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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Fels und Steine

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Natürliche Steine sind Mineralbrocken, von Naturkräften oder Menschen aus dem gewachsenen Felsen gebrochen.

Obwohl es überall Stein gibt, ist das Wort nur germanisch und slawisch (stena 'Mauer'). Das Grundwort stehi- 'fest werden' steckt auch in griechisch stéar 'festes tierisches Fett', von dem unser Stearin 'Rohstoff für Kerzen' kommt.[1]

Nachtrag: Stein war das feste Baumaterial :: der teigige Lehm, der über das Zweiggeflecht gestrichen wurde. Daher die slawische Bedeutung 'Mauer'. TH 23.06.2016

Unter Felsen verstand man ursprünglich wohl 'die vom gewachsenen Bergmassiv abgelöste Klippe'. Das Grundwort phel-[2] ist verwandt mit s‑pal-ten[3] und Fell 'abgezogene Haut'[4]. Die indogermanischen Verwandten sind so stark verändert, dass sich der Zusammenhang oft kaum noch erahnen lässt: bei griechisch pella (aus pelna) 'Stein' ist er noch klar, aber nicht in griechisch petra (pelra) 'Fels', dem gallischen Stadtnamen Alesia (Palesia) und altindisch parvati (palvati) 'Fels'.[5]

Drei Gesteinsarten möchte ich vorstellen: Granit, Basalt und Schiefer.

Die körnige Struktur hat dem Granit[6] seinen Namen gegeben, zu lateinisch grânum, das unserm Korn entspricht.[7] Diese Beschaffenheit erklärt sich dadurch, dass Granit aus mehreren Mineralien zusammengesetzt ist, die nicht gleichzeitig aus der gutflüssigen Masse im Erdinnern auskristallisiert sind.

Basalt[8] finden wir hauptsächlich bei alten Vulkanen wie Rossberg , Stetteritz, Otzberg und Katzenbuckel. Das Material stammt aus den Tiefen der Erde und erstarrte oft zu sechseckigen Säulen. Der Name führt uns auf abenteuerlichen Wegen in die Tiefe - nicht der Erde, sondern der Geschichte: Basalt ist die übliche Eindeutschung von neulateinisch basaltes, das seit 1546 gebräuchlich ist, falsch abgeschrieben aus dem antiken basanites 'ein dunkler, harter Stein', zu griechisch basános 'Probierstein'. An dem reibt man Edelmetalle, um ihren Reinheitsgrad zu ermitteln.[9]
Die kleinasiatischen Hethiter hatten zwei ähnliche Vokabeln, aber kein b: pasihai- 'reiben' und passila- 'Kieselstein'. Ursprünglich brauchte man den Kiesel wohl zum Zerreiben von Getreide. So passt 'Reibestein' gut zu 'Probierstein'.
[10]

Schiefer[11] ist der Bruder von hessisch Schliwwer 'Holzsplitter, Spreißel'. Holz und Schiefer lassen sich leicht spalten. Holz ist Jahresring für Jahresring gewachsen und Schiefer hat sich aus Ablagerungen gebildet, deren Schichten zu Stein zusammengepresst wurden. Die Wörter Schiefer und Schliwwer sind entstanden aus sklif- 'spalten', mit einer seltenen Lauthäufung, die zu sk- (heute sch-) oder sl- (heute schl-) vereinfacht wurde.[12]
Der alte Name dieses Steins ist Lei(e), ein keltisches und letztlich alteuropäisches Wort.
[13] Schiefer bekam vermutlich seine heutige Bedeutung, weil man Leie mit Laie 'Nichtgeistlicher'[14] verwechseln konnte.

 

 

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Begriffe: Stein

 

Datum: 21.06.2016

Aktuell: 09.02.2019