen Reisebericht beschrieben. Der isländische Ausdruck ist nur in einer bestimmten Gegend gebräuchlich, sonst heißt die Springquelle gos-hver 'Spritzkessel', zu gjósa / gos 'spritzen', verwandt mit gießen.[14]

 

 

nach oben

Übersicht

 

Echo Online

Begriffe: Wasser

 

Datum: 14.06.2016

Aktuell: 09.02.2019